Straßenverkehr - Union und Grüne gegen härtere Regeln Radler – FDP will Kopfhörer verbieten

Von 
Hagen Strauß
Lesedauer: 

Berlin. Kaum ein Radfahrer scheint ohne Kopfhörer unterwegs zu sein. Doch wer wegen lauter Musik im Ohr nicht mehr mitbekommt, was im Straßenverkehr geschieht, gefährdet sich und andere. Die Politik bringt jetzt ein Kopfhörerverbot auf dem Rad ins Spiel – Ohren frei.

Hohe Strafen in Frankreich

AdUnit urban-intext1

Hintergrund sind die konstant hohen Zahlen der Fahrradunfälle in Deutschland. Einer ADAC-Studie zufolge radelt jeder zehnte Jugendliche mit Kopfhörern und Handy. Tendenz steigend. 2017 wurden nach Berechnungen des Wiesbadener Statistischen Bundesamts rund 80 000 Radfahrer bei Unfällen verletzt, 382 starben. Während die Zahl der Verkehrstoten zwischen 2010 und 2017 um 13 Prozent gesunken ist, blieb die Zahl der tödlich verunglückten Radler nahezu konstant.

Sind die Knöpfe im Ohr mitschuldig daran? Darüber ist in Berlin eine Debatte entbrannt. „Lautes Musikhören mit Kopfhörern auf dem Fahrrad führt zu verminderter Wahrnehmungsfähigkeit des Straßenverkehrs“, kritisiert der FDP-Verkehrsexperte Oliver Luksic. Die aktuelle Bußgeldregelung in Höhe von zehn Euro für das Nichthören von Martinshörnern „dient wohl kaum als Abschreckung“. Radfahrer in Frankreich müssten mit einer Strafe zwischen 135 und 375 Euro rechnen, wenn sie mit Kopfhörern im Straßenverkehr erwischt würden.

Die FDP pocht daher auf eine härtere Regelung in der Straßenverkehrsordnung. Das Tragen von Kopfhörern auf dem Rad oder im Auto ist in Deutschland nur verboten, wenn der Fahrer dadurch die Umgebungsgeräusche nicht mehr hören kann.

AdUnit urban-intext2

Einer gesetzlichen Neuregelung skeptisch gegenüber steht allerdings die Union. Die Einführung eines pauschalen Kopfhörerverbotes sei nicht notwendig, sagt CDU-Experte Gero Storjohann. Der radpolitische Sprecher der Grünen, Stefan Gelbhaar, verweist noch auf etwas Anderes: „Ich möchte anmerken, dass die über 300 000 Gehörlosen in Deutschland Fahrradfahren dürfen, und das ist auch richtig so.“