Kulturpolitik - Laut Startup Mannheim gibt es seitens der Stadt keine Bedenken gegen Autokino-Pläne / Mehrere Anfragen für Maimarkt und Neuen Messplatz liegen vor Autokinos in Mannheim: Es ist nur noch offen, ab wann, wo und wer

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Jörg-Peter Klotz
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Im Dortmunder Autokino gab es am Freitag ein Live-Konzert der Band Brings. © dpa

Mannheim. Bei Michael Ackermann stand am Montagvormittag das Telefon nicht still. Nachdem der für Nordbaden zuständige Film Commissioner von Startup Mannheim und Cineplex/Cinemaxx-Geschäftsführer Frank Noreiks im Gespräch mit dieser Redaktion Autokino-Pläne für die Quadratestadt konkretisiert hatten, wollten die Anfragen zu dem Thema kein Ende nehmen: „Ich bin sicher, dass es läuft. Man muss jetzt nur die Interessenten koordinieren - und schauen, wie man es finanziert, wenn man nicht nur Blockbuster zeigen will. Wir streben ein interdisziplinäres Angebot an, das der Mannheimer Kulturszene ein Podium bietet.“

Die Regeln

  • In Heilbronn ist unterdessen am Wochenende das Popup Autokino erfolgreich gestartet, in Kornwestheim lief der Betrieb trotz Pandemie ununterbrochen. In einem Dortmunder Autokino haben die Kölner Rocker Brings über UKW-Frequenzen vermutlich das erste Live-Konzert in Zeiten der Corona-Kontaktsperre gegeben. Möglich ist das durch Sonderregeln, die auch in Mannheim Anwendung finden würden.
  • Das Heilbronner Popup hat sie auf seiner Homepage zusammengestellt: Es sind maximal zwei Personen pro Auto zugelassen. Ausnahme: Eltern mit bis zu drei eigenen Kindern bis 17 Jahre. Scheiben und Türen müssen permanent geschlossen bleiben, das Verlassen des Fahrzeugs ist lediglich zum direkten Toilettengang genehmigt. Dort gilt bei Schlangenbildung ein Mindestabstand von zwei Metern. Speisen und sind selbst mitzubringen, Karten werden ausschließlich online verkauft. Es gilt: „Bitte nicht ohne Ticket anreisen!“
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Christian Sommer, Geschäftsführer des für kulturelle Stadtentwicklung zuständigen Konstrukts Startup Mannheim, bestätigt, das allein aus der eigenen Stadt drei konkrete, Anfragen vorliegen - vom Time-Warp-Veranstalter Cosmopop, der Kommunikationsagentur GO7 und Lichtdesigner Benjamin Jantzen, der unter anderem das B-Seiten-Festival gestaltet.. „Wir werden versuchen, da möglichst viel unter einen Hut zu bekommen und denken auch über ganz verschiedene Angebote an mehreren Standorten nach.“

Keine Bedenken seitens der Stadt

Es gebe eine leichte Tendenz, eher Anbieter aus Mannheim unterstützen zu wollen: „Aber wenn jemand für viel Geld eine große Fläche mietet und dort kommerzielles Kino anbietet, spricht aus unserer Sicht nichts dagegen. Das kann sich ja ergänzen.“ Zumal die Kapazität einer größeren Leinwand wohl bei 200 bis 400 Autos liegt, in denen während der Corona-Auflagen nur zwei Leute oder Familien mit bis zu fünf Personen sitzen dürfen. Aus Branchenkreisen ist zu erfahren, dass kommerziell ausgerichtete Autokinos ab 300 bis 350 Stellplätzen lukrativ sind.

Gesundheits- oder ordnungspolitische Bedenken der Stadt gebe es nicht, betont Sommer auf Nachfrage. „Dadurch, dass selbst bei Konzerten der Ton direkt über eine UKW-Frequenz in die Autos gespielt werden kann und sich Musiker über In-Ear-Kopfhörer selbst hören, kommt es zu keiner Lärmbelästigung“, sagte der ehemalige Musikpark-Chef. Da strenge Auflagen zu Abständen und Hygiene wie geschlossene Autofenster eingehalten werden, geht die Infektionsgefahr in geschlossenen Wagen gegen null.

Mehrere Anfragen für Maimarkt

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Die Frage ist also nicht, ob Autokino-Angebote nach Mannheim kommen, sondern wer es ab wann wo auf die Beine stellt. Naheliegend ist das Maimarktgelände. Dafür bestätigt Stefany Goschmann, Geschäftsführerin der Mannheimer Ausstellungs-GmbH, ebenfalls mehrere Anfragen: „Die Frage ist, wer bekommt mit welchem Konzept die behördliche Genehmigung.“ Sie könne sich auch mehrere gleichzeitig betriebene Leinwände vorstellen, „wenn es die Sonneneinstrahlung zulässt. Am Reitstadion oder am Neuen Messplatz sind weitere denkbare Standorte. Für letzteren gibt es bei der Stadt auch mehrere Anfragen, weshalb Sören Gerhold, Geschäftsführer der Alten Feuerwache, eigene Pläne für den nahegelegenen Alten Meßplatz zurückzustelt, wie er auf Nachfrage berichtet. Für Capitol-Chef Thorsten Riehle sind Autokinos eine willkommene Option, „wenn wir im Juni wegen Umbau unser Streaming-Angebot einstellen müssen.“

Fritz Krings, Veranstalter des Odenwälder Festivals, Sound Of The Forest , plant ein interdisziplinäres Autokino-Angebot in Michelstadt und würde gern auch in Mannheim Programm sowie bei Bedarf Technik und Funkfrequenzen beisteuern: „Vielleicht ist sogar etwas mit einigen Bands möglich, die zu unserem abgesagten Festival gekommen wären. Oder auch audiovisuelle Lesungen, wir wir sie für Bestseller-Auto Sebastian Fitzek konzipieren.“

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