Film - Schauspielerinnen fordern mehr Mitspracherechte ein Debatte ums Proben von Intimszenen

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epd (Bilder: Marenzi & Casper, Borek)
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Die Schauspielerin Julia Effertz (Bild oben) wirbt dafür, intime Szenen im Film vorher zu proben und über Grenzen zu sprechen. Bei intimen Szenen könnten innerliche Verletzungen entstehen, die ein Leben lang belasten, sagte Deutschlands einzige Intimkoordinatorin am Dienstag bei einer Diskussion des Filmfestivals Max Ophüls Preis zum Thema Prävention gegen Missbrauch. „Sie sind genauso nicht zu tolerieren wie körperliche Verletzungen.“

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Als Intimkoordinatorin sei sie eine neutrale Partei beim Dreh, federe Machtverhältnisse ab, bespreche Grenzen und vermittle zwischen Schauspiel und Regie. „Für mich ist das Wichtigste, dass man versteht, dass das eben nicht eine Szene ist wie jede andere, die man so kann.“ Es gehe darum, eine Choreographie wie mit Stunt- oder Kampfkoordinatoren zu lernen. Dabei gehe es auch um Qualität und Arbeitsschutz.

Gefahr von Abhängigkeiten

Die Schauspielerin und Regisseurin Alison Kuhn (Bild unten) betonte, dass unter Schauspielerinnen und Schauspielern eine gewisse Ja-Sager-Mentalität vermittelt werde, weil sie sich in der Hackordnung unten fühlten. Wichtig sei eine Kommunikation auf Augenhöhe.

Beim Festival präsentiert Kuhn ihren Film „The Case You“ über sexualisierten und gewaltsamen Machtmissbrauch im Rahmen eines Castings – Kuhn war eine der Bewerberinnen. Momentan läuft ein Rechtsstreit, weil der Regisseur, der das Casting leitete, das Material zu einem Film montierte. In „The Case You“ verarbeiteten fünf Schauspielerinnen dieses Erlebnis und überlegen, welche Konsequenzen daraus zu ziehen seien. „Es muss endlich Normalität werden, dass diese Grenzen nicht überschritten werden“, erklärt Lisa Marie Stoiber, eine der Teilnehmerinnen. Es bestehe ein Abhängigkeitsverhältnis, wenn Schauspielerinnen einen Job annehmen müssten, um ihre Miete zu zahlen. epd (Bilder: Marenzi & Casper, Borek)