Kultur im Netz - Die Mannheimer Tulla-Galerie zeigt die Ausstellung „Paintings & Bikes“ online Bambusfahrrad und Acrylbild als digitales Duo

Von 
Julia Brinkmann
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Digital durch die Ausstellung schlendern – das geht sowohl per Mausklick als auch mit den Pfeiltasten der Tastatur. © Screenshot Tulla-Galerie/ Heinz A. Frank/ Oswald Wieser

Das Ausstellungsgebäude ist von grünen Bäumen umringt, es steht auf einer Insel mitten auf offener, blauer See. Moment, befinden wir uns auf einer coronafreien Insel? Nein, wir sind im digitalen Raum. Aber eigentlich wäre die Ausstellung „Paintings & Bikes“ (deutsch: Malereien und Fahrräder) in der Galerie der Tulla-Realschule, zentral in Mannheim, zu sehen. Durch die Pandemie können Besucher, allen voran die Schüler, die Ausstellung nicht im echten Leben betrachten.

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Stattdessen haben ihre Macher, unter anderem Dorothea Fogt und Susanne Klehr von der Galerie im Tulla sowie Heinz Frank und Oswald Wieser als Urheber der ausgestellten Werke (wobei Wieser auch die Galerie programmiert), die digitalen Möglichkeiten vollends ausgenutzt. Wie in einem Videospiel können die Räume und Kunstwerke angesehen werden, rund um die Uhr. Mit Maus oder Tastatur kann man sich durch die Galerie bewegen, per Klick auf ein Werk werden alle wichtigen Informationen dazu gezeigt. Aber aufpassen: Nach 15 Minuten kann der Laptop ganz schön warm laufen. Ausgestellt werden Acrylgemälde vom Künstler Heinz Frank und Bambusfahrräder von Oswald Wieser – je ein Bild und ein Fahrrad gehen eine Symbiose ein.

Mit Pinsel sowie Spachtel

Frank malt seine Bilder in Anlehnung an Fotografien. Die Bilder in „Paintings & Bikes“ wurden durch Fotos, die Frank in Südafrika per Handy aufgenommen hat, inspiriert. In Handarbeit, mit Pinsel oder Spachtel, sind daraus Acrylgemälde entstanden.

Die Bambusfahrräder namens „Smart Grass Bicycles“ baut Oswald Wieser gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Fazlul Hoque unter anderem in Heidelberg. Wie es dazu kam? Als Hoque ein Fahrrad gebraucht hat, entschied er sich dazu, selbst eines zu bauen. Wie in seiner Heimat Bangladesch üblich, sollte das aus Bambus sein. Die Grasart ist stabil, aber trotzdem leicht; zudem dämpft das Material Vibrationen – perfekt für Fahrräder. Und so tüftelten Hoque und Wieser an Möglichkeiten. Ein Jahr später waren sie in der Lage, ihr Wissen über das Bauen von Bambusfahrrädern in Workshops auch an andere weiterzugeben. Alle Fahrradexponate der Ausstellung sind in solchen Workshops entstanden und somit unverkäuflich. Ein E-Bike von Wieser und Hoque, das in der Ausstellung gezeigt wird, ist 2017 auch für den German Design Award nominiert worden.

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Aber wie passen Acrylmalereien und selbstgebaute Fahrräder zusammen? Die Zusammenarbeit der beiden in Schwetzingen lebenden Freunde Wieser und Frank entstand nicht erst für die Ausstellung; schon vorher hatten sie „Paintings“ und „Bikes“ für einen Kalender miteinander arrangiert. „Als wir die Bambusfahrräder und Bilder einander zugeordnet haben, waren wir uns sofort einig, was zusammen gehört“, erzählt Frank auf der digitalen Vernissage zur Ausstellung.

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