Heimkino - Rod Lurie verfilmt in „The Outpost“ die Schlacht US-amerikanischer Soldaten um das afghanische Kamdesh Blutiger Kampf ums Überleben

Von 
Gebhard Hölzl
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Befindet sich im Nordosten Afghanistans im Kampf gegen die Taliban: der amerikanische Soldat Clint Romesha (r., Scott Eastwood). © Telepool GmbH

Seit der Geburtsstunde des Films im Februar 1895 waren die USA in vier große Kriege verwickelt – die Weltkriege, den Korea- sowie den Vietnamkrieg. Während dieser Auseinandersetzungen wurden Filme produziert, die in ihren Aussagen und Botschaften die Politik rechtfertigten – mit gelegentlichen Ausnahmen wie Lewis Milestones „Im Westen nichts Neues“. Die Ursachen und Anlässe der Konflikte wurden entsprechend der Ideologie dargestellt, die „eigene Sache“ sollte als gerecht empfunden, die Moral der Nation gestärkt werden.

Auftritte in „Fast & Furious 8“ und „Snowden“

Scott Eastwood kam 1986 in Carmel, Kalifornien, als Sohn von Clint Eastwood und Jacelyn Ann Reeves auf die Welt. Er verbrachte seine Kindheit auf Hawaii, studierte Kommunikation an der Loyola Marymount University in Los Angeles und machte dort 2008 seinen Abschluss.

Seine Karriere startete er 2006 im Kriegsfilm „Flags of Our Fathers“, den sein Vater inszenierte und der ihm Mini-Rollen in „Gran Torino“ und „Invictus – Unbezwungen“ übertrug.

Seinem Geburtsnamen Scott (Clinton) Reeves legte er 2009 ab, da es bereits einen Schauspieler gleichen Namens gab. Seitdem firmiert er als Scott Eastwood, war im Drama „Farben der Liebe“, dem Horror-Thriller „Texas Chainsaw 3D“, zwei Episoden der TV-Serie „Chicago Fire“ oder neben Brad Pitt in „Herz aus Stahl“ zu sehen.

Weitere Auftritte absolvierte er im Bio-Pic „Snowden“, im Superheldenabenteuer „Suicide Squad“, der Komödie „Walk of Fame“, dem Vollgas-Actioner „Fast & Furious 8“ sowie dem Science-Fiction-Spektakel „Pacific Rim 2: Uprising“. geh

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Ein Beispiel hierfür ist „Die grünen Teufel“, eine nationalistische, ultra-patriotische Propagandamär, die Co-Regisseur und Hauptdarsteller John Wayne als „Kreuzzug gegen die kommunistische Beherrschung der Welt“ verstand. Die jungen Wilden Hollywoods, unter ihnen Francis Ford Coppola und Oliver Stone, machten mit „Apocalypse Now“ beziehungsweise „Geboren am 4. Juli“ gegen den Krieg mobil.

Der klassische Kriegsfilm war tot, das Genre wurde kaum mehr bedient. Bis sich die Vereinigten Staaten 1991 in den Zweiten Golfkrieg einschalteten und 2001 als Reaktion auf 9/11 Afghanistan angriffen. Seitdem erlebt der Krieg im Kino – respektive Corona-bedingt auf dem Bildschirm – eine Renaissance: Es geht nicht mehr um großangelegte Offensiven, um epische Schlachtpanoramen, sondern um gefährliche Rettungsmissionen oder den Überlebenskampf Einzelner. Mit dem Etikett „men on a mission“ hat man diese Werke belegt, ein prototypisches Beispiel hierfür ist Robert Redfords „Von Löwen und Lämmern“.

CNN-Sachbuch als Vorlage

Oder nun „The Outpost – Überleben ist alles“, ab 28. Januar als DVD oder Blu-ray erhältlich oder digital abrufbar. Als Regisseur zeichnet Rod Lurie verantwortlich, das Drehbuch hat das Autorenteam Paul Tamasy und Eric Johnson verfasst. Als Vorlage diente das Sachbuch „The Outpost: Eine unerzählte Geschichte amerikanischer Tapferkeit“ von Jake Tapper, seines Zeichens CNN-Moderator und -Chefkorrespondent.

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Zum Außenposten Keating, nahe Kamdesh im Nordosten Afghanistans, geht es. Der Waffennachschub für die Taliban aus dem rund 20 Kilometer entfernten Pakistan soll von hier aus unterbunden werden. Kurz vor der Schließung des Stützpunkts ziehen die Milizionäre am 3. Oktober 2009 rund 400 ihrer Anhänger zusammen und greifen im Morgengrauen an. Eingekesselt und ohne jede Unterstützung kämpfen 54 Soldaten, darunter Clint Romesha (Scott Eastwood), Ty Carter (Caleb Landry Jones), Ben Keating (Orlando Bloom) und Josh Kirk (Jack Kesy), zwölf Stunden lang ums Überleben. Mit hohem Blutzoll …

An tatsächlichen Ereignissen orientiert sich die Handlung. Die Fakten erfährt man dank finaler Textinserts, zudem hat man Fotos der Gefallenen neben die ihrer Darsteller platziert. Doch es geht nicht um Aufarbeitung oder Anklage, zu sehen bekommt man eine Western-Variante. Worauf der Spitzname der Militärbasis bereits hindeutet: „Camp Custer“. Nach Generalmajor George Armstrong Custer, der im Sezessionskrieg in der Schlacht am Little Bighorn gegen die von Sitting Bull angeführten Indianerstämme eine Niederlage hinnehmen musste. Von den hohen Bergen des Hindukusch ist das Lager umgeben.

Emotionale Komponente fehlt

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Schwer zu verteidigen, leicht anzugreifen. Was tagtäglich passiert. Während dieser Scharmützel werden in der ersten Hälfte der etwa zweistündigen Laufzeit die einzelnen Männer skizzenhaft vorgestellt. Wirklich nahe kommt man ihnen nicht. Für keinen der Protagonisten bangt man ernsthaft. Was damit zu tun hat, dass sie allesamt wenig sympathisch auftreten und beständig einen rüden Umgangston pflegen.

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In den zweiten 60 Minuten stehen die Zeichen auf Action. Aus allen Rohren wird geschossen. Blut spritzt, Schreie sind zu hören. Mörser werden abgefeuert, es kommt zu Explosionen, bis Rettung aus der Luft naht – in Form donnernder Hubschrauber. Anonym bleibt der Feind. Furios ist die Inszenierung, körperlich spürbar das Sounddesign, unruhig, passend hektisch die (Hand-)Kameraarbeit von Lorenzo Senatore, der die angstverzerrten Gesichter der Kämpfer immer wieder in Großaufnahme einfängt. Handwerklich packend und beeindruckend – nur ohne Seele. Es fehlt die emotionale Komponente.

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