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Musik - Gitarrist Ron Wood wird 75 Jahre alt – und feiert auf Deutschland-Tour

Der ewige Neue bei den Rolling Stones

Von 
Marcel Anders
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Bei den Stones nennen sie Ron Wood nur „den Neuen“ – weil er schließlich erst 47 Jahre zur Besetzung der dienstältesten Rockband der Welt zählt. Dabei ist er auch ihr mit Abstand bester Musiker sowie ihr spannendstes Mitglied: Ein Multitalent hinter der Fassade eines Rock-Animals, das so ziemlich alles er- und überlebt hat. Und das gerne in einer Mischung aus Nostalgie und Kulturpessimismus schwelgt. Kostprobe: „Heute sind die Leute verwöhnt – sie kriegen alles per Knopfdruck; überall“, sinniert Wood beim Gespräch im Londoner Landmark Hotel. „Als ich noch ein Teenager war, waren interessante LPs aus Amerika dagegen kaum zu kriegen. Wir mussten sie uns von Freunden leihen, die sie irgendwo aufgetrieben hatten. Und ich habe mir die Riffs von Chuck Berry draufgeschafft, indem ich sie Zuhause auf meinem kleinen Plattenspieler gehört habe. Ich liebe diese frühen Sachen noch immer.“

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Ohnehin hat sich Ronald David Wood über die Jahrzehnte kaum verändert: Er ist immer noch das Kind im Manne – ein mittelgroßer, dürrer Rockstar, der sich betont kumpelhaft gibt, einfach nur „Ronnie“ genannt werden will und die Gitarrenriffs seiner Helden imitiert. Allerdings nicht in irgendeiner Combo – die Rolling Stones sind eine Institution: Die erfolgreichste, größte und älteste Rockband dieses Planeten.

Ron Wood beim Stones-Konzert 2003 auf dem Hockenheimring. © Manfred Rinderspacher

1975 ersetzt Wood den Brian Jones-Ersatz Mick Taylor. Allerdings bekommt er den Job nicht unbedingt wegen seiner musikalischen Fähigkeiten, die er zuvor bei der Jeff Beck Group und den Faces eindrucksvoll unter Beweis stellt, sondern in erster Linie, weil er ein Kumpel von Keith Richards ist. Mit dem gibt Wood in den 1970ern und 1980ern so viel Gas, dass er selbst nicht weiß, wie er das überlebt hat. „Es ist ein Wunder – irgendwer da oben scheint mich zu mögen“, lacht die Personifizierung von Sex, Drugs & Rock’n’Roll. „Aber: Ich bedaure nichts. Dafür war es zu aufregend. Ganz ehrlich? Ich würde rein gar nichts ändern wollen.“

Doch obwohl er den Rockstar-Lifestyle so verinnerlicht hat: Nach zwei gescheiterten Ehen mit extrem kostspieligen Scheidungen und zig skandalträchtigen Affären wolle er, so Wood, nun ein verantwortungsvoller Vater und Großvater sein – für sechs eigene Kinder und ebenso viele Enkel. Deshalb hat er 2002 das Trinken aufgegeben. Eine Dekade später – wegen einer Krebsdiagose – auch das Rauchen. „Ich habe 50 Jahre lang gequalmt wie ein Schlot. Zum Glück war der Krebs nur in meiner linken Lunge. Und er ließ sich operativ entfernen. Ich hatte wirklich Schwein. Jetzt versuche ich, jeden Tag so gut wie möglich zu nutzen.“

Seize the day – diesem Motto folgt Ron Wood seit den 2010ern mit kindlicher Begeisterung – und erweist sich zudem als wahres Multitalent: Er spielt mit alten Weggefährten wie Bob Dylan, Eric Clapton oder Ringo Starr, übernimmt kleine Filmrollen, schreibt drei Bücher, moderiert eine eigene Radiosendung und profiliert sich als Maler. „Mein Freund Sebastian Krüger meint immer: ,Ronnie, du bist extrem vielseitig.’ Ich denke, das hat auch damit zu tun, dass mein Sternzeichen Zwilling ist. Sprich: Ich bin mehrere Typen auf einmal, und ich mag alles von Mozart bis Marley. Das äußert sich auch in meiner Kunst. Momentan arbeite ich mit Keramik, male Pferde, Landschaften und Gitarren bzw. entwerfe Gesichter für die Uhren von Bremont. Ich habe viele kleine Spielwiesen.“

Damit, das gibt Ron Wood offen zu, verbringe er den Großteil seiner Zeit. Nur: Wenn die Stones rufen, steht er Gewehr bei Fuß bzw. ist Feuer und Flamme – unabhängig davon, dass er sich auf den Alben der Band kaum als Songwriter einbringen kann. Für Jagger/Richards ist der exquisite Slide-Gitarrist halt nur für den Rhythmus zuständig. So auch bei den kommenden Konzerten in München und Gelsenkirchen – und beim nächsten Album, an dem die Stones schon 17 Jahre basteln. „Wir treffen uns ständig zum Aufnehmen – eben hier und da. Das Ganze nimmt allmählich Form an. Es sind alles Originale.“ Das sagt Wood mit großen, leuchtenden Augen. „Der Neue“ hat die geringste Entscheidungsgewalt, aber den meisten Enthusiasmus. Ein Mann der zweiten Reihe, der seine Rolle liebt. Auch das macht ihn so besonders …

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Rolling Stones-Gitarrist Ron Wood wird 75 Jahre alt

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