Corona-Pandemie - 53 neue Infektionen im Kreis Bergstraße am Wochenende / Erster Todesfall in Zwingenberg Lockdown noch bis Ostern?

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dpa/tm
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Am Mittwoch wollen Bund und Länder beraten, wie die weitere Strategie zur Bekämpfung der Corona-Pandemie aussehen soll. © Pixabay

Berlin/Wiesbaden/Bergstraße. Im Kreis Bergstraße sind am Wochenende 53 neue Corona-Infektionen bekannt geworden. Drei weitere Todesfälle wurden gemeldet, darunter eine 80-jährige Person aus Zwingenberg, die das erste Opfer der Pandemie in der Stadt ist. Nur aus Lautertal und Gorxheimertal wurden bisher keine mit oder an Corona Verstorbenen gemeldet.

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Wie das Landratsamt weiter berichtete, sind seit dem Ausbruch der Epidemie 6821 Infektionsfälle registriert worden. Die neuen Fälle stammen unter anderem aus Bensheim (5), Heppenheim (4), Lautertal, Lindenfels (2), und Zwingenberg (3). Zu betroffenen Einrichtungen und zur Zahl der Genesenen gab es am Wochenende keine Angaben.

In den Bergsträßer Krankenhäusern werden 60 Patienten behandelt. Darunter sind 52 mit einer festgestellten Infektion. Beim Rest liegt ein Verdacht auf eine Corona-Erkrankung vor. Es gibt einen weiteren Verdachtsfall auf eine Infektion mit der britischen Virusmutation B.1.1.7. Die Daumbergschule in Gorxheimertal wurde daher vom Gesundheitsamt geschlossen. In der Gemeinde gab es bereits mehrere Infektionen mit der Virusmutation in einem örtlichen Kindergarten.

Wie aus der Mitteilung aus dem Landratsamt weiter hervorgeht, gab es 344 Neuinfektionen innerhalb der vergangenen sieben Tage, was einer Quote von 126,88 Infektionen pro 100 000 Einwohnern (Inzidenz) entspricht.

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Laut Deutscher Interdisziplinärer Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin sind im Kreis Bergstraße derzeit von 40 verfügbaren Intensivbetten in den Kliniken 32 Betten belegt – davon sechs mit an Covid-19 infizierten Patienten, die eine intensivmedizinische Behandlung benötigen; zwei von ihnen müssen invasiv beatmet werden.

In Hessen sind am Sonntag (Stand: 0 Uhr) 792 Corona-Neuinfektionen registriert worden. Damit stieg die Gesamtzahl der bislang gemeldeten Infektionen auf 176 931, wie aus Daten des Robert-Koch-Instituts in Berlin hervorgeht. Die Zahl der Todesfälle stieg im Bundesland um 17 auf 5165. Die Inzidenz ging weiter leicht zurück und lag hessenweit bei 80,7.

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Bei der Impfquote liegt Hessen unter dem Bundesdurchschnitt: 2,4 Prozent der Bevölkerung sind laut Robert Koch-Institut bis Freitagabend geimpft worden. Der Bundesdurchschnitt liegt mit 2,7 Prozent etwas höher.

Bund und Länder beraten wieder

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Am kommenden Mittwoch will Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder erneut über das Infektionsgeschehen beraten. Dabei soll auch entschieden werden, ob der bis zum 14. Februar befristete Lockdown mit geschlossenen Schulen, Geschäften, Restaurants und Freizeiteinrichtungen verlängert wird oder ob wegen der sinkenden Infektionszahlen vorsichtige Öffnungsschritte eingeleitet werden können.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) deutete die Möglichkeit eines Lockdowns bis Anfang April an. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov unterstützt noch die Hälfte der Deutschen den staatlichen Corona-Kurs, allerdings mit abnehmender Tendenz. Altmaier sagte der „Bild am Sonntag“: „Wir dürfen uns nicht öffentlich mit Lockerungs-Fahrplänen überbieten.“ Die Zahl der Neuinfektionen sei kaum niedriger als Ende Oktober, als der Lockdown begann. Er hoffe aber sehr, „dass wir spätestens zum Frühlingsanfang, spätestens an Ostern, wenn die Sonne scheint und man draußen sitzen und speisen kann, die Pandemie-Welle endgültig gebrochen haben und Öffnungen möglich sind“. Der CDU-Politiker plädierte für ein regionales Vorgehen je nach Infektionszahlen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach von „ermutigenden Zahlen“ beim Infektionsgeschehen. Es sei wichtig, mit der Zahl der Neuinfektionen so weit herunterzukommen, „dass tatsächlich wir auch dauerhaft unten bleiben können“. Spahn stellte einen für Kinder und Jugendliche geeigneten Impfstoff gegen das Coronavirus für den Sommer in Aussicht. Der Impfstoff von Biontech / Pfizer sei ab 16 Jahren zugelassen, die beiden anderen Impfstoffe von Moderna und Astrazeneca ab 18 Jahren. Gerade bei Kindern und Jugendlichen mit Vorerkrankungen sei dies ein Problem. Es gebe eine Reihe von Herstellern, bei denen Studien mit Kindern und Jugendlichen liefen, von drei oder vier Herstellern wisse er dies sicher.

Der Gesundheitsminister räumte einen schwierigen Start der Impfkampagne Ende Dezember ein. „Es war irgendwie auch die Erwartung größer, im Nachhinein hätte man vielleicht noch stärker auch Erwartungsmanagement machen müssen“, sagte der Minister. „Ich habe gedacht, nachdem wir sechs Wochen über Priorisierung, Knappheit, Ethikrat, Bundestag diskutiert haben im Dezember, dass irgendwie klar ist, das wird schwierig am Anfang.“

Nach dem Impfstart sei angesichts der Pandemiemüdigkeit „die Erwartung auf einmal ganz, ganz groß“ gewesen, „dass das jetzt ganz, ganz schnell geht“. Mindestens die nächsten neun bis zehn Wochen dürften aber noch von starker Impfstoff-Knappheit geprägt sein, „und dann im zweiten Quartal wird es sicher besser“, so Spahn.

Bayern verschärft Grenzkontrollen

Um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, dehnt Bayern die Grenzkontrollen zu Österreich und Tschechien aus. Er habe eine verstärkte Schleierfahndung bei Grenzpendlern, Grenzgängern und Reiserückkehrern angeordnet, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dem Münchner Merkur. Auch werde die Grenzpolizei verstärkt.

„Die Corona-Lage ist immer noch sehr brenzlig, gerade mit Blick auf die hochansteckenden Corona-Mutationen“, betonte Herrmann. „Daher müssen wir sehr genau die Einhaltung der strengen Corona-Einreiseregeln überwachen, vor allem an den Grenzen zu Tschechien und Österreich sowie an den Flughäfen.“

Auch Österreich hatte gestern angekündigt, Grenzkontrollen zu Deutschland und den weiteren Nachbarländern ab dieser Woche massiv zu verschärfen. So sollen alle nicht notwendigen Reisen in der Pandemie verhindert werden, teilte das Innenministerium mit. dpa/tm

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