Adventure City – Stadt der Abenteuer

Von 
Silvia Jakob
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Bobby lief durch die Straßen der Stadt. Eine Frau mit grünen Haaren auf einem Besen sauste vorbei, dicht gefolgt von einer weiteren Frau auf einem Staubsauger. Die Staubsaugerfrau holte auf und rief der Besenfrau zu: „Also wirklich Nora, du solltest dir echt mal so einen Staubsauger anschaffen! Besen sind sowas von out.“ Ein Junge ging mit einem Krokodil an der Leine Gassi. Ein Mann mit langem Bart und spitzem Hut eilte zu einem schwebenden Gebäude, das die Form eines Blitzes hatte. Für Bobby völlig normal. Er war in Adventure City, der Stadt der Abenteuer! Der Stadt der Hexen und Hexer, Zauberer und Magier. Hier musste man auf alles gefasst sein. Manchmal verschwanden hier Dinge und Personen. Aber das ging zu weit. Eindeutig. Seit ein paar Tagen war Lilly verschwunden. Lilly hatte wie Bobby zwar keine magischen Kräfte, aber sie besuchten beide die Zauberschule und gingen in dieselbe Klasse. Bis vor kurzem. Bis Lilly verschwand.

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Jetzt lief Bobby durch Adventure City und dachte nach, was er über Lilly wusste. Sie war 12 Jahre alt, blond, Einzelkind und hatte viele seltsame Freunde. Vielleicht wussten die ja Rat. Bobby machte sich auf den Weg. Er klapperte einen Flughundzüchter, einen Flaschengeist und eine Indianerfrau ab – ohne Erfolg. Als nächstes stand ein alter verrückter Professor auf der Liste. Er hieß Professor Dr. von und zu Quakelmus. Bobby stieg die 111 Stufen zu der Haustüre des Professors hoch und wollte klingeln, fand aber keine Klingel. Plötzlich ging ein Alarm los und die Tür wurde aufgerissen. „Wer da? Ich freue mich immer über Besuch!“, sagte ein Wischmopp auf Beinen. Erst bei genauerem Hinsehen erkannte Bobby, dass es der Professor war. Er hatte zottelige Haare und einen wirren Bart. „Ich…“, begann Bobby. „Komm doch rein!“, unterbrach der Professor ihn. Zögerlich betrat Bobby das Haus. In dem leicht schummrigen Licht konnte er viele seltsame Dinge ausmachen: eine Glühbirne mit Flügeln, eine laufende Kaffeekanne, einen Autoreifensessel, einen Bananenschalenaufräumautomaten, eine Palme auf der Kekse wuchsen und sonstigen Krempel. „Ich suche Lilly“, brachte er sein Anliegen vor. „Lilly? Ach ja…“, der Professor schien wie nach einem langen Traum zu erwachen. „Die, also die ist momentan in Urlaub.“ Er hüstelte. „WAS HEISST DAS?!“ Bei Bobby standen alle Alarmglocken auf Rot. „Tja, also äh…“

Nach ein paar Minuten hatte Bobby alle nötigen Informationen zusammen. „Also Lilly ist mit einer Zeitreisemaschine in die Zukunft gereist und sitzt dort fest, da die Zeitmaschine kaputt ist, richtig?“ Der Professor nickte zerknautscht. „Aber das nur um die Magie in Adventure City zu kontrollieren, damit niemand die Magie missbraucht.“ Diesen Kommentar überhörte Bobby. „Sind sie plemplem oder was…?“, weiter kam Bobby nicht. Ein ohrenbetäubender Knall zerriss die Luft. „Die Zeitmaschine!“, rief der Professor und rannte davon. Bobby stürzte hinterher. Aus einem grauen Kasten trat Lilly. „Die Zeitmaschine geht wieder!“, juchzte der Professor und umarmte die Maschine. „Du lebst noch!“, rief Bobby und umarmte Lilly. Schnell ließ Bobby Lilly los und wurde rot. Lilly grinste. Der Professor guckte beschämt. „Tut mir leid Lilly…“, begann er. „Schon gut, schon gut, Lilly ist wieder da, die Maschine heil und fertig. Können wir jetzt bitte nach Hause gehen?“, Bobby wurde die Sache etwas peinlich. Der Professor nickte, Lilly grinste wieder. Dann verabschiedete sich Bobby von Lilly. Im Weggehen hörte er wie Lilli zum Professor sagte: „Alles voller Roboter. Aber mit der Magie ist alles im grünen Bereich.“

Wieder lief Bobby durch die Straßen von Adventure City. Ein Clown, der auf einem Spielzeugflugzeug durch die Luft flog, jonglierte mit einer Zauberkugel. Eine Frau kaufte in einem Laden Zauberbücher. Ein kleines Kind schleckte einen riesenhohen Turm Eis. Alles war wie immer, nur das Lilly nun wieder da war.

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Ein paar Tage später trafen sich Lilly und Bobby im Eiscafé. „Und?“, fragte Bobby, „was hast Du in der Zukunft gesehen? Was ist aus mir geworden?“ „Tja…“, sagte Lilly. Und sie blinzelte ihm verschwörerisch zu.

  • "Erzähl mir was" - Kinder-Edition