Kulturpolitik - Veranstalter der Region lehnen den Eventim-Vorschlag kategorisch ab, Eintrittskarten nur an Geimpfte abzugeben „Distanzieren uns klar von dieser absurden Idee“

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Jörg-Peter Klotz
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Der Vorschlag des Ticketportal-Marktführers CTS Eventim, nur Karten an Geimpfte zu verkaufen, trifft auf keinerlei Gegenliebe bei Veranstaltern in der Region. „Das ist zum Totlachen“, ist die erste Reaktion von Capitol-Chef Thorsten Riehle. Impfprivilegien sind für ihn kein Thema: „Wir wollen keine Zweiklassengesellschaft. Selbst dann nicht, wenn es unser Haus retten würde.“

Konzertveranstalter versprechen sich von Impfprivilegien nichts. © dpa
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Außerdem spiele das Thema den Leuten in die Hände, die alles, was nach Impfzwang aussehen könnte, geradezu herbeisehnen, um die Gesellschaft weiter zu spalten, sagte der Mannheimer SPD-Stadtrat auf Anfrage. Matthias Mantel, bei der Mannheimer Agentur BB Promotion verantwortlich für das lokale Geschäft, hat ganz andere Probleme: „Impfen? Die Frage ist doch: Wann findet überhaupt die nächste Veranstaltung statt? Impfprivilegien herauszugeben ist überhaupt nicht in unserem Interesse.“ Außerdem fragt er sich: „Was passiert denn mit bereits gekauften Karten?“

Vorschlag verfassungswidrig?

Noch entschiedener weist Tourveranstalter und Ticketvertreiber S-Promotion den Eventim-Vorstoß zurück: Weil er klar gegen das im Grundgesetz verankerte Diskriminierungsverbot verstoße und unrealistisch sei. Es zeige sich, dass die Einlösung des Impfversprechens der Bundesregierung wegen verzögerter Lieferungen nicht zu erfüllen sei.

S-Promotion-Geschäftsführer Stefan Schornstein, der in Mannheim u.a. Shows von Bülent Ceylan, Carolin Kebekus oder den Ehrlich Brothers veranstaltet, erklärt: „Der Vorstoß von Eventim geht in die völlig falsche Richtung. Wir distanzieren uns ganz klar von dieser absurden Idee und stellen ernsthaft die weitere Zusammenarbeit mit Ticketbetreibern, die solche Maßnahmen in Erwägung ziehen, in Frage.“ Er appelliert an die Verantwortlichen, Lösungen zur Wiederherstellung des Spielbetriebs zu finden.

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Praktikabel wäre das Konzept „Eintritt nur für Geimpfte“ allenfalls bei Lokalitäten ohne Massenandrang – kleineren Theatern und Kulturhäusern, Restaurants oder Kinos. Aber auch Frank Noreiks, der in Mannheim die Multiplexkinos Cinemaxx und Cineplex leitet, lehnt Impfprivilegien kategorisch ab: „Wir werden das nicht machen.“ Nicht nur, weil er die Idee als sozial extrem schwierig sehe. „Es würde im gleichen Atemzug unser ausgeklügeltes, bewährtes Hygienekonzept untergraben und infrage stellen.“ Peter Baltruschat vom Schatzkistl findet die Diskussion zwar wichtig: „Sie jetzt, mit so vielen unbekannten Variablen zu führen, ist ein Fehler.“

Ressortleitung Stv. Ressortleiter Kulturredaktion