Verkehr - Mannheim will den Zustellbetrieb in der City auf Elektroantriebe umstellen / 200 000 Euro zur Anschubfinanzierung von Bundesregierung erwartet „Auf der Suche nach einem geeigneten Standort“

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Thorsten Langscheid
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Der Paketzusteller UPS hat sie im Einsatz, ebenso der Morgenpost-Partner „Jetzat“: Elektromobile und E-Bikes für den Transport von Briefen und Paketen auf der letzten Meile zum Empfänger. Etwa eineinhalb Auslieferungstouren mit einem dieselbetriebenen 7,5-Tonnen-Lkw ersetzt UPS mit E-Bikes und einem elektrischen Lastenanhänger im Mannheimer Stadtbezirk Schwetzingerstadt/Oststadt täglich.

Brief- und Paketzustellung der Morgenpost per E-Mobil. © Mager
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Langfristig, so sagt eine Verkehrsstudie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), könnte mehr als ein Fünftel aller Zustellungsfahrten in den Stadtzentren und dicht bebauten Wohngebieten mit den platzsparenden, abgas- und lärmfreien Fahrzeugen abgewickelt werden. Wie dies in der Praxis funktionieren kann, will die Stadt Mannheim im Rahmen der finanziellen Förderung als „Modellstadt“ durch die Bundesregierung ausprobieren. „Wir sind zur Zeit auf der Suche nach einem geeigneten Standort für einen kleinen Umschlagplatz im Zentrum“, so Erster Bürgermeister Christian Specht.

Zuschuss aus Berlin

Rund 200 000 Euro werden aus Berlin als Anschubfinanzierung erwartet. „Wir brauchen einen Platz, wo Briefe und Pakete in die E-Mobile umgeladen werden können und wo die Fahrzeuge über Nacht ihre Batterien wieder aufladen können.“ Gerade im Zentrum sind solche Plätze allerdings nicht leicht zu finden. Specht hofft nun, ähnlich wie in Stuttgart, mit den kommunalen Parkhausbetrieben gemeinsam eine Lösung zu finden. Denn neben den genannten warten drei weitere Zustell-Unternehmen darauf, dass sie in Mannheims Quadraten auf E-Mobile umstellen können.

Zurzeit 468 Stromer angemeldet

Derweil baut der Energiedienstleister MVV Energie AG sein elektrisches Mobilitätsangebot aus: Bis Ende kommenden Jahres sollen im Stadtgebiet 120 öffentliche Ladestationen für Elektroautos verfügbar sein. 27 davon stehen bereits, 30 kommen noch 2019 dazu, wie Unternehmenssprecher Roland Kress mitteilte. Zudem nimmt die MVV Energie rund drei Vorbestellungen pro Woche für ein E-Mobilitätspaket entgegen, das auf Privathaushalte zugeschnitten ist und ein Elektroauto des Typs „eGo“ zusammen mit einer Ladestation und den zur Stromerzeugung nötigen Solarzellen enthält.

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Seit der Vorstellung des Angebots im vergangenen Jahr wurde das „eGo“-Paket 165 mal bestellt. Demnächst soll die Auslieferung von Fahrzeugen und Aggregaten beginnen. Dass der Weg zum elektrischen Stadtverkehr noch weit ist, zeigen die Zulassungszahlen: Nach Angaben der Stadtverwaltung gibt es zurzeit 468 elektrisch betriebene Autos in Mannheim. Bei insgesamt 190 305 angemeldeten Kraftfahrzeugen sind das noch nicht einmal 0,3 Prozent.

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Nico Esch
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Redaktion schreibt als Reporter über Mannheimer Themen