Pandemie - Sorge vor den ansteckenderen Varianten des Erregers wächst / Bundesregierung und Länder beraten am Mittwoch Immer mehr Fälle von mutierten Corona-Viren im Kreis

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Berlin/Wiesbaden/Bergstraße. Im Kreis Bergstraße sind gestern 50 neue Corona-Infektionen bekannt geworden. Ein weiterer Todesfall wurde aus Bensheim gemeldet. Die Gesamtzahl der Opfer liegt damit bei 249. Wie das Landratsamt weiter berichtete, sind seit dem Ausbruch der Epidemie 6768 Infektionsfälle registriert worden. Die neuen Fälle stammen unter anderem aus Bensheim (9), Einhausen (4), Heppenheim (7), Lautertal, und Zwingenberg (3). Zu den neu betroffenen Einrichtungen zählt die Heinrich-Metzendorf-Schule in Bensheim.

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Dem Kreis sind zurzeit 773 Infizierte bekannt. In den Bergsträßer Krankenhäusern werden 69 Patienten behandelt. Darunter sind 54 mit einer festgestellten Infektion. Beim Rest liegt ein Verdacht auf eine Corona-Erkrankung vor. Laut Deutscher Interdisziplinärer Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin sind im Kreis von 40 verfügbaren Intensivbetten in den Kliniken 34 Betten belegt – davon sieben mit an Covid-19 infizierten Patienten, die eine intensivmedizinische Behandlung benötigen; zwei von ihnen müssen invasiv beatmet werden.

Wie aus der Mitteilung aus dem Landratsamt weiter hervorgeht, gab es 330 Neuinfektionen innerhalb der vergangenen sieben Tage, was einer Quote von 121,72 Infektionen pro 100 000 Einwohnern (Inzidenz) entspricht. Dieser Wert wird morgen weiter auf 126 steigen, da die Fallzahlen gestern über denen der Vorwoche (39) lagen.

Im Umfeld des Kindergartens in Gorxheimertal wurden drei weitere Fälle der britischen Virusmutation B.1.1.7 festgestellt. Insgesamt sind damit jetzt 14 Fälle dieser Virusvariante im Kreis bestätigt. In der Bundesregierung wächst die Sorge vor der Ausbreitung der ansteckenderen Mutationen. Ein Weg aus dem Lockdown könne nur mit viel Augenmaß geplant werden, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). „Wenn wir diesen Mutationen die Möglichkeit zur Ausbreitung geben würden, riskierten wir einen erneuten Anstieg der Infektionszahlen.“

Bouffier dämpft Erwartungen

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Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, warnte, das Virus sei zuletzt gefährlicher geworden. Nach Einschätzung des RKI dominieren die ansteckenderen Varianten das Infektionsgeschehen in Deutschland noch nicht, dürften aber in den kommenden Wochen eine immer größere Rolle spielen. Spahn mahnte, der mühsam erreichte Fortschritt bei den Infektionszahlen dürfe nicht leichtfertig verspielt werden. Bei der Suche nach den Mutanten verfolgen die Bundesländer unterschiedliche Strategien. Während Baden-Württemberg alle positiven PCR-Tests sequenzieren lassen will, werden in Hessen und Rheinland-Pfalz Proben nur anlassbezogen genauer untersucht.

Am Mittwoch will Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder erneut über das Infektionsgeschehen beraten. Dabei soll auch entschieden werden, ob der bis zum 14. Februar befristete Lockdown verlängert wird oder ob wegen der sinkenden Infektionszahlen vorsichtige Öffnungsschritte eingeleitet werden können.

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Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat Erwartungen auf rasche Lockerungen gedämpft. „Wir werden besonnen bleiben. Niemand kann erwarten, dass wir jetzt auf einen Schlag sagen: So, das machen wir jetzt wieder wie früher. Das geht nicht. Aber Stück für Stück“, sagte Bouffier bei einer Klausur seiner Partei. „Wir dürfen nicht riskieren, dass wir in vier Wochen dann plötzlich wieder ganz hohe Zahlen haben, weil wir unvorsichtig waren.“

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Zugleich bereiteten die Mutationen Sorgen. Deshalb werde man Stück für Stück vorgehen und immer berücksichtigen, was die Wissenschaft sage. Er bleibe dabei, dass 2021 das Jahr sein müsse, in dem Corona überwunden werden müsse, sagte Bouffier. „Da sind wir auf gutem Weg. Wir haben allen Anlass zur Zuversicht, und wir haben gar keinen Anlass, unvorsichtig zu sein.“

In Darmstadt setzt sich im Unterschied zum Kreis Bergstraße der Trend leicht zurückgehender Fallzahlen fort: Wie das Gesundheitsamt mitteilt, sind gestern 26 Fälle hinzugekommen. Die Inzidenz lag bei 65. Es gebe noch keinen Nachweis einer Mutation. Im Impfzentrum läuft der Betrieb nach Angaben der Stadt nach Plan. Täglich würden etwa 650 bis 850 Leute im Zentrum und über die mobilen Teams geimpft.

In Hessen sind knapp 900 weitere Infektionen gemeldet worden. Mit 888 registrierten Fällen lag die Gesamtzahl der Infektionen damit bei 175 378, wie aus Daten des Berliner Robert-Koch-Instituts (Stand: 0 Uhr) hervorgeht. Die Zahl der mit dem Virus in Verbindung gebrachten Todesfälle stieg um 64 auf 5114. Der Inzidenzwert für das Bundesland ging weiter zurück und lag bei 84.

Seit Beginn der zweiten Runde für Impftermine in Hessen sind bis gestern Mittag knapp 150 000 Termine vereinbart worden. Seit gestern ist für Paare möglich, gleich zwei zeitlich eng zusammenhängende Termine zu erhalten. dpa/tm