Enjoy Jazz - Ergänztes Pablo Held Trio in Mannheim Absprachen verboten

Von 
Hans-Günter Fischer
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Vor acht Jahren sei er noch mit seinem Trio „in die Klapsmühl’ eingewiesen worden“, witzelt Pablo Held. Beim aktuellen Enjoy Jazz-Termin im Mannheimer Ella & Louis-Souterrain zu landen, ist also kein Abstieg. Held erzählt, dass man am Vortag an der hiesigen Musikhochschule zu einem Workshop angetreten sei. Mit Folgen, wie sich im Konzert noch zeigen wird. Pablo Held erklärt die Regeln: Keine Set-List, keine Absprachen seien erlaubt.

14 Jahre gemeinsame Auftritte

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Held ist zwar erst knapp 33, spielt aber mit Robert Landfermann und Drummer Jonas Burgwinkel bereits seit 14 Jahren. Was für blindes musikalisches Verständnis sorgt, aber auch ein paar neue Anreize erfordert. Im umkämpften Marktsegment für Jazz-Klaviertrios gehören Held & Co gewiss nicht zu den Traditionalisten, die mit Standards, Folge 98, den Erfolg suchen. Stattdessen steht im Vordergrund, dass Jazz mit Zeitgenossenschaft zu tun hat. Mit Veränderung. Die Themen werden oft nur angerissen und danach in lange, kollektive Improvisationen überführt, zumal im ersten Set, das ohne Pause durchgespielt wird.

Pablo Held skizziert gezackte, scharfe Linien, unterstreicht des Öfteren die perkussive Herkunft des Klaviers. Kein Wunder, dass gerade auch in diesem ersten Set Schlagzeuger Jonas Burgwinkel zum gleichberechtigten Akteur aufsteigt. Und Robert Landfermann spielt nicht bloß alle Löcher zu, die sich zwischen Klavier und Schlagzeug auftun könnten, sondern setzt auch Sound-Akzente. Manchmal schnarrend, manchmal (mit dem Bogen) in der hohen Lage singend oder sägend.

In der Zugabe erweitert sich das Trio zum Quartett: Kristina Shamgunova am Altsax tritt hinzu, sie ist Studentin an der Mannheimer Musikhochschule – und im Workshop auffällig geworden. Lyrisch, weich und abgeklärt bläst sie „If I Should Lose You“, eine Nummer, die einst auch Chet Baker adelte. Ein Standard also, doch noch.