Pandemie - Mannheim fällt unter Inzidenzwert von 100 / Landesregierung setzt Pläne vorübergehend aus Virusmutation stoppt Öffnung von Grundschulen und Kitas

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Berlin/Mannheim. Wegen einer in Freiburg aufgetauchten Virusmutation verzichtet die Landesregierung in Baden-Württemberg zunächst auf eine landesweite Öffnung von Kindertagesstätten und Grundschulen. Zwei Kinder aus der Notbetreuung seien mit einer Virusmutation infiziert, zudem hätten sich mehr als 20 Kinder und Mitarbeiter in der Einrichtung mit dem Coronavirus angesteckt, teilte Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) am Mittwoch in Stuttgart mit. Nun müsse noch geklärt werden, ob es sich ebenfalls um die neuen Virusvarianten handele.

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„Sollte sich der Mutant schon jetzt bei uns breit machen, müssten wir uns dieser neuen Lage stellen“, sagte Kretschmann. Dann müsse auch die Frage einer Öffnung von Grundschulen und Kitas neu bewertet werden. Insgesamt seien am Mittwoch landesweit acht weitere Fälle mit den neuen Virusvarianten bekannt geworden.

Ursprünglich wollten Kretschmann und Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Mittwoch die Entscheidung verkünden, dass Kitas und Grundschulen am kommenden Montag schrittweise wieder geöffnet werden sollen. Angesichts der sinkenden Infektionszahlen im Land galt die Entscheidung als Formsache. Die Öffnung liegt nun erst einmal auf Eis. Fraglich ist, ob das Thema vor dem bisher geplanten Ende des bundesweiten Lockdowns am 14. Februar überhaupt noch einmal beraten wird.

Rektorinnen: Fernlernen läuft gut

Nach der Ankündigung der Öffnungspläne am Dienstag hatten sich die Grundschulen darauf eingestellt und mit den Vorbereitungen begonnen. Das berichtete die geschäftsführende Leiterin der Mannheimer Grundschulen, Angela Speicher. Der Ansatz, mit den unteren Klassen und halber Besetzung zu beginnen, „hat mir total eingeleuchtet, ich hätte mich gerne darauf eingelassen“.

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Andererseits seien die Ängste, sich zu infizieren, nach wie vor groß. Deshalb sei sie im Grunde „froh, wenn wir erst einmal so weitermachen wie bisher“ – zumal der Fernunterricht inzwischen rund laufe und gut organisiert sei. Das bestätigte Rektorin Martina Schmidt von der Vogelstangschule. Mit einer späteren Öffnung kann sie gut leben. Für sie wäre es schlimmer, jetzt zu öffnen, „und nach vier Wochen merken wir, dass dadurch die Infektionszahlen wieder hochgehen“.

Martina Schmidt regte an, noch einmal über eine Maskenpflicht für Grundschüler nachzudenken. Die gibt es im Unterricht bisher nur für die weiterführenden Schulen. Dass das Land den Grundschul-Lehrkräften jetzt nach langem Zögern FFP2-Masken zur Verfügung stellen möchte, begrüßte sie ausdrücklich.

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Für die Mannheimer Grünen-Landtagsabgeordnete Elke Zimmer ist der vorläufige Stopp der Öffnung „der richtige Weg“, dem Gesundheitsschutz sei Vorrang einzuräumen. Ihr SPD-Kollege Stefan Fulst-Blei sagte: „Die Landesregierung wollte bewusst ins Risiko gehen und wurde von der Realität eingeholt.“

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Unterdessen ist die Sieben-Tage-Inzidenz in Mannheim erstmals seit mehr als drei Monaten wieder unter 100 gesunken. Mit 31 am Mittwoch vermeldeten Corona-Fällen liegt die Summe der Neuinfektionen umgerechnet auf 100 000 Einwohner nach Zahlen der Stadt bei 97,5. Im Dezember hatte dieser Wert kurz die 300er-Marke überstiegen. dpa/bhr/sma