Nachruf - Der Soziologe und Künstler Urs Jaeggi ist gestorben Auf „krummem Weg“ die Macht des Staats analysiert

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Mehr als 400 000 Mal verkaufte sich sein Buch „Macht und Herrschaft in der Bundesrepublik Deutschland“: Urs Jaeggi (Bild) galt als ein Ideengeber der Studentenbewegung. Der Schweizer Soziologe, der auch als Künstler und Schriftsteller bekannt wurde, ist am Samstag mit 89 Jahren in Berlin gestorben, teilte seine Familie am Montag mit.

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„Manchmal war es ein etwas krummer Weg, aber ich habe mir alle meine Wunschträume erfüllt“, sagte er zu seinem 85. Geburtstag. „Mir war es wurscht, wenn die Leute gesagt haben: Muss er denn das jetzt auch noch machen?“ Der 1931 in Solothurn geborene Jaeggi studierte Kunstgeschichte, Ökonomie und Soziologie. Nach seiner Habilitation ging er an die Ruhr-Universität Bochum, später zur New School for Social Research nach New York.

„Ich weiß bis heute nicht, wie das zustande kam“, sagte Jaeggi über den Erfolg seiner Analyse, dass eine kleine Elite die Schaltstellen der Macht beherrscht. Den Konflikt arbeitete er später in seinem autobiografischen Roman „Brandeis“ auf. Zusammen mit den Romanen „Grundrisse“ und „Rimpler“ wird daraus eine Trilogie zum Umbruch der 68er Jahre.

Von 1972 bis 1993 war er Professor am Institut für Soziologie der Freien Universität Berlin, zuletzt auf einer halben Stelle, weil er bei einem Bildhauer das Handwerk lernte. Seit 1985 stellte er seine Werke im In- und Ausland aus. dpa (Bild: dpa)