Statistik

Zahl der Todesfälle steigt deutlich

Nach Monaten der Übersterblichkeit in Deutschland sind die Daten für den Oktober besonders dramatisch

Von 
Madeleine Bierlein
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Wiesbaden/Mannheim. Im Oktober sind in Deutschland nach einer Hochrechnung des Statistischen Bundesamts 92 954 Menschen und damit deutlich mehr als in den Vergleichsmonaten der Vorjahre gestorben. Die Zahl der Sterbefälle übertraf den Statistikern in Wiesbaden zufolge im vergangenen Monat den Mittelwert, auch Median genannt, der Jahre 2018 bis 2021 um 14 560 Sterbefälle. Das entspricht einer Differenz von 19 Prozent. Deutschland verzeichnet bereits seit März dieses Jahres eine Übersterblichkeit.

Eine Ursache für diese Entwicklung können die Statistiker bislang nicht feststellen: Die Covid-19-Todesfälle hätten zwar zur Monatsmitte einen zwischenzeitlichen Höchstwert erreicht und lägen deutlich höher als noch im September. Sie „können die Differenz aber nur zum Teil erklären“. Derzeit enthält die Statistik noch nicht alle Sterbefälle im Zusammenhang mit dem Sars-Cov-2-Virus, da die Statistik des Robert-Koch-Instituts (RKI) nur bis 23. Oktober reicht.

Ungewöhnliche Abweichung

Auch die Alterung der Bevölkerung wirke sich „nur geringfügig auf den Unterschied zum Niveau der Vorjahre aus“, hieß es bei der Präsentation der Zahlen am Dienstag. In welchem Ausmaß weitere Faktoren zu den erhöhten Zahlen im Oktober und in den Monaten zuvor beigetragen haben, lässt sich den Experten und Expertinnen zufolge derzeit nicht einschätzen. Hinweise erhoffen sich die Statistiker von den Ergebnissen der Todesursachen-Statistik. Diese liegen aber erst viele Monate später vor.

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„Grundsätzlich ist die Zahl der Sterbefälle nicht Monat für Monat konstant“, sagt Christoph Rothe, Statistik-Professor an der Universität Mannheim angesichts der Zahlen. „Aber dass wir über einen so langen Zeitraum eine so starke Abweichung haben, ist ungewöhnlich.“

Die Übersterblichkeit hat zumindest in der ersten Oktoberhälfte europaweit zugenommen. Während das EuroMomo-Netzwerk zur Beobachtung von Sterblichkeitsentwicklungen in den Septemberwochen nur für wenige Länder – darunter Deutschland – erhöhte Sterbefallzahlen ausgewiesen hatte, betraf dies in den Oktoberwochen immer mehr Länder. In den deutschen Nachbarländern wurde im Oktober die Übersterblichkeit als niedrig („low excess“) oder moderat („moderate excess“) eingestuft. Für Deutschland hingegen wies EuroMomo in zwei Wochen eine hohe Übersterblichkeit („high excess“) aus.

Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft, forderte, dass den Ursachen der Übersterblichkeit bald auf den Grund gegangen werde.

Grundlage der Auswertung sind erste vorläufige Daten (Rohdaten). Dabei handelt es sich um eine reine Fallzahlauszählung der eingegangenen Sterbefallmeldungen aus den Standesämtern. (mit epd)

Redaktion Nachrichtenchefin mit Schwerpunkt Wissenschaftsjournalismus