Baden-Württemberg - Ehefrau des Ministerpräsidenten an Brustkrebs erkrankt Winfried Kretschmann schränkt Wahlkampf ein

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Peter Reinhardt
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Winfried und Gerlinde Kretschmann im Jahr 2018 bei einer Stadtführung durch San Francisco. © dpa

Stuttgart. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zieht sich wegen einer Krebserkrankung seiner Frau Gerlinde teilweise aus dem Wahlkampf zurück. „Es geht ihr den Umständen entsprechend, aber es kommen nun schwere Zeiten auf sie zu. Ich will für sie da sein, so gut es geht“, schrieb Kretschmann in einer am Freitag veröffentlichten persönlichen Erklärung. Er brauche Zeit, um seiner Frau beizustehen, und werde deshalb Wahlkampftermine „nicht immer wahrnehmen können“. Der Arbeit als Ministerpräsident gehe er weiter mit vollem Einsatz nach.

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Bereits in den letzten beiden Tagen hatte Kretschmann ein Grußwort bei einer Veranstaltung der SPD-Bundestagsfraktion und zwei Debatten mit den Spitzenkandidaten aller Parteien abgesagt. Der 72-Jährige ist Spitzenkandidat der Grünen bei der Landtagswahl am 14. März. Der Wahlkampf seiner Partei ist ganz auf den Regierungschef abgestellt, der seit 2011 Ministerpräsident ist. Er regiert als einziger Grüner ein Bundesland.

Viele Genesungswünsche

Gerlinde und Winfried Kretschmann sind seit 1975 verheiratet. Sie haben drei erwachsene Kinder und mehrere Enkel. Die 73-Jährige ist pensionierte Grundschullehrerin.

Über die Parteigrenzen hinweg übermittelten Politiker Besserungswünsche an die Familie Kretschmann. CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann zeigte sich betroffen von der Nachricht der Erkrankung. „Es gibt Momente, in denen die Politik in den Hintergrund rückt“, sagte die Kultusministerin weiter: „Dass Gerlinde Kretschmann an Brustkrebs erkrankt ist, macht mich betroffen.“ Sie wünsche ihr von ganzem Herzen eine schnelle und vollständige Genesung. Die CDU regiert seit fünf Jahren als kleinerer Partner in einer Koalition mit den Grünen.

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Für Kanzlerin Angela Merkel richtete Regierungssprecher Steffen Seibert gute Wünsche an die Familie Kretschmann aus. Die Kanzlerin werde in Gedanken bei dem Ehepaar sein: „Von hier aus gehen alle guten Wünsche an Frau Kretschmann, an ihren Mann, den Ministerpräsidenten, und an die ganze Familie.“ Auch Grünen-Chef Robert Habeck übermittelte Genesungswünsche.

Opposition betroffen

Die Landtagsopposition reagierte ebenfalls betroffen auf Gerlinde Kretschmanns Erkrankung. „Ich habe dem Ministerpräsidenten und seiner Gattin meine guten Wünsche schon vor einigen Tagen persönlich übermittelt“, teilte FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke mit. Nachdem beide den „respektablen Schritt“ gegangen sind und die Erkrankung öffentlich gemacht haben, übermittle er die Genesungswünsche auch auf diesem Weg. Mit Betroffenheit habe er die Nachricht von der Erkrankung zur Kenntnis genommen, erklärte AfD-Fraktionschef Bernd Gögel.

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„Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger“ hatte Kretschmann seine im Internet veröffentlichte Erklärung überschrieben. Er habe mit seiner Frau gemeinsam entschieden, die Erkrankung öffentlich zu machen. Er wisse, dass viele Menschen diese Situation aus eigener Erfahrung kennen oder Angehörige und Freunde haben, die eine solche Krankheit durchstehen mussten. Sie seien dankbar für Anteilnahme, bitten aber, von Nachfragen abzusehen.

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