Corona - Die legendäre Musik-Institution kämpft im Lockdown ums Überleben / Eine Spendenaktion hat bereits mehr als 200 000 Dollar eingebracht Dem New Yorker Jazzclub Birdland droht das Aus

Von 
Geirg Spindler
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Einer der berühmtesten Jazzclubs in den USA steht auf der Kippe. „Wir sind kurz davor, für immer schließen zu müssen“, meldet das Birdland auf seiner Facebook-Seite. Es sei von der Schließung bedroht, weil Inhaber Gianni Valentini die Miete nicht mehr bezahlen könne, meldet die US-Nachrichtensendung Eyewitness News/ABC auf ihrer Homepage. Aufgrund der Corona-Pandemie sei der Club, der nach der Bebop-Ikone Charlie „Bird“ Parker benannt ist, seit März geschlossen.

Nahm im Birdland auf: der in Heßheim lebende Richie Beirach. © Laura Carbone
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Dem Bericht zufolge hat der Club Anfang Dezember 18 000 Dollar für Trennwände und eine moderne Luftfilter-Anlage ausgegeben, um wenigstens den damals noch erlaubten Gastronomiebetrieb zu ermöglichen. Doch dann sei auch das vom Gouverneur verboten worden.

Der Off-Broadway-Produzent Tom D’Angora hat vor kurzem eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um den Club zu retten. „Live-Musik ist unverzichtbar für den Geist und die Energie dieser Stadt“, schreibt D’Angora auf seiner Instagram-Seite. 250 000 Dollar lautet die Zielvorgabe, damit könnten die Schulden des Birdland bezahlt und ein Überleben des Clubs gesichert werden. Seit dem 2. Januar sind bereits mehr als 200 000 Dollar an Spendengeldern zusammenkommen.

Das aktuelle, 1985 gegründete Birdland geht auf den Originalclub zurück, der von 1949 bis 1964 als „Jazz Corner Of The World“ Musikgeschichte schrieb und durch Live-Aufnahmen unter anderem von John Coltrane, Art Blakeys Jazz Messengers und der Count Basie Big Band berühmt wurde. Die Jazzband Weather Report widmete ihm 1977 ihren Welt-Hit „Birdland“.

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Auch die Neugründung war Schauplatz exzellenter Live-Aufnahmen, etwa von Lee Konitz, Brad Mehldau, dem Dave Holland Quintet (beides auf ECM) und von dem im pfälzischen Heßheim lebenden US-Pianisten Richie Beirach (auf ACT). Nicht zuletzt ist das heutige Birdland bekannt für seine exzellente Akustik, was auf diesen Alben auch deutlich zu hören ist.

Während das New Yorker Village Vanguard mit Livestream-Konzerten von Jazzgrößen wie Kenny Barron oder Chris Potter (Tickets kosten 10 Dollar) seinen Betrieb aufrecht erhält, ist in Kalifornien ein weiterer renommierter Jazzclub in finanzielle Notlage geraten.

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Yoshi’s Jazzclub in Oakland, eine Institution der US-Westküsten, bekanntgeworden durch Live-Alben von Oregon, George Coleman oder Arturo Sandoval, ist auch seit zehn Monaten geschlossen und sah sich ebenfalls gezwungen, einen Spendenaufruf via Crowdfunding zu starten. Das berichtet die Tageszeitung „San Francisco Chronicle“ auf ihrer Internetseite.

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Hier liegt demnach die Zielmarke bei 200 000 Dollar; mehr als die Hälfte davon sei inzwischen gespendet worden, teilt der „San Francisco Chronicle“ mit. Hal Camos, General Manager des Clubs, wird mit den Worten zitiert. „Ich habe Angestellte, die inzwischen obdachlos geworden sind und auf der Straße leben.“