Hintergrund - Junges Nationaltheater Mannheim weitet digitales Angebot aus / Erste Liveübertragung eines Stücks am Samstag Direkter Austausch mit dem Publikum

Von 
Jessica Blödorn
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„Easy Baby“ (2019), ein Bühnenstück des Jungen Nationaltheaters Mannheim (JNTM), ist derzeit online abrufbar. © JNTM

Ob musikalische Stücke am Klavier, Schauspiel und Musicals oder unterhaltsame Sketche – was wegen der Corona-Krise analog und live nicht mehr möglich ist, muss eben digital seinen Weg zum Publikum finden. Das Nationaltheater Mannheim (NTM) macht sich soziale Netzwerke zu eigen und bietet seit einigen Wochen auch auf seiner Webseite ein umfassendes Video-Angebot an. Nun zieht das Junge Nationaltheater Mannheim (JNTM) mit neuem Material nach.

Demnächst im Nationaltheater

  • Das interaktive Programm „Qingdao – a messy archive“ feiert am Samstag, 2. Mai, um 19 Uhr seine Premiere online.
  • Der Stream zu „Easy Baby“ ist über „NTM Digital“ auf der Internetseite des Nationaltheaters Mannheim (NTM) abrufbar. Die anderthalb Stunden langen Nachgespräche dazu finden am 6. Mai ab 18 Uhr, am 8. Mai ab 19 Uhr, und am 12. Mai ab 11 Uhr statt.
  • Eine Anmeldung ist für beide Angebote erforderlich und per Mail an gerd.pranschke@mannheim.de möglich. Die Teilnahmen sind kostenlos. jeb

„Meisterklasse“ hat Anhänger

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Der digitale Auftritt sei keine Planung von zwei Tagen gewesen, sagt Clara Günther, Pressereferentin des JNTM. Im Gegenteil, recht früh bespielte das Nationaltheater soziale Netzwerke, informierte über Facebook und Co. Durch die Corona-Krise haben sich innerhalb kurzer Zeit jedoch verschiedene Formate entwickelt, die nach und nach das Licht des Internets erblicken.

Die Reihe „Meisterklasse“, in der Mitglieder des Hauses über ihre Arbeit und Privates sprechen, Übungen zeigen oder gar den Pudel aus Johann Wolfgang von Goethes „Faust“ nachbasteln und ihm Leben einhauchen, findet längst Anhänger auf Instagram. Und unter der Kategorie „Große Bühne“ sind Aufnahmen von Aufführungen und Musikstücken zu finden. Vieles dient der Unterhaltung – einiges regt auch zum Mitmachen an.

Nun wird auch das junge Ensemble zunehmend involviert. Denn seit Samstag gibt es dort auch Inhalte des Jungen Nationaltheaters. Den Beginn macht die vollständige Aufzeichnung der Pop-Oper „Easy Baby“, einer Produktion des JNTM in Zusammenarbeit mit dem Theaterkollektiv James & Priscilla. Die Uraufführung war bereits 2019 live auf der Bühne zu sehen. Darin geht es vor allem um das Thema Erwachsenwerden – im Zusammenhang damit aber auch darum, welche Rolle Heranwachsende in der Gesellschaft einnehmen wollen.

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Familie, Schule, Freundschaft, Sex und Liebe spielen dabei eine Rolle – Themen, die zeitlos sind und mit denen sich ohnehin jeder Jugendliche befassen muss. Erstmals bietet das JNTM im Mai auch drei Termine an, um ein Nachgespräch mit den Ensemblemitgliedern und dem künstlerischen Team per Videokonferenz zu führen.

Premiere im Netz

„Nach Aufführungen laden wir häufig Kinder und Jugendliche zum Nachgespräch ein – dass wir uns nun per Videokonferenz mit ihnen austauschen, ist da natürlich die logische Konsequenz und sehr spannend“, sagt Günther. Ebenso neu und aufregend sei auch der Podcast „TurmTable“. Das Team des JNTM verspricht ein abwechslungsreiches Programm für junge Hörer jeden Sonntag ab 16 Uhr. Der „Händewaschen“-Podcast des NTM ist zwei Folgen älter und bespricht vieles im Konjunktiv, vieles, das direkt und indirekt mit dem Theater zu tun hat.

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„Wir haben neue Wege gefunden, kreativ zu werden und mit unserem Publikum zu interagieren“, freut sich Günther. Dieses Ausweichen auf andere Kanäle werde als große Chance gesehen, um das digitale Angebot des Nationaltheaters auszubauen. „Wir sammeln jetzt wertvolle Erfahrungen und werden sicherlich auch einiges weiterführen, wenn wir unsere Bühnen wieder bespielen können.“ Am Samstag, 2. Mai, will das Team noch einen Schritt weiter gehen: „Wir zeigen unsere erste Online-Premiere.“ Gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg zeigt das junge Ensemble „Qingdao – a messy archive“. Darin erforscht das Team die gemeinsame Geschichte Mannheims mit seiner von 1898 bis zum Ersten Weltkrieg vom Deutschen Reich besetzten Partnerstadt Qingdao im Nord-Osten Chinas – und seine Auswirkungen bis heute.

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Die Künstler haben eng mit dem Marchivum zusammengearbeitet und belassen es nicht bei einem Live-Auftritt vor der Kamera. Eine interaktive Webseite mit Videos, Texten und Objekttheater soll den Zuschauern die Geschichte der chinesischen Kolonie noch näher bringen – und verschiedene Sinne ansprechen.

Volontariat Geboren am 29. April 1992 in Gießen. Masterstudium an der JLU Gießen mit dem Schwerpunkt Deutsche Literatur. Seit 2019 in Mannheim lebend.