Corona - Mannheimer Heime stark betroffen / Spahn will Ältere schneller impfen / Kinderbonus geplant Viele Pflegekräfte scheuen die Impfung

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Peter W. Ragge
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Die teilweise begehrte Impfung gegen das Corona-Virus. © dpa

Mannheim. Nur drei der 32 Mannheimer Pflegeheime haben es bisher geschafft, ihre Bewohner vor dem Coronavirus zu schützen. Nicht einmal die Hälfte der Mitarbeiter in den Häusern ist bisher geimpft. Das geht aus einer internen Auswertung des Gesundheitsamtes der Stadt Mannheim hervor, die dieser Redaktion vorliegt.

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Mehr als die Hälfte der 229 Menschen, die in Mannheim mit oder an einer Corona-Infektion verstorben sind, waren Bewohner von Pflegeheimen. Diese Zahl hat Peter Schäfer, der Leiter des Gesundheitsamtes, dem Mannheimer Gemeinderat öffentlich genannt. Damit sind etwa acht Prozent der Pflegeheimbewohner durch das seit einem Jahr grassierende Virus ums Leben gekommen. Nur in elf Heimen gab es keine Todesfälle. Im Schnitt der 32 Einrichtungen haben sich über 17 Bewohner infiziert, die Höchstzahl an Erkrankten liegt bei 67 pro Haus.

In der Auswertung, die den Stand Ende Januar hat, wird auch über die Impfungen berichtet. Während die bei einem Großteil der Bewohner inzwischen erfolgt ist, sieht es bei den Pflegekräften anders aus. Danach haben durchschnittlich erst 43 Prozent der Mitarbeiter die Impfung hinter sich. Bei sieben Heimen liegt die Impfrate unter den Beschäftigten gar unter 30 Prozent. Fünf von 32 Einrichtungen haben die Fragen der Stadt bis zur Frist Ende Januar gar nicht beantwortet.

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Gesundheitsminister Jens Spahn hat älteren Menschen in Deutschland unterdessen schnellere Corona-Impfungen in Aussicht gestellt. Wegen der Altersbegrenzung beim Impfstoff von Astrazeneca könnten „Ältere jetzt schneller geimpft werden“, sagte er dieser Redaktion. „Denn wenn wir den vielen Jüngeren in der ersten Impf-Gruppe ein Impfangebot mit dem Impfstoff von Astrazeneca machen können, stehen für die über 80-Jährigen mehr Impfstoffe von Biontech und Moderna zur Verfügung.“ So werde die Gruppe der besonders Gefährdeten insgesamt schneller geschützt. Im Übrigen wolle Astrazeneca in absehbarer Zeit Studien vorlegen, um die Wirksamkeit des Impfstoffs auch bei Älteren zu zeigen. „Sobald das geschieht, wird die Ständige Impfkommission ihre Empfehlung überarbeiten“, kündigte Spahn an.

Der Minister wies den Vorwurf zurück, die Impfkampagne in Deutschland laufe schlecht. „Ja, es gibt Länder, die im Moment eine höhere Impfquote haben als wir. Aber wir sollten bei allen Diskussionen schon wahrnehmen, dass bei 194 Staaten auf der Welt nicht einmal in 50 überhaupt gegen Corona geimpft wird“, sagte Spahn. In Deutschland gebe es schon über 700 000 Zweitimpfungen, betonte er. „Ein Drittel aller Geimpften haben damit den vollständigen Schutz, in den Pflegeeinrichtungen sogar über 40 Prozent – da liegen wir in Europa ziemlich weit vorn.“

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Familien sollen zur Abfederung der Corona-Kosten in diesem Jahr erneut einen Kinderbonus erhalten. Die Spitzen von Union und SPD einigten sich am Mittwochabend auf einen Zuschuss zum Kindergeld von einmalig 150 Euro pro Kind. Im vergangenen Jahr hatte es pro Kind 300 Euro gegeben, um den Konsum in der Krise anzukurbeln. Auch Menschen in Grundsicherung sollen einen Bonus in dieser Höhe bekommen. 

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