„Patienten müssen nicht zwangsläufig in Krankenhaus“

Von 
Finn Mayer-Kuckuk
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Antje Deichmann (r.) testet im Sars-CoV-2-Labor des Landesgesundheitsamtes in Hannover die von Arztpraxen eingeschickten Proben von Patienten mit Grippeverdacht. © Tom Figiel/NLGA/dpa

Das Virus Sars-CoV-2 verbreitet sich auch in Deutschland immer weiter. Während erste Betriebe schon konkret von den Auswirkungen erfasst werden, wächst auch die Unsicherheit unter Arbeitnehmern. Hier die wichtigsten Antworten.

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Ich habe Angst, mich am Arbeitsplatz oder auf dem Weg dahin anzustecken. Darf ich zu Hause bleiben und Homeoffice machen?

Es gibt kein grundsätzliches Recht auf Homeoffice. „Nur, wenn der Arbeitnehmer konkrete Symptome aufweist und diese vom Arzt bestätigt sind, dürfte er gegebenenfalls von zu Hause arbeiten“, sagt Aziza Yakhloufi, Fachanwältin für Arbeitsrecht. Solange das Unternehmen keine flächendeckende Anweisung gibt, zu Hause zu bleiben, müssen Mitarbeiter in die Firma fahren. Anders sieht es aus, wenn der Betrieb die Option Homeoffice von sich aus anbietet oder vorschreibt.

Welche Pflichten haben die Arbeitgeber?

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Arbeitgeber haben eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Arbeitnehmern - und die gilt besonders in Zeiten erhöhter Gesundheitsgefahr. „Das heißt, sie müssen vorbeugende Maßnahmen ergreifen“, sagt Yakhloufi. Der erste Schritt ist der Hinweis auf Hygieneregeln, der etwa per E-Mail verschickt werden kann. Der Betrieb sollte auch klarstellen: Wer sich krank fühlt, soll zu Hause bleiben. Wenn die Infektionswelle rollt, ist Homeoffice eine gute Option. Firmen dürfen Mitarbeiter nicht in Gebiete schicken, vor denen das Außenministerium warnt.

Ich bin mit Husten oder Fieber aus Italien zurückgekehrt. Was soll ich machen?

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Hier ist Vorsicht geboten, schließlich gilt es, die Ausbreitung zu verlangsamen. „Menschen, die aus Risikogebieten nach Hause kommen oder Kontakt zu infizierten Personen hatten, sollten in Quarantäne bleiben“, sagt Swantje Middeldorff von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg. Wer mit Risikopersonen Kontakt hatte und leicht erhöhte Temperatur aufweist, sei bereits ein Verdachtsfall. Dann sollte der Arzt einen Test durchführen.

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Ich war im Karneval und in Urlaub außerhalb der Risikogebiete und fühle mich jetzt krank.

Das ist kein Grund, sich anders zu verhalten als sonst. „Wenn ich mich krank fühle, muss ich zu Hause bleiben“, sagt Yakhloufi. Es gebe aber, was Covid-19 angeht, keinen Generalverdacht. Wer zum Beispiel weit weg von der betroffenen Gemeinde Heinsberg im Karneval war, kann nur zu Hause bleiben, wenn er wirklich Symptome aufweist.

Was, wenn mein Partner in Italien war und jetzt Fieber hat?

Auch hier empfehlen Experten, den Fall abzuklären. „Wenn die Symptome schon in der Familie sind, sollte man dringend zu Hause bleiben!“, sagt Middeldorff. Da die Partner, die sich gesund fühlen, aber eigentlich nicht arbeitsunfähig sind, können sie auch nicht krankgeschrieben werden. Diese Menschen können sich beim Gesundheitsamt melden und dort eine entsprechende Bescheinigung erhalten.

Wenn ich im Fall einer Erkrankung das Haus nicht verlassen soll oder Arztpraxen meiden möchte, wie komme ich an die Krankschreibung?

Für eine Krankschreibung müssen Sie auf jeden Fall zum Arzt. „Sollte jemand einen konkreten Coronavirus-Verdacht haben, sollte er in der Praxis anrufen“, empfiehlt die Kassenärztliche Vereinigung. Die Ärzte entscheiden, wie es weitergeht.

Was ist, wenn ich nur leichtes Halskratzen habe?

Ohne Kontakt zu Risikopersonen gelten Sie erst einmal nicht als Verdachtsfall.

Mein Unternehmen stellt wegen eines Verdachts auf Covid-19 den Betrieb ein. Erhalte ich weiterhin meinen Lohn?

Ja. „Grundsätzlich besteht die Pflicht zur Entgeltzahlung“, sagt Yakhloufi. Die Verbreitung einer Krankheit liege im Bereich der Risiken, die der Arbeitgeber trägt. Wenn die Mitarbeiter arbeitswillig und arbeitsfähig sind, gibt es keinen Grund, die Gehälter nicht zu überweisen.

In Hamburg ist ein Reiseveranstalter zahlungsunfähig, weil ihm das Geschäft weggebrochen ist. Was passiert in solchen Fällen?

Es gilt das normale Insolvenzrecht. Hier unterscheiden sich Probleme aufgrund einer Epidemie nicht von allen anderen Ursachen für Zahlungsschwierigkeiten. Wenn einfach kein Geld mehr da ist, um Mitarbeiter zu bezahlen, dann sind auch die Gerichte machtlos.

Ich war in einem Land wie Italien oder Südkorea im Urlaub, wo viele Fälle aufgetreten sind. Muss ich das dem Arbeitgeber melden?

Grundsätzlich geht es die Firma nichts an, wohin jemand in Urlaub fährt. „Es greifen jedoch Ausnahmen“, sagt Yakhloufi. Wer in einer Gegend war, für die das Auswärtige Amt eine Reisewarnung ausgesprochen hat, muss das mitteilen, wenn sich Krankheitssymptome zeigen. Schließlich geht es auch um die Sicherheit der Kollegen.

Können Betriebsärzte anordnen, dass die Belegschaft zu Hause bleiben muss?

Betriebsärzte werden durch den Arbeitgeber beauftragt und melden ihre Erkenntnisse in erster Linie an diesen zurück. Bei Covid-Verdacht müssen sie sich mit den Gesundheitsämtern in Verbindung setzen - und die können im Extremfall eine Betriebsschließung veranlassen.

Ich fühle mich nicht wohl und möchte mich testen lassen.

Erste Ansprechpartner sind die Hausärzte. Wenn diese einen Grund für den Test sehen, können sie einen Rachenabstrich machen. Die Ärzte werden das aber gerade in der Erkältungszeit nur nach Kontakten mit erwiesenen Überträgern für nötig halten. Gute Gründe für den Test sind ein bestätigtes Zusammentreffen mit einer infizierten Person oder eine aktuelle Reise in die Lombardei oder nach Wuhan. Ein positiver Test bedeutet in den meisten Fällen keine Katastrophe. „Patienten, die leicht erkrankt sind, müssen nicht zwangsläufig in ein Krankenhaus, können aber unter häusliche Beobachtung gestellt werden“, so die Verbraucherzentrale.

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