Pandemie - Hessen erhält mehr Corona-Impfstoff / Termine werden künftig nach der Registrierung zugewiesen Impfung jetzt für Senioren ab 70, Lehrer und Kita-Erzieherinnen

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dpa/red
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Sechs Spritzen für die Corona-Schutzimpfung: Weil mehr Impfstoff zur Verfügung steht, erweitert das Land den Kreis derer, die sich impfen lassen können. © Dietmar Funck

Wiesbaden. In Hessen können sich seit Dienstag Senioren im Alter von 70 bis 79 Jahren, Menschen mit einer schweren Vorerkrankung und besonders gefährdete Berufsgruppen für eine Corona-Impfung anmelden. Diese Priorisierungsgruppe zwei umfasse bis zu 1,5 Millionen Menschen, sagte Innenminister Peter Beuth (CDU) in Wiesbaden zum Start der Registrierung. Dieser Personenkreis müsse sich weiter über die Telefonhotline oder das Internet für die Coronaimpfung registrieren. Der Termin für die Erst- und die Zweitimpfung werde aber künftig zugewiesen. Die Termine würden nach der Registrierung automatisch per Post oder per E-Mail zugeschickt. Wer den zugewiesenen Terminvorschlag nach der Registrierung nicht annehmen wolle, könne diesen künftig auch umbuchen. Das gelte auch für Paartermine.

Vier Todesfälle und 52 weitere bestätigte Erkrankungen im Kreis Bergstraße

Der Kreis Bergstraße muss vier weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus vermelden. Es handelt sich um eine 67-jährige Person aus Bensheim, eine 80-jährige Person aus Lampertheim, eine 68-jährige Person aus Gorxheimertal und eine 90-jährige Person aus Viernheim. Außerdem wurden 52 neue bestätigte Corona-Fälle registriert: u. a. in Bensheim (6), Einhausen (3), Heppenheim (9), Lautertal (1) und Lindenfels (3). An Einrichtungen aktuell betroffen ist u. a. die Karl-Kübel-Schule in Bensheim.

Beim Infektionsgeschehen gab es drei neue Fälle der britischen Corona-Mutation. Der Inzidenzwert für den Kreis wurde am Dienstabend mit 68,97 angegeben.

Laut Deutscher Interdisziplinärer Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin sind im Kreis Bergstraße derzeit von 40 verfügbaren Intensivbetten in den Kliniken 30 Betten belegt – davon fünf mit an Covid-19 infizierten Patienten, die eine intensivmedizinische Behandlung benötigen; zwei von ihnen müssen invasiv beatmet werden. red

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Die Terminvergabe soll nach dem Alter fallend erfolgen: Erst kommen nach Angaben von Beuth und Sozialminister Kai Klose (Grüne) die 79-Jährigen bei der Schutzimpfung an die Reihe. Die weitere Vergabe der Termine richte sich auch nach den verfügbaren Impfdosen. Ab Freitag, 5. März, sollen die ersten Impfungen für die Priorisierungsgruppe zwei in Hessen beginnen.

Aufgrund ihres Berufs sind auch Ärzte, zahlreiche Pflegeberufe sowie auch teilweise Polizisten impfberechtigt. Zur zweiten Gruppe in der Impfreihenfolge sollen auch Lehrkräfte an Grund- und Förderschulen sowie Erzieherinnen in Kitas zählen. Sobald es eine entsprechende Verordnung gebe, werde dieser Gruppe ein entsprechendes Impfangebot bekommen, sicherte Beuth zu. Es werde überlegt, extra Impftage für die Lehrer und Kita-Erzieherinnen anzubieten.

Beuth und Sozialminister Klose haben bereits angekündigt, dass für medizinisches Personal in den 28 Impfzentren in Hessen am letzten Februarwochenende (27./28.) sowie am 6./7. März extra Impftage angeboten werden. Ärzten sowie medizinischem Personal soll dabei die Möglichkeit gegeben werden, sich mit dem Impfstoff der Firma Astrazeneca impfen zu lassen.

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Eine Corona-Schutzimpfung haben in Hessen bislang vor allem Menschen im Alter von über 80 Jahren sowie Bewohner in den Alten- und Pflegeheimen erhalten. Nach Angaben des Innenministers konnten mittlerweile rund 234 000 Personen mit höchster Priorität ihre Erst- und 112 500 ihre Zweitimpfung bekommen.

In Hessen sind innerhalb eines Tages 306 Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert worden. Der Inzidenzwert stieg am Dienstag auf 60,5; am Vortag hatte er noch bei 59,7 gelegen. Insgesamt wurden seit Beginn der Pandemie 184 753 Fälle in Hessen nachgewiesen. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus erhöhte sich um 42 auf 5714. Unter den Landkreisen und kreisfreien Städten wies die Stadt Kassel mit 24,2 am Dienstag den niedrigsten Inzidenzwert auf, den höchsten Wert verzeichnete der Landkreis Groß-Gerau mit 97,6. Insgesamt lagen laut RKI in Hessen fünf Landkreise und eine kreisfreie Stadt unter einem Inzidenzwert von 50.

Merkel für vorsichtige Öffnung

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Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihre Vorstellungen für vorsichtige Öffnungsschritte in Kombination mit vermehrten Testmöglichkeiten in der Corona-Pandemie konkretisiert. Es gebe drei Stränge, bei denen man Schritt für Schritt öffnen wolle, sagte Merkel nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur von Teilnehmern am Dienstag in einer Online-Sitzung der Unionsfraktion im Bundestag.

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Die Kanzlerin nannte die persönlichen Kontaktbeschränkungen sowie den Bildungs- und den Wirtschaftsbereich. Die Öffnungsschritte sollten klug mit den erweiterten Testmöglichkeiten zusammengebracht werden.

Die Tatsache, dass es eine dritte Corona-Welle gebe, könne nicht wegdefiniert werden, sagte Merkel demnach weiter. Man müsse mit der Mutation leben. Man tue alles, auch im Gespräch mit Frankreich und den Grenzkontrollen zu Tirol, um die in Deutschland noch sehr untergeordnet vorkommende südafrikanische Virusvariante nicht ins Land zu bekommen. Sonst bestehe die Gefahr, dass bestimmte Impfstoffe darauf nicht mehr reagieren würden. Bei jedem Öffnungsschritt müsse es das Ziel sein, ein wieder exponentielles Wachstum der Infektionszahlen auch angesichts der verschiedenen Mutationen zu verhindern, sagte Merkel weiter.

CDU-Chef Armin Laschet sagte, nachdem sich die britische Mutante des Virus weiter ausbreite, sei Vorsicht weiterhin das Richtige. Trotzdem gebe es die Erwartung nach einer Öffnungsstrategie. Deshalb sei das Testen so wichtig. dpa/red