Corona - Minister Peter Altmaier kündigt eine Öffnungsstrategie an Kritik an Ergebnissen des Wirtschaftsgipfels

Von 
dpa/red
Lesedauer: 
Ein Wissenschaftler zeigt einen Corona Schnelltest. Das Land Baden-Württemberg will mit Blick auf die ansteigenden Infektionszahlen die Labor-Kapazitäten ausweiten. © dpa

Berlin/Bergstraße. Wirtschaftsminister Peter Altmaier und die Wirtschaft wollen zu den nächsten Beratungen von Bund und Ländern zur Corona-Krise Anfang März eine Öffnungsstrategie erarbeiten. Das sagte der CDU-Politiker nach dem „Wirtschaftsgipfel“ mit Verbänden am Dienstag. Es gehe um Empfehlungen an die Ministerpräsidenten, so Altmaier. Es sei von Verbänden „nachvollziehbar“ beklagt worden, dass Ungewissheit mit das Schwierigste in der aktuellen Lage sei.

AdUnit urban-intext1

Altmaier kündigte nach dem Gipfel zudem Nachbesserungen bei den staatlichen Hilfen an. Ein „Härtefallfonds“ solle Ungerechtigkeiten beheben. Die Idee sei, dass die Länder für einen solchen Fonds einen gewissen Beitrag einsetzen könnten. Wegfallen sollen zudem Obergrenzen bei der Überbrückungshilfe III. Bisher sind Unternehmen bis zu einem Umsatz von 750 Millionen Euro im Jahr 2020 antragsberechtigt.

Der Wirtschaftsminister hatte sich mit Vertretern von rund 40 Verbänden ausgetauscht. Zuvor hatte es massive Kritik an fehlenden Perspektiven für Branchen wie das Gastgewerbe und den Tourismus gegeben sowie an einer schleppenden Umsetzung von Hilfen. Der Lockdown war zuletzt bis zum 7. März verlängert worden.

Vertreter der regionalen Wirtschaft zeigten sich enttäuscht und äußerten sich kritisch zu den Ergebnissen des Berliner Gipfels. Sie hatten sich ein deutlicheres Signal für die Öffnung von Einzelhandel und Gastronomie erhofft. Tatjana Steinbrenner (Bensheim), Präsidentin des Südhessischen Handelsverbands, hofft, dass beim nächsten Bund-Länder-Treffen am 3. März die erarbeitete Öffnungsstrategie umgesetzt wird. Denn viele Unternehmer litten bereits unter großen Existenzängsten.

AdUnit urban-intext2

Im Kreis Bergstraße wurde gestern ein weiterer Todesfall im Zusammenhang mit dem Coronavirus gemeldet. Es handelt sich um eine 83-jährige Person aus Abtsteinach. Außerdem registrierte das Landratsamt 36 neue Infektionsfälle. Sie stammen unter anderem aus Bensheim, Heppenheim (je 3) und Lindenfels (1).

Inzidenz sinkt auf 54,6

Damit beträgt die Zahl der Neuinfektionen innerhalb der vergangenen sieben Tage 153, was eine Inzidenz (der Wert bezogen auf 100 000 Einwohner) von 56,43 ergibt. Diese wird heute weiter leicht sinken auf 54,6, weil die Zahl der gestern gemeldeten Neuinfektionen unter der des Dienstags aus der Vorwoche (41) liegt.

AdUnit urban-intext3

Das Gesundheitsamt erhielt gestern Kenntnis von insgesamt zwei weiteren bestätigten Fällen der britischen Mutation B.1.1.7 im Kreisgebiet. Zudem liegt bezüglich eines weiteren Todesfalls aus dem Kreis eine Bestätigung der britischen Mutation vor. Auch im Zusammenhang mit einem Infektionsfall an einer Pflegeeinrichtung in Lindenfels wurde die britische Mutation nachgewiesen, teilte das Landratsamt auf Anfrage mit. Hier greifen seit längerem Schutzmaßnahmen. Es hatten bereits vor Bekanntwerden der Mutation Reihentestungen stattgefunden.

Caritasheim wieder geöffnet

AdUnit urban-intext4

Gute Nachricht gab es aus dem Caritas-Alten- und Pflegeheim St. Elisabeth in Bensheim. Die Einrichtung erhielt die offizielle Bestätigung aus dem Gesundheitsamt, dass sie ohne aktuellen Corona-Infektionsfall ist. Daher können die Bewohner ab heute wieder bis zu zwei Besuche pro Woche empfangen, die Bewohner und Angehörigen wurden entsprechend informiert. Für den Besuch ist eine Anmeldung erforderlich, zu den erforderlichen Hygienemaßnahmen gehört ein Corona-Test beim Betreten des Heims.

Laut Deutscher Interdisziplinärer Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin sind im Kreis Bergstraße derzeit von 44 verfügbaren Intensivbetten in den Kliniken 34 Betten belegt – davon sieben mit an Covid-19 infizierten Patienten, die eine intensivmedizinische Behandlung benötigen; drei von ihnen müssen invasiv beatmet werden.

224 weitere Coronavirus-Infektionen sind nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) gestern in Hessen registriert worden (Stand: 0 Uhr), es gab 45 neue Todesfälle. dpa/red