Bundeswehr - CDU-Politiker Karl A. Lamers sieht für den Einsatz deutscher Soldaten im Irak noch Bedarf / US-Präsident kann Nato-Bündnisfall nur beantragen „Vollständiger Truppen-Abzug würde IS in die Karten spielen“

Von 
Till Börner
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Der Heidelberger Bundestagsabgeordnete Karl A. Lamers (CDU; Archivbild). © Sergey Dolzhenko

Der Heidelberger Bundestagsabgeordnete Karl A. Lamers (CDU) über die Entwicklungen im Mittleren Osten.

Verteidigungsexperte



Karl A. Lamers (Jg. 1951) ist stellvertretender Vorsitzender des Verteidigungsausschusses.

Lamers, seit 1975 Mitglied der CDU, studierte Jura und saß von 1987 bis 1995 im Gemeinderat der Stadt Heidelberg.

Er ist Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Heidelberg. red

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Herr Lamers, finden Sie die Entscheidung, die Bundeswehr aufgrund der Spannungen teilweise aus dem Irak zu verlegen, richtig?

Karl A. Lamers: Die Entscheidung ist zweifelsohne richtig. Die Sicherheit der Soldatinnen und Soldaten ist für uns Parlamentarier oberstes Gebot.

Das irakische Parlament fordert den Abzug aller ausländischer Truppen. Wird dieser erfolgen?

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Lamers: Ich hoffe nicht, dass es dazu kommen wird. Unser Einsatz im Irak soll ja nicht nur die irakischen Sicherheitskräfte befähigen, die Sicherheit im eigenen Land gewährleisten zu können. Der Einsatz ist auch im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat wichtig. Ein Abzug wäre die schlechteste Lösung.

Ist der Bundeswehreinsatz damit dauerhaft beendet?

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Lamers: Die Ausbildungsmission und die Teilnahme am Anti-IS-Mandat sind mit der Verlegung der 32 Soldaten aus Bagdad und Tadschi nicht beendet, sondern nur vorübergehend ausgesetzt, bis sich die Lage beruhigt und entspannt hat. Voraussetzung dafür ist aber, dass ein Hilfeersuchen der irakischen Regierung vorliegt, wie es bisher der Fall war.

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Was bedeutet die Teilverlegung für den Kampf gegen den IS?

Lamers: Sollte es zu einem vollständigen Abzug der internationalen Truppen kommen, würde das sicherlich dem IS in die Karten spielen. Das muss auch im Interesse der Sicherheit Europas verhindert werden.

Könnte die Nato in die Bredouille geraten, wenn der US-Präsident im Fall einer iranischen Reaktion den Bündnisfall ausruft?

Lamers: Der US-Präsident kann den Bündnisfall nicht allein ausrufen, sondern ihn allenfalls beantragen. Die Amerikaner haben aber selbst genug Optionen zu einer angemessenen Reaktion. Sollte er dennoch den Bündnisfall beantragen, kann jeder Staat frei über seinen Beitrag entscheiden. Aber ich hoffe, dass die Diplomaten Lösungen finden.

Wissen Sie, ob auch die US-Airbase Ramstein in die Tötung Ghassem Soleimanis involviert war?

Lamers: Dazu liegen im Bundesministerium der Verteidigung keine Erkenntnisse vor. Am Donnerstag findet eine Sondersitzung des Verteidigungsausschusses statt. Vielleicht liegen bis dahin Informationen vor.

Volontariat