Corona-Pandemie - Nach 55 neuen Infektionen gestern wird die Inzidenz wieder deutlich steigen Zahl der Virusmutationen im Kreis Bergstraße überschreitet 100

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dpa/tm
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Im Kreis Bergstraße tauchen immer mehr mutierte Coronaviren auf. © Sebastian Gollnow (dpa)

Berlin/Wiesbaden/Bergstraße. Im Kreis Bergstraße sind gestern 55 neue Corona-Infektionen bekannt geworden – deutlich mehr als vor einer Woche. Neue Todesfälle wurden allerdings nicht gemeldet. Wie das Landratsamt berichtete, sind seit dem Ausbruch der Pandemie 7141 Infektionsfälle registriert worden. Die neuen Fälle stammen unter anderem aus Bensheim (9), Einhausen, Heppenheim (4), Lindenfels (5) und Lorsch. Unter den betroffenen Einrichtungen sind die Werner-von-Siemens-Schule in Lorsch und eine Gemeinschaftsunterkunft in Bensheim.

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14 weitere Fälle der britischen Virusmutation B.1.1.7 wurden bekannt. Insgesamt sind nach Kreisangaben jetzt 102 Fälle registriert. Außerdem gab es bisher zwei Fälle mit der südafrikanischen Variante B.1.351. Dem Gesundheitsamt sind zurzeit 463 Infizierte bekannt. In den Bergsträßer Krankenhäusern werden 42 Patienten behandelt. Darunter sind 35 mit einer festgestellten Infektion. Beim Rest liegt ein Verdacht auf eine Corona-Erkrankung vor.

Wie aus der Mitteilung aus dem Landratsamt weiter hervorgeht, gab es 150 Neuinfektionen innerhalb der vergangenen sieben Tage, was einer Quote von 55,33 Infektionen pro 100 000 Einwohnern (Inzidenz) entspricht. Dieser Wert wird heute wieder deutlich auf 69 steigen.

Laut Deutscher Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin sind im Kreis Bergstraße von 41 verfügbaren Intensivbetten in den Kliniken 33 Betten belegt – davon vier mit an Covid-19 infizierten Patienten, die eine intensivmedizinische Behandlung benötigen; zwei von ihnen müssen invasiv beatmet werden.

Infektionen in Gemüsebetrieb

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Der Landkreis Darmstadt-Dieburg, die Stadt Darmstadt und eine Firma aus Pfungstadt beraten derzeit über die Möglichkeit, Corona-Antigenschnelltests im Landkreis und in Darmstadt anzubieten. Mögliche wäre es demnach, dass es mehrere Standorte geben könnte, an denen sich sowohl die Menschen aus dem Kreis als auch aus der Stadt wohnortunabhängig testen lassen können. Die Antigenschnelltests schützten zwar nicht vor einer Ansteckung, sie seien aber ein zusätzlicher wichtiger Schritt hin zu weiteren Öffnungen und Lockerungen, so Landrat Klaus Peter Schellhaas und Oberbürgermeister Jochen Partsch.

In einem Gemüsebetrieb in Büttelborn haben sich nach Angaben des Gesundheitsamts 31 Mitarbeiter infiziert. Dabei handele es sich um Bürobeschäftigte und Erntehelfer. Mittlerweile seien 109 Personen getestet worden. Da aber noch nicht alle Ergebnisse vorlägen, könne die Zahl der Infizierten noch steigen. Das Gesundheitsamt habe veranlasst, dass alle Betroffenen für zwei Wochen in Quarantäne gehen.

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In Darmstadt sind 20 Fälle von Covid-19 dazugekommen. Die Inzidenz liegt derzeit bei 50,0. In Hessen gab es 727 Neuinfektionen. Insgesamt wurden damit 183 111 Fälle nachgewiesen, wie aus Daten des Robert-Koch-Instituts (Stand 3.10 Uhr) hervorgeht. Die Zahl der Todesfälle erhöhte sich um 35 auf 5633. Die Inzidenz stieg leicht auf 56,6. Am Vortag hatte sie 55,1 betragen, am Freitag vor einer Woche 62,7.

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Die Umsätze von Hotels, Restaurants und anderen Betrieben des Gastgewerbes in Hessen sind wegen der Corona-Krise im vorigen Jahr drastisch eingebrochen. Im Vergleich zum Jahr 2019 sanken die Erlöse um knapp die Hälfte, wie das Statistische Landesamt in Wiesbaden auf Grundlage vorläufiger Zahlen mitteilte.

Die Bundesregierung hat ein vorsichtiges Vorgehen bei weiteren Rücknahmen von Beschränkungen angemahnt. Alle wünschten sich Lockerungen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Es gehe aber um eine sichere Strategie. Öffnungen dürften nicht unmittelbar dazu führen, dass die Neuinfektionen wieder hochschnellten und es einen „Jo-Jo-Effekt“ gebe – und dann Öffnungsschritte wieder rückgängig gemacht werden müssten.

Wieder mehr Ausbrüche erwartet

Seibert machte deutlich, dass bis zu anstehenden Entscheidungen zunächst das Infektionsgeschehen zu beobachten sei – auch mit Blick auf die Ausbreitung ansteckenderer Virusvarianten. Es sei heute nicht genau zu kalkulieren, wo man bei den für 3. März geplanten nächsten Beratungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder stehen werde. Das Robert-Koch-Institut rechnet in den kommenden Wochen wieder mit mehr Ausbrüchen. „Der rückläufige Trend der letzten Wochen setzt sich offenbar nicht mehr fort“, so Präsident Lothar Wieler. dpa/tm