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 Deltabeben Deltabeben-Preis geht an Ulises Morales Lamadrid

Von 
Dr. Susanne Kaeppele
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Ulises Morales Lamadrid sieht seine Kunst auch als Spiegelbild der Realität. © Toni Montana Studios

Mannheim. Fast wird es schon zur Routine, die Online-Veranstaltungen auch der Kunsthäuser in Mannheim. Nach einem munteren Reigen durch alle drei Ausstellungsorte des Deltabebens mit 29 künstlerischen Positionen, nämlich Kunstverein Mannheim, Kunsthalle Mannheim und Port25 - Raum für Gegenwartskunst, verkündet Inge Herold, stellvertretende Direktorin der Kunsthalle Mannheim, den überraschenden Gewinner des Deltabebenpreises: Ulises Morales Lamadrid. Ihn hatte wohl niemand auf dem Zettel, aber zu Recht erhält er ihn jetzt, wie wir gleich in der Besprechung zeigen werden. Der Preis ist mit 3 000 Euro dotiert und wird von der VR Bank Rhein-Neckar gestiftet.

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Der aus Kuba stammende und seit zwei Jahren in Neustadt an der Weinstraße ansässige Künstler ist 1966 in Havanna geboren worden und studierte dort Freie Kunst an der Universität von Havanna. Er beteiligte sich an zahlreichen internationalen Ausstellungen und war 2015 Stipendiat des Botnik Studio, Göteborg. Die Jury, die aus den Kuratoren der drei Häuser bestand, lobt in ihrer Begründung die Vielseitigkeit des Künstlers, der sich demnach souverän zwischen Malerei, Zeichnung, Skulptur und Installation bewegt. Seine Themen sind Geschlechterverhältnisse, Macht, Tod und Erinnerung.

In Port25 sind zwei seiner Arbeiten zu sehen, zum einen das große Gemälde mit dem surrealen Titel „A la mujer que se hace la dormida, el marido la alumbra con un fósforo (Die Frau, die sich schlafend stellt, wird von ihrem Mann mit einem Streichholz beleuchtet)“ von 2020, zum anderen eine Serie von goldenen Puderdosen mit Spiegeln und Fotos namens „Operación inversa (Umkehrung der Ideale)“ von 2015-2020. Das große Gemälde besteht einerseits aus dem Bild einer nackten Frau, die Brennholz trägt, deren Kopf, wie der Künstler später im Gespräch sagt, aus einem Herzen besteht, andererseits aus einem Huhn, beides getrennt durch einen Streifen unbehandelter Leinwand. Diese Mischung erklärt der Künstler so, dass Frauen die größte Last in männerdominierten Gesellschaften in Mittel- und Südamerika tragen (Machismo), mal ganz abgesehen vom allgegenwärtigen Rassismus.

Dieser wird sehr böse und überzeugend in der Arbeit mit den Puderdosen entlarvt, da die auf dickes Papier gedruckten Fotos Menschen zeigen, die niemals Zugang zu Puderdosen haben oder hatten: Schwarze, Rastafaris, Obdachlose, Ausgestoßene. Andererseits sehen wir uns auch selbst im Spiegel und müssen uns selbst und unser Verhalten in Frage stellen. Sensibel und entlarvend hält der Künstler uns den Spiegel vor.

Freie Autorin Freiberufliche Kunsthisitorikerin Schwerpunkte: Aktuelle, zeitgenössische Kunst, Videokunst, Fotografie, Klass. Moderne, Renaissance