Geburtstag - Peter Schilling wird an diesem Donnerstag 65 Jahre alt / Sein größter Hit wird seit mehr als vier Jahrzehnten bei Heimspielen der Adler Mannheim gesungen Das Warten der Eishockey-Fans auf „Major Tom“

Von 
Christian Rotter
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Die letzten Minuten vor dem ersten Bully werden zelebriert. Die Fans der Adler Mannheim wissen, was kommt, die Vorfreude in der Arena steigt – wenn Zuschauer zugelassen sind. Die Sekunden ticken runter. Der DJ spielt mit ihren Nerven. Die ersten Takte von Peter Schillings „Major Tom“ sind eine Erlösung. „Dann hebt er ab und“, dröhnt es aus den Lautsprechern, ehe die Anhänger übernehmen. Tausendfach erklingt: „Völlig losgelöst von der Erde schwebt das Ufo völlig schwerelos.“ An diesem Donnerstag wird Schilling 65 Jahre alt.

Bei Mannheimer Eishockey-Fans beliebt: Sänger Peter Schilling. © dpa
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Dass es in Mannheim seit dem Umzug vom Friedrichspark ins Bösfeld nicht mehr „Raumschiff“, sondern „Ufo“ heißt, ist der Kreativität der Fans und der Dachkonstruktion der SAP Arena geschuldet. Wieso genießt der Hit von Schilling, der Anfang 1983 Nummer eins in Deutschland, Österreich und der Schweiz war, im Mannheimer Eishockey aber eine Ausnahmestellung?

Probleme nach dem Durchbruch

Im Buch „Bye Bye Friedrichspark“ heißt es über einen Mannheimer Sieg in der am Ende verlorenen Finalserie gegen Landshut: „Am Tag der Bundestagswahl (6. März 1983) gab Stadionsprecher Bernd Stich nicht nur in regelmäßigem Abstand (…) die Hochrechnungen bekannt, sondern sagte beim 8:2-Sieg des MERC auch zehn Tore an. Die Stimmung war prächtig, in diesen Wochen hielt auch der noch heute allgegenwärtige Fan-Song von Schilling (’Major Tom’) Einzug im Gesangsrepertoire des Eisstadions.“ Stéphane Richer, der mit den Adlern als Spieler vier Meisterschaften holte und sie als Trainer 2005 ins Finale führte, erklärt: „Wir ausländischen Spieler verstanden zwar den Text nicht, wir wussten aber: Wenn dieses Lied gespielt wird, brennt gleich die Hütte.“

Schilling selbst kann nur bedingt Aufklärung leisten: „Es gibt viele Sachen, die passieren einfach. Das ist eine davon. Ich weiß, dass Musik in den Minuten vor einem Spiel eine große Rolle spielt. Ich habe mit dem Song vielleicht das Lebensgefühl von vielen getroffen – nicht nur, aber wohl auch von Eishockey-Fans, die in den 80er Jahren in den Friedrichspark geströmt sind“, wird er in ’111 Gründe, die Adler Mannheim zu lieben’ zitiert.

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Mit zwölf Jahren hat Schilling angefangen, Musik zu machen. Seinen ersten Auftritt hatte er auf einer Beachparty bei Bremen. „Das war die wunderbare Single ’Gib her das Ding’ – ein Meisterwerk. Den Text kenn ich heute noch“, sagt er der Deutschen Presse-Agentur. Danach ging es steil bergauf. Anfang der 1980er Jahre der Durchbruch mit „Major Tom“ über einen Astronauten, der in seinem Raumschiff gefangen ist.

Auf den Aufstieg folgte der Fall. Schilling fühlt sich überfordert. „Ich musste aufhören, sonst würde ich heute nicht mehr hier sitzen. Das war wirklich kurz vor knapp. Ich wog 52 Kilo“ , sagte er vor fünf Jahren. Und heute? Eigentlich würde er sein Album „Vis Viva“ gerne auf Tournee präsentieren. Jetzt will er sich Zeit lassen. „Ich sehe, dass die meisten Musiker 2022 auf Tour gehen werden wollen, ich aber nicht. Ich lasse es auf mich zukommen.“ (mit dpa)

Redaktion Koordinator der Sportredaktion