Pop - Der Mannheimer Sänger Laith Al-Deen verpackt auf seinem neuen Album „Kein Tag umsonst“ sehr persönliche Texte in eingängige Songs Einsichten in die Kraft der Liebe als Geschenk

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Jörg-Peter Klotz
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Gut die Hälfte von Laith Al-Deens zwölf neuen Liedern hat die Live-Feuertaufe schon hinter sich – und funktionierte unter anderem bei zwei Konzerten in der Alten Wollfabrik in Schwetzingen vor Weihnachten auf Anhieb fast so gut wie die alten Hits. Vor allem die wuchtige Pop-Gospelnummer „Glaub an Dich“ lässt auch auf dem am 22. Mai erschienenen Album „Kein Tag umsonst“ heftig den Funken überspringen. Den massiven, breitgezogenen Trap-Beat darin hätten dem Mannheimer wohl nicht viele zugetraut.

Hat sein zehntes Studioalbum seit 2000 produziert: Laith Al-Deen. © Chris Gonz
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Das hat fast Hozier-Format. Und deutet daraufhin, dass sich der Deutsch-Iraker mit seinem zehnten Studiowerk wieder ein Stück weiter aus der Karrierefalle befreien kann, die ihm seit nunmehr über 20 Jahren ein Wechselstahlbad der Gefühle bereitet. Bekanntgeworden im Jahr 2000 durch den Ohrwurm-Dauerbrenner „Bilder von dir“ erspielte er sich ein großes Publikum im Vorprogramm von Pur und bei der All-Star-Sause Night Of The Proms.

Das wollte ihn naturgemäß gern weiter in der Rolle des „Schmusepapsts“ und „Knopfaugenprinzen“ (Al-Deen selbstironisch über Al-Deen) hören, während er viel lieber seine enorm breitgefächerten Qualitäten auch als Soul-, Rock-, Blues- oder gar Punk-Sänger ausgelebt – und vor allem gewürdigt gesehen – hätte. Dass seine exzellente Konzertplatte „Live“ (2004) und das wunderbare, extrem ambitionierte Coveralbum „Session“ (2009) auf wenig kommerzielle Gegenliebe stießen, war frustrierend.

Zunehmend selbstbestimmt

So ging es jahrelang hin und her zwischen „Nie wieder so nah am Schlager“ und „Ich bin Pop-Dienstleister“, 2001 bis 2007 auch noch vertraglich gebunden ans stilistische Gängelband der elektronisch orientierten Produktionsfirma Schallbau. Mit zunehmender Selbstbestimmung gelang es Al-Deen, mit den Vorgängerplatten „Was wenn alles gut geht“ (2014) und seinem zweiten Nummer-eins-Album „Bleib unterwegs“ (2016) immer besser, Fremd- und Eigenanspruch auf einen Nenner zu bringen.

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Der neue Longplayer, erhältlich auch als ausgesprochen gut klingende Vinyl-LP und exklusiv bei Amazon in einer limitierten Box (u.a. mit CD im Digipak, Fünf-Jahres-Kalender, Bonus-Live-DVD) erhältlich, schafft den Spagat noch etwas geschmeidiger.

„Du bist es wert“ hitverdächtig

Mit dem kraftstrotzenden „Liebe ist ein Geschenk“ und vor allem dem spürbar von einer neuen Liebe befeuerten „Du bist es wert“ gibt es waschechtes Hit-Material, das wohl nur wegen der schwer verständlichen Laith-Al-Deen-Allergie in der Radio-Landschaft nicht auf Dauerschleife läuft und die Charts stürmt.

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Dazu kommen handwerklich sehr gute Nummern aller Spielarten zwischen Uptempo-Pop und tiefschürfender, gern von Tobi Reiss’ Piano getragener Ballade, modern gehalten durch elektronische Stil-Einsprengsel, variable Chor-Einsätze und mitunter gar nicht so unkomplexe Rhythmik.

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Wer sich auf die Texte einlässt, erlebt selbstanalytisches Schmusepapsttum auf hohem Niveau. Denn der 48-Jährige hat viel erlebt und verarbeitet, was er nicht nur im Titelsong „Kein Tag umsonst“ gekonnt und offen bilanziert – vom Wechsel an der Plattenfirmen- und Management-Front bis zu einer zerbrochenen Ehe, vertont in „Zwischen den Zeilen“, mit euphorischen Neuanfang („Du bist es wert“, „Wenn du bei mir bist“). Das kann inspirieren und besonders in der Pandemie-Situation Wind unter die Flügel blasen. Bestes Beispiel: die Motivationshymne „Glaub an dich“. Da wird selbst ein eigentlich banales „So ist das Leben“ wie im dezent orchestrierten ersten Song „C’est La Vie“ zum aussagekräftigen Mutmacher: „Ich hab’ nicht immer ’nen Plan, aber ich weiß, wohin ich will / meistens komm’ ich auch an, und ich weiß, was mich killt.“

Info: Hier geht es zum Interview mit dem Künstler

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Jörg-Peter Klotz
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