Kriminalstatistik - Corona-Pandemie hat Einfluss auf Zahl der Verbrechen / Landesweit meiste Fälle von Cybercrime Starker Rückgang von Straftaten in der Region

Von 
L. Wazulin, M. Roßner
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Mannheim/Rhein-Neckar. Deutlich mehr Polizeikontrollen sowie der Lockdown beeinflussen auch das Verbrechen in der Region. Das geht aus der neuen Kriminalstatistik für 2020 des Polizeipräsidiums Mannheim hervor. Insgesamt vermeldet die Polizei für das gesamte Einsatzgebiet so wenige Straftaten wie zuletzt im Jahr 2012.

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Die Rückgänge der Straftaten gibt es in allen Kreisen: Sowohl in Heidelberg als auch im Rhein-Neckar-Kreis befinden sich die Straftaten auf einem Fünf-Jahres-Tiefstand, in Mannheim sogar auf einem Zehn-Jahres-Tief. „Über die Jahre betrachtet ist der positive Rückgang nicht nur der Pandemie geschuldet“, sagt Polizeipräsident Andreas Stenger. Gerade im öffentlichen Raum würden die Straftaten in Mannheim zum fünften Mal in Folge sinken, nämlich um 21,5 Prozent.  Von 2019 auf 2020 sind die Fälle von 16 124 auf 14 598 Fälle zurückgegangen, um 9,5 Prozent. Die Aufklärungsquote liegt bei 61,3 Prozent. Zur gestiegenen Sicherheit im öffentlichen Raum tragen vor allem die gesunkenen Aggressionsdelikte, aber auch der Rücklauf der Straßenkriminalität bei. „Das zeigt, dass unser Konzept deutlich wirkt. Das Sicherheitsniveau in Mannheim ist mit Blick auf die vergangenen Jahre auf einem Höchststand“, sagt Stenger.

Subventionsbetrug häufiger

Der Rückgang gilt aber nicht für alle Deliktsbereiche: Straftaten wie der Subventionsbetrug, Vergehen nach dem Infektionsschutzgesetz oder Computerbetrügereien beim Online-Shopping würden zunehmen. Gerade bei Online-Geschäften sind die erfassten Straftaten gestiegen, im gesamten Einsatzgebiet um rund 40,4 Prozent. Damit verzeichnet das Polizeipräsidium im Bereich Cybercrime die höchsten Fallzahlen landesweit. Starke Anstiege meldet das Präsidium auch bei den Fällen von Partnergewalt: in Mannheim um 63,2 Prozent. Diese Steigerung der gemeldeten Fallzahlen falle laut Polizei zeitgleich mit dem Start des Projekts „Hochrisikofälle Häusliche Gewalt“ im Oktober 2019 zusammen. „Die Zahlen steigen auch, weil das behörden- und institutionenübergreifende Projekt wirkt“, erklärt Stenger.

Die Zahl von weiblichen Opfern bei Sexualstraftaten ist ebenfalls gestiegen, besonders oft betroffen sind jüngere Frauen mit Migrationshintergrund. Diese Gruppe gibt in der dritten Sicherheitsbefragung der Stadt Mannheim an, sich am meisten vor solchen Straftaten zu fürchten. Insgesamt ist aber die Kriminalitätsfurcht der 25 000 zufällig befragten Mannheimer und Mannheimerinnen deutlich gesunken.

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Im Rhein-Neckar-Kreis werden zwei Drittel aller Straftaten aufgeklärt. Im ersten Pandemie-Jahr wird ein Rückgang der Straftaten insgesamt um 578 Fälle auf 23 597 Straftaten registriert. In Heidelberg waren es sogar 982 Fälle weniger als 2019 – insgesamt 13 637 Straftaten. Gleichzeitig wurden mehr Straftaten aufgeklärt: in Heidelberg 60 Delikte, im Rhein-Neckar-Kreis 372 Delikte mehr als im Vorjahr. Besonders deutlich wird die Entwicklung bei den Einbrüchen: Hier wurde der tiefste Stand seit 2005 erreicht. Straftaten im öffentlichen Raum gingen um 8,8 Prozentpunkte zurück.