Ein Stein, der bleibt

Von 
Sonja Tinter (12)
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Hallo, ich heiße Hennah und bin ein Karomaletriks. Naja, ihr könnt euch darunter natürlich nichts vorstellen, also helfe ich euch da etwas auf die Sprünge. Ein Karomaletriks ist ein Lebewesen mit einem Auge und zwei Mündern. Der eine Mund ist zum Essen und Trinken, das ist der untere und der obere Mund ist für die Stimme, also zum Sprechen, Singen, Schreien und eben allem, was man mit der Stimme so macht. Dann habe ich noch ein normales Bein, das ist von mir aus gesehen rechts und links habe ich eine Sprungfeder als Bein.

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Ein Karomaletriks kann jede Farbe haben, man kann sich allerdings die Farben nicht aussuchen. Die setzen sich nämlich aus den Eltern zusammen, wenn also, zum Beispiel wie bei meiner Freundin, die Mutter gelb ist und der Vater lila, ist man halb lila und halb gelb. Ich bin von meiner Mutter grün und von meinem Vater rosa. Wenn allerdings auch eines der Elternteile schon zusammengesetzt ist, kann man auch drei oder mehr Farben besitzen. Die Haare bei uns Karomaletriksen können auch unterschiedlich sein, die setzen sich aber nicht aus den Eltern zusammen. Ich habe lange abstehende lockige Haare. Arme haben wir Wesen nicht, die Aufgaben der Arme erledigen bei uns auch die Haare.

So, jetzt wisst ihr, wie wir aussehen, aber was ich euch eigentlich erzählen wollte, ist eine Geschichte, die  vor ungefähr einem Monat hier in Topakranien passiert ist. Da leben wir Karomaletriksen. Es war, glaube ich, an einem Samstagmorgen, als es geschah, um ungefähr 1278 Uhr, bei euch sieben Uhr. Die Uhzeiten hier bei uns sind anders als bei euch Menschen, also an diesem Morgen fing alles ganz normal an. Meine grüne Mutter machte mir und meinem Vater ein leckeres Frühstück aus Pfannekuchen und Marmelade. ,,Wow, Mama, du hast dich heute mal wieder selbst übertroffen." sagte ich zu ihr und aß vier Stück.

Auch meinem Vater schienen sie zu schmecken: "Mmmmmmh, das ist wirklich fantastisch, mein Schatz." Als ich mich fertig für die Schule machte und mein Vater zur Arbeit ging, hatte ich das Gefühl, irgendetwas vergessen zu haben. ,,Komm, Hennah, du verpasst noch den Schulbus." drängte mich meine Mutter. Ich bekam den Bus natürlich noch und wollte mich gerade neben meine Freundin Tina setzen, doch neben ihr saß doch tatsächlich Kiara aus der Klasse gegenüber. ,,Hey, seit wann ist Kiara unsere Freundin?" fragte ich sie verwundert und leicht enttäuscht. Doch sie tat so, als würde sie mich nicht hören und redete weiter mit Kiara. Traurig setzte ich mich auf einen anderen Platz. Als der Bus dann endlich an der Schule angekommen war und ich ausstieg, roch es stark nach Lavendel.

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STOP,HALT!!! Ich muss die Geschichte an dieser Stelle kurz unterbrechen und sagen, dass ich Lavendel HASSE!!! Aber egal, weiter mit der Geschichte.

Sofort als ich den Geruch in die Nase bekam, hielt ich sie mir zu. Doch was mich dann erwartete, war zu krass, denn auf einmal waren alle Leute um mich herum verschwunden und die Schule war auf Grund von Renovierungsarbeiten geschlossen. Ich wusste nicht was ich tun sollte. Mir blieb nichts anderes übrig als wieder nach Hause zu fahren, doch da bei uns in Topakranien die Busse nur in eine Richtung fahren, hatte ich keine Idee mehr, was ich machen sollte. Meine Mutter würde mich ja erst nach der Schule abhohlen und bei uns Karomaletriksen gibt es auch nicht solche komischen Dinger mit Bildschirmen zum Telefonieren. Ich ging also etwas spazieren und da entdeckte ich einen schönen silbernen Stein, er glänzte sehr hell und natürlich steckte ich ihn in meinen Rucksack.

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Da sah ich meine Brotdose: ,,Warum ist mir das nicht früher eingefallen? Ich habe ja noch meinen blauen Apfel dabei." An dieser Stelle mache ich nochmal eine kleine Pause, um euch zu erklären, dass bei uns die Äpfel blau sind. Aber das ist nicht so wichtig, denn jetzt geht es mit der Geschichte weiter. Ich biss also in meinen Apfel und genau in diesem Moment kam ein weiterer Bus an der Schule an, es stieg Tina aus, aber dieses Mal ohne Kiara. ,,Hallo Tina, ich bin hier!" rief ich, doch es kam keine Reaktion von ihr. Ich fragte sie: ,,Bist du etwa von hier nach Hause gelaufen?" Doch sie ignorierte mich immer noch.

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Plötzlich war sie verschwunden, ich traute meinen Augen nicht, doch sie war wirklich einfach so weg! Ich stand auf und hatte Angst, denn auch hier in Topakranien ist es nicht gewöhnlich, dass jemand einfach so verchwindet. Also packte ich meinen  angebissenen Apfel wieder ein und ging ein paar Schritte im Kreis.

Ich muss nochmal kurz unterbrechen, denn selbstverständlich gibt es hier auch keine Handuhren, da wir hier sowieso keine Hände oder Arme haben. Naja, weiter mit der Geschichte:

Ich konnte also nicht einmal nachschauen, wieviel Uhr wir hatten, damit ich wusste wann meine Mutter kommen würde. Da hörte ich plötzlich die Stimme meines Vaters: ,,Hennah, Hennah, wach auf du kommst sonst noch zu spät in die Schule."

So, und da ist die Geschichte auch eigentlich schon vorbei, denn ihr wisst es jetzt sicher auch schon: Es war alles nur ein Traum, der sich sehr echt angefühlt hat. Was allerdings sehr seltsam ist: Der silberne Stein liegt wirklich in meinem Rucksack! Er glänzt auch genauso wie im Traum. Vielleicht war ein Teil davon auch wahr, aber wer kann das schon so genau sagen?

  • "Erzähl mir was" - Kinder-Edition