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Polizeigewalt - Todesursache des 47-Jährigen nach Obduktion weiterhin unklar / Beide beteiligten Beamten mittlerweile vom Dienst suspendiert

Polizeichef: „Werden nichts vertuschen“

Von 
Lisa Wazulin
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Mannheim. Erste Details zur Obduktion, Todesdrohungen gegen Polizisten und die Suspendierung der beiden beteiligten Beamten – am Mittwoch sind Staatsanwaltschaft und Polizeipräsidium Mannheim sowie das Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart erstmals mit neuen Informationen gemeinsam vor die Presse getreten. Dabei sprach Mannheims Polizeipräsident Siegfried Kollmar sein Beileid für die Angehörigen des Mannes aus, der am Montag nach einem umstrittenen Polizeieinsatz am Marktplatz verstorben war. „Ich bin über den Vorfall tief betroffen und setzte alles an eine lückenlose und vollständige Aufklärung. Wir werden nichts vertuschen und Konsequenzen ziehen“, sagte Kollmar. Er habe am Mittwoch die vorläufige Suspendierung der beiden beteiligten Beamten unterzeichnet.

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Trotzdem hätten die Männer, die seit mehren Jahren als Polizisten arbeiten, ein Recht auf ein faires Verfahren, so Kollmar. Zudem verurteilte der Polizeipräsident die Hetze und Drohungen gegen Polizisten in den sozialen Medien und auf der Straße scharf – bereits 150 Verfahren habe das Präsidium deswegen eingeleitet. Kollmar appelliert an die Bürger und Bürgerinnen, auf Vorverurteilungen zu verzichten. Er berichtete außerdem von Angriffen mit Flaschen auf Ordnungshüter, in den sozialen Medien sei sogar ein Kopfgeld auf Beamte ausgesetzt worden.

Der Leiter der Mannheimer Staatswaltschaft, Romeo Schüssler, sowie LKA-Chef Andreas Stenger gaben außerdem weitere Details über das Opfer und den Tathergang bekannt: Zwar ist die Todesursache noch nicht abschließend geklärt. Allerdings habe der Mann an einer Herzschwäche gelitten. Der Leichnam weise Hämatome, aber keine Brüche am Kopf auf. Ob die stumpfe Gewalt in Form von Faustschlägen zum Tod geführt hat, ist noch unklar. Einen Abschlussbericht – auch zur Todesursache – habe die Rechtsmedizin in sechs bis acht Wochen in Aussicht gestellt. Erst dann sei klar, wie und auch wann genau der Mann gestorben ist, der aus Heidelberg stammt, kroatische Wurzeln hat und 2017 eingebürgert wurde.

„Bei den Ermittlungen ist für uns entscheidend, ob die Faustschläge angemessen, erforderlich und geeignet waren“, erklärte LKA-Chef Stenger. Er bestätigte auch, dass Polizisten am Montag Pfefferspray gegen den 47-Jährigen eingesetzt hatten. Ein Arzt aus dem Zentralinstitut für seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim hatte die Polizei um Hilfe gebeten, auch weil die Gefahr bestand, der Mann könne sich selbst gefährden. Gegenstand der Ermittlung, so Stenger, sei zudem die Auswertungen von 70 zugesendeten Videos, die den Vorfall am Marktplatz zeigen. Aufnahmen, die im Internet kursieren seien geschnitten und zeigten nicht den gesamten Tathergang. Den wollen die Ermittler nun mit Hilfe von Überwachungskameras und der Auswertung des Polizeifunks rekonstruieren. Dazu kommen Aussagen von bislang 30 Zeugen, die sich gemeldet haben. Warum die Beamten selbst ihre Körperkameras nicht eingeschaltet hatten, müsse ebenfalls noch geklärt werden, so Stenger.

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„Das Vertrauen und das Ansehen in die Polizei hat einen Knacks bekommen. Das ist ein Tiefschlag für uns“, so Polizeichef Kollmar. Es werde Monate dauern, um das Vertrauen wiederzugewinnen.

Redaktion Lokalredaktion, Online-Koordinatorin. Schwerpunkte: Polizei, Hochschulen, Frauen

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