Pandemie - Gestern wurden vom Landratsamt 61 Infektionen und zwei Todesfälle gemeldet / Spahn will schneller mehr Ältere impfen Achter Fall der britischen Virusmutation im Kreis entdeckt

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dpa/tm
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Bergstraße/Wiesbaden/Berlin. Im Kreis Bergstraße sind gestern 61 neue Corona-Infektionen bekannt geworden. Zwei weitere Todesfälle wurden gemeldet. Betroffen sind eine 81-jährige Person aus Heppenheim und eine 91-jährige Person aus Lindenfels. Damit sind inzwischen 246 Menschen der Pandemie zum Opfer gefallen. Wie das Landratsamt weiter berichtete, sind seit dem Ausbruch der Epidemie 6664 Infektionsfälle registriert worden.

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Die neuen Fälle stammen unter anderem aus Bensheim (22), Heppenheim (3), Lautertal (3), Lindenfels (2) und Lorsch (2). Zu den betroffenen Einrichtungen zählen ein Kindergarten in Lorsch sowie Pflegeheime in Bensheim und Lindenfels. Es gibt einen weiteren bestätigten Fall der britischen Virusmutation B.1.1.7. Er steht im Zusammenhang mit dem bereits bekannten Fall in Gorxheimertal. Insgesamt sind damit acht Fälle der britischen Coronavirus-Variante bestätigt.

Dem Kreis sind zurzeit 800 Infizierte bekannt. In den Bergsträßer Krankenhäusern werden 84 Patienten behandelt. Darunter sind 64 mit einer festgestellten Infektion. Beim Rest liegt ein Verdacht auf eine Corona-Erkrankung vor. Wie aus der Mitteilung aus dem Landratsamt weiter hervorgeht, gab es 324 Neuinfektionen innerhalb der vergangenen sieben Tage, was einer Quote von 119,50 Infektionen pro 100 000 Einwohnern (Inzidenz) entspricht.

Laut Deutscher Interdisziplinärer Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (www.intensivregister.de) sind im Kreis Bergstraße von 40 verfügbaren Intensivbetten in den Kliniken 38 Betten belegt – davon sieben mit an Covid-19 infizierten Patienten, die eine intensivmedizinische Behandlung benötigen; zwei von ihnen müssen invasiv beatmet werden.

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In Hessen sind gestern 945 weitere Infektionen nachgewiesen worden. Damit stieg die Gesamtzahl der Ansteckungen auf 173 312 (Stand 0 Uhr), wie das Robert-Koch-Institut mitteilte. Die Zahl der Todesopfer erhöhte sich um 63 auf 4989.

Seit gestern können in Hessen Senioren, die mindestens 80 Jahre alt sind, wieder Termine für Schutzimpfungen buchen. Das Innenministerium geht davon aus, dass bis zu 300 000 Bürger das Angebot wahrnehmen. Nach acht Stunden seien bereits rund 66 000 Termine gebucht worden. Nachdem das Anmeldeportal bei der ersten Runde der Terminvergaben überlastet war, hatte das Land die Serverkapazitäten aufgestockt. Dennoch lief auch gestern das System nicht reibungslos.

Heftiger Streit im Landtag

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Die Sitzung des Landtags ist nach dem Streit über eine Debatte zu den Problemen bei der Vergabe für Impftermine unterbrochen worden. Mehrere Oppositionsfraktionen hatten beantragt, noch am gestrigen Mittwoch darüber im Parlament zu sprechen. Die Regierungsfraktionen von CDU und Grünen setzen in einer Abstimmung durch, dass diese Aussprache erst heute ist. Mit den hitzigen Wortgefechten der Abgeordneten befasst sich nun der Ältestenrat.

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat älteren Menschen in Deutschland schnellere Corona-Impfungen in Aussicht gestellt. Wegen der Altersbegrenzung beim Impfstoff von Astrazeneca könnten „Ältere jetzt schneller geimpft werden“, sagte er dieser Redaktion. „Denn wenn wir den vielen Jüngeren in der ersten Impf-Gruppe ein Impfangebot mit dem Impfstoff von Astrazeneca machen können, stehen für die über 80-Jährigen mehr Impfstoffe von Biontech und Moderna zur Verfügung.“ So werde die Gruppe der besonders Gefährdeten insgesamt schneller geschützt. Im Übrigen wolle Astrazeneca in absehbarer Zeit Studien vorlegen, um die Wirksamkeit des Impfstoffs auch bei Älteren zu zeigen. „Sobald das geschieht, wird die Ständige Impfkommission ihre Empfehlung überarbeiten“, kündigte Spahn an.

Der Minister wies den Vorwurf zurück, die Impfkampagne laufe schlecht. „Es gibt Länder, die im Moment eine höhere Impfquote haben als wir. Aber wir sollten bei allen Diskussionen schon wahrnehmen, dass bei 194 Staaten auf der Welt nicht einmal in 50 überhaupt gegen Corona geimpft wird“, sagte Spahn. In Deutschland gebe es schon jetzt über 700 000 Zweitimpfungen, betonte er. „Ein Drittel aller Geimpften haben damit den vollständigen Schutz, in den Pflegeeinrichtungen sogar über 40 Prozent – da liegen wir in Europa ziemlich weit vorn.“

Spahn wandte sich gegen den Vorwurf von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP), der gesagt hatte, viele Menschen würden sterben, weil die Impfstoffbeschaffung für Spahn keine Priorität gehabt habe. dpa/tm