Corona-Pandemie - Dem Land Hessen steht mehr Impfstoff zur Verfügung / Über 80-Jährige können sich früher impfen lassen / Furcht vor dritter Welle Impftermine können vorgezogen werden

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red/dpa
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Senioren über 80 können inzwischen einen Impf-Termin vereinbaren. © dpa

Berlin/Wiesbaden/Bergstraße. In Hessen können Corona-Impftermine für über 80 Jahre alte Senioren vorgezogen werden, weil dem Land mehr Impfstoff zur Verfügung steht. Bürger mit einem Termin für die Erstimpfung nach dem 22. März können diese Umbuchung vornehmen, teilten Innen- und Sozialministerium am Donnerstag in Wiesbaden mit. Der Termin für eine frühere Impfung kann ab diesem Samstag (20.) über die telefonische Hotline oder das Onlineportal vereinbart werden. Für rund 75 000 Bürger bestehe dieses freiwillige Angebot des Landes.

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Auch der Kreis Bergstraße hat zusätzlichen Impfstoff erhalten. Daher können einige Bergsträßer ihren Impftermin vorverlegen, wie Landrat Christian Engelhardt berichtet. Ab März werden außerdem – zunächst in acht Kommunen – dezentrale Impftermine für bestimmte Personengruppen angeboten.

Aktuell erforschen zwei Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts die Umstände der Virus-Mutationen in betroffenen Einrichtungen an der Bergstraße. Erste Ergebnisse werden heute erwartet. Dem Kreis liegen aktuell 88 Nachweise der B.1.1.7-Mutation vor, der sogenannten britischen Virus-Mutation, sowie zwei Nachweise für die südafrikanische Virus-Variante. Bei etwa drei Viertel der Fälle handelt es sich um aktuelle Infektionen.

32 Neuinfektionen im Kreis

Am Donnerstagabend vermeldete das Landratsamt 32 neue Infektionsfälle, darunter neun in Bensheim, zwei in Lindenfels sowie jeweils eine in Lautertal und Heppenheim. Weitere Todesfälle wurden nicht gemeldet. Innerhalb der vergangenen sieben Tage gab es 151 Neuinfektionen im Kreis, das entspricht einer Inzidenz von 55,7.

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Laut Deutscher Interdisziplinärer Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin sind im Kreis Bergstraße derzeit von 41 verfügbaren Intensivbetten in den Kliniken 33 Betten belegt – davon fünf mit an Covid-19 infizierten Patienten, die eine intensivmedizinische Behandlung benötigen; drei von ihnen müssen invasiv beatmet werden.

In Hessen sind innerhalb eines Tages 862 Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert worden. Insgesamt wurden damit seit Beginn der Pandemie 182 385 Fälle nachgewiesen, wie aus Daten des Robert Koch-Instituts vom Donnerstag (Stand 4.29 Uhr) hervorgeht. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus erhöhte sich um 45 auf 5598.

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Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg am Donnerstag leicht auf 55,1. Am Vortag hatte sie noch bei 54,7 gelegen, am Donnerstag vor einer Woche bei 65,8. Unter den Landkreisen und kreisfreien Städten wies die Stadt Kassel mit 28,2 am Donnerstag den niedrigsten Inzidenzwert auf, den höchsten Wert verzeichnete der Main-Kinzig-Kreis mit 80,8.

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Für über 359 000 Schüler der Klassen eins bis sechs in Hessen ist ab nächstem Montag (22. Februar) die Rückkehr in den Unterricht in der Schule möglich. Welches Modell des Wechselunterrichts dann praktiziert wird, entscheiden die Schulen in Eigenregie.

Bei Wechselunterricht werden die Schulklassen aufgeteilt. Eine Hälfte wird in der Schule unterrichtet, die andere Hälfte lernt zu Hause. Die Gruppen können tage- oder wochenweise tauschen. Ab der ersten Klasse gilt eine grundsätzliche Maskenpflicht in Hessens Schulen. Die kleinen Kinder müssen aber nicht zwingend eine medizinische Maske tragen.

Inzidenz stagniert

Unterdessen lassen die seit Tagen stagnierenden Corona-Zahlen in Deutschland und immer mehr Infizierte in einzelnen Regionen die Furcht vor einer dritten Welle wachsen. Forderungen nach Lockdown-Lockerungen stehen Spekulationen über schärfere Maßnahmen gegenüber. Am 3. März wollen Bund und Länder über die Lage beraten. Ab dem 7. März sollen Geschäfte dort wieder öffnen können, wo es regional drei Tage lang nicht über 35 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern und sieben Tagen gibt. Seit vergangenem Sonntag schwankte diese 7-Tage-Inzidenz bundesweit aber leicht über 57. Davor war sie über Tage hinweg kontinuierlich gesunken.

Die Stagnation ist aus Expertensicht auf neue Virusvarianten wie die aus Großbritannien zurückzuführen. „Wenn sich der Trend bestätigt, dann brauchen wir stärkere Restriktionen“, sagte der Molekularbiologe und Regierungsberater Rolf Apweiler. Am Donnerstag hatte das Robert Koch-Institut gemeldet, dass der Anteil der ansteckenderen britischen Variante binnen zwei Wochen von knapp 6 auf mehr als 22 Prozent stieg. Wissenschaftler bezweifelten bereits, dass die Inzidenz absehbar unter 35 sinkt. red/dpa