Einzelhandel

Schlechte Stimmung drückt die Kauflaune

Das Weihnachtsgeschäft ist für den Handel enorm wichtig. Doch viele Konsumenten halten wegen steigender Kosten ihr Geld zusammen

Von 
Christian Schall
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Bild: istock © Getty Images

Rhein-Neckar. Dem Einzelhandel in der Region steht ein schwieriges Weihnachtsgeschäft bevor. Waren es in den beiden vergangenen Jahren die Restriktionen der Corona-Pandemie, die auf die Umsätze vor allem im stationären Handel drückten, so sind es in diesem Jahr die Folgen des Ukraine-Kriegs. Hohe Kosten für Energie, Lebensmittel und Dienstleistungen führen dazu, dass die Verbraucher sich beim Konsum zurückhalten.

„Die Leute kaufen preisbewusster ein“, sagt Tatjana Steinbrenner, Geschäftsführerin des Kaufhauses Ganz in Bensheim. Sie rechnet deshalb damit, dass das Weihnachtsgeschäft nicht mehr das Niveau von 2019, also vor der Pandemie, erreichen wird. Die Wochen vor dem Fest sind für den Handel von enormer Bedeutung: „40 Prozent des Umsatzes machen wir in der Weihnachtszeit“, erklärt Hendrik Hoffmann, Vizepräsident des Handelsverbands Nordbaden. Er rechnet mit einem erfolgreichen Weihnachtsgeschäft.

Gibt Black Friday einen Schub?

Ein erster Stimmungstest werden Händleraktionstage wie der Black Friday. Sie gelten als Auftakt ins Weihnachtsgeschäft. Viele Händler, vor allem online, werben mit Rabatten um Kunden. Nach einer Umfrage des Kölner Handelsforschungsinstituts ECC wollen die Konsumenten in diesem Jahr mehr als in den Vorjahren Angebote und Preise vergleichen. Spontane Impulskäufe planen demnach nur die Wenigsten.

Dagegen rechnet der Handelsverband Deutschland (HDE) zum Black Friday und Cyber Monday gegenüber dem Vorjahr mit einem Umsatzanstieg von 22 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro. Der Prognose zugrunde liegt eine Umfrage des Instituts für Handelsforschung (IFH) Köln im Auftrag des HDE unter 1000 Onlinekäufern. „Die Wachstumsgeschichte des Black Friday und des Cyber Monday setzt sich auch unter den aktuell schwierigen Rahmenbedingungen und trotz der schlechten Konsumstimmung fort“, sagte der stellvertretende HDE-Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp.

Viele Kunden würden jetzt erst recht auf Schnäppchenjagd gehen und die Angebote der beiden Tage nutzen. Dabei würden sie auch gezielt nach Weihnachtsgeschenken Ausschau halten. So könnten am Freitag und Montag Geschenke im Wert von 1,7 Milliarden Euro gekauft werden.

Handelsexperten bezweifeln das. Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein geht zwar davon aus, dass der Handel zum Black Friday alle Register ziehen wird, um ein schwieriges Jahr zu retten. „Alles in allem stehen die Zeichen doch nicht so gut, dass sich dieses Jahr erneut ein Verkaufsrekord einstellt“, meint Heinemann. Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU in Düsseldorf sagt: „Die Menschen wollen wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage ihr Geld zusammenhalten.“ Auch am Black Friday werde das zu spüren sein. (mit dpa)

Redaktion Redakteur in der Lokalredaktion Mannheim

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