Literatur - Ab Oktober auch auf Deutsch Tochter von Romy Schneider schreibt über Beziehung zu ihrer Mutter

Von 
Sabine Glaubitz
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Sie wollte ein schweres Thema angehen, über Dinge schreiben, die mit Ängsten behaftet sind. Beides hat die Tochter von Romy Schneider in ihrer eigenen Lebensgeschichte gefunden, die von dem tragischen Tod ihrer Mutter 1982 geprägt ist und von dem tödlichen Unfall ihres Halbbruders David rund ein Jahr zuvor. Im kürzlich in Frankreich erschienenen Buch „La béaute du ciel“ gibt sie nun Einblick in ihr Leben und in sehr intime Gedanken und Gefühle für ihre Mutter, die berühmte deutsch-französische Schauspielerin. Eine deutschsprachige Ausgabe soll am 25. Oktober 2021 unter dem Titel „Die Schönheit des Himmels“ im Zsolnay Verlag erscheinen, wie der Verlag in Wien mitteilte.

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„Niemand will meine Mutter vergessen, außer mir. Alle wollen an sie denken, nur ich nicht. Niemand wird beim Gedanken an sie mehr weinen als ich.“ Ein Satz, den man erst am Ende der rund 200-seitigen Lektüre ganz versteht. Sarah Biasini (Bild) – sie wurde am 21. Juli 1977 aus Schneiders zweiter Ehe mit dem französisch-italienischen Journalisten Daniel Biasini geboren – belastet bis heute noch die Abwesenheit und Berühmtheit ihrer Mutter.

Wenige Erinnerungen

Es schmerzt sie, wenn Leute mit ihr über sie reden, indem sie ihren Namen sagen, anstatt „deine Mutter“ oder „Ihre Mutter“. Verletzt fragt sie: „Über wen reden sie? Ihr Name interessiert mich nicht, nur meine Mutter interessiert mich.“

Es tut weh, wenn Leute fragen, ob sie Erinnerungen an ihre Mutter habe. „Lange Zeit antwortete ich mit roten Wangen, dass ich es vorziehen würde, diese für mich zu behalten.“ Eines Tages jedoch antwortete sie: „Wie wollen Sie Erinnerungen mit viereinhalb Jahren haben?“ Sarah war erst knapp fünf, als ihre Mutter am 29. Mai 1982 starb.

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Das Bild von ihrer Mutter hat sie sich zusammengepuzzelt. Dabei gibt es jenes der Medien und Biografen: Eine unglückliche, depressive und abhängige Ikone mit gebrochenem Schicksal, die zum Untergang verurteilt gewesen sei. Und das von Freunden und der Familie ihres Vaters: Für sie war ihre Mutter eine Frau, die lachte und fast so war wie alle anderen, mit Ausnahme ihrer Schönheit und ihres Talents.

Biasini selbst kann sich an nur sehr wenig erinnern wie an jenen Tag im Mai, als ihr Vater ihr den Tod ihrer Mutter verkündete. „Ich weine nicht. Ich sage nichts. Ich bleibe vor ihm, ohne mich zu bewegen. Ich tue so, als würde ich nicht auf das hören, was mein Vater mir erzählt. Oder nur mit einem Ohr. Ich verstehe, was passiert, will es aber nicht hören.“ Wie sie weiter schreibt, durfte sie nicht in das Zimmer der Verstorbenen hinein. Als Todesursache wurde offiziell Herzversagen angegeben.

Sorgen, Ängste und Wünsche

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Heute ist die Tochter 43 Jahre alt, selbst Mutter eines kleinen Mädchens – und Schauspielerin. Dass sie erst jetzt zur Feder griff, um ihre Geschichte aufzuschreiben, geht auf zwei Ereignisse zurück: die Beschädigung des Grabes ihrer Mutter im Mai 2017 auf dem Friedhof von Boissy-sans-Avoir; und die Ankündigung ihres Arztes, dass sie vierzigjährig nach jahrelangen vergeblichen Versuchen und künstlichen Befruchtungen endlich schwanger war. Zeugungstermin war demnach der 20. Mai, rund drei Wochen nach dem Vorfall am Grab.

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Biasini hat ein sehr einfühlsames Werk verfasst, indem sie Sorgen, Ängste und Wünsche einer Mutter mitteilt, die sie selbst schmerzlich vermisst hat: Sie werde ihre Tochter Mama sagen hören, ohne sich darin erinnern zu können, ob sie das je selbst gesagt habe. „Ich habe so wenig von meiner Mutter, ich hätte mir gewünscht, dass auch sie mir geschrieben hätte, aber wie konnte sie ahnen, was passieren würde?“ dpa