Wunder der Prärie - Bei Zeitraumexit wird das achte Live-Art- und Performancefestival eröffnet Basteln an der Utopie

Von 
Ralf-Carl Langhals
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Daran, dass sich Dinge zum Besseren ändern lassen, glaubt Mannheims Oberbürgermeister mit Begeisterung. Von daher ist Peter Kurz - vor allem derzeit und wenn auch vielleicht nicht uneigennützig - der berufenste Redner in Sachen Mut zur Veränderung, Aufbruch, Utopie und kreatives Vorstellungsvermögen. Trotz BUGA-Morgenforum war es dem Stadtoberhaupt möglich, zuvor eine knackige und emotionale Rede zur Eröffnung des Performance-Festivals Wunder der Prärie zu halten, das unter dem Motto "laut geträumt" den künstlerischen Umgang mit urbanen und gesellschaftlichen "Baustellen" abbildet, über die Mannheim zurzeit ja ausreichend verfügt.

"Hörspiel": Zuhören und Ideen mit den Händen Stein werden lassen.

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Doch manche Dinge ändern sich eben nicht: Gemeinderäte und Kulturausschussmitglieder blieben fern, hat man doch Kunsthalle und NTM. "Wie du warst vor aller Zeit ..." Doch die Zeiten ändern sich, selbst Berlins Kulturbürgermeister Wowereit hat mittlerweile eingeräumt, dass ein nicht unerheblicher Teil der Kulturtouristen der freien Szene wegen in die Hauptstadt kommt.

Den Geist der Zeit hat immerhin Festivalhauptsponsor BASF erkannt, der traditionell gute Erfahrungen mit Laborarbeit hat. Karin Heyl, neue Leiterin des Kulturmanagements, setzt mit angenehm frischem Ton auf die freiwerdenden Energien des kulturellen Experiments. Im Verbund mit Hausherrin Gabriele Oßwald und dem kulturpolitischen Sprecher der baden-württembergischen Landtagsgrünen, Manfred Kern, waren die warmen Eröffnungsworte dann ungewohnt schnell, aber nicht minder glaubwürdig gewechselt.

Reis und Marshmallows

Was gab's? Wie meist bei Zeitraumexit: offene Formen, Skurriles, Hintergründiges, Amüsantes und Schräges bei freiem Einlass in Hof, Kantine und Kubus. Ricarda Franzen und Robert Schoen präsentieren "Soziale Bausätze" und stellen legendäre Hörspiele von Mauricio Kagel ("Der Tribun"), Christoph Schlingensief ("Rocky Dutschke '68") oder Peter Sloterdijk ("Das soziale Band und die Audiophonie") lustigen Legoskulpturen gegenüber. Bürgerbeteiligung im Stile der 68er oder kollektive Auswanderungsmodelle können dann zur Verwirklichung einer privaten Miniatur-Utopie im Lego-Format genutzt werden.

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Wem dann vor lauter Gesellschaftstheorie schon der Schädel schwirrt, kann sich nebenan bei Chun Hua Catherine Dong entschleunigen - und bei "Hourglass" mit der chinesisch-kanadischen Performerin Reiskörner schwarz bemalen.

Fröhliche Urständ feiert das Raumlabor Berlin, das einst - wir erinnern uns - mit einem U-Boot über den Rhein fuhr - und diesmal mit einem Diskussions- und Aktionspanzer mit "cold war/hot dogs" bis 28. September durch Mannheim kreuzt, um die Auswirkungen des amerikanischen Truppenabzugs für Mannheim zu untersuchen. Mit Marshmallows am Schaschlikspieß und Squaredance geht es im Hof des Festivalzentrums launig, aber noch ein wenig lau los. Projektentwicklungen und Veränderungen laufen eben langsam an . . .