Im Test - Porsche steigt mit dem Taycan nun in den elektrischen Markt ein / Kraftstrotzender Antrieb Sportwagen-Tradition trifft Innovation

Von 
Stephan Eisner
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Mannheim. Wenn Porsche ein neues Modell auf den Markt bringt, blicken Sportwagenfans voller Spannung nach Zuffenhausen. Denn den Konstrukteuren ist es fast immer gelungen, das richtige Gefühl für die Bedürfnisse der betuchten Kundschaft zu entwickeln: Emotionen. Wäre es in den 1980er Jahren noch ein Frevel gewesen, Geländewagen zu produzieren, hat sich die Entscheidung für Cayenne und Macan für das Unternehmen mehr als ausgezahlt. Und auch die Limousine Panamera hat inzwischen seine Fans gefunden. Nun wird es elektrisch: Der Taycan soll den Weg in die Zukunft weisen.

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Rein äußerlich gesehen tut er das in jedem Fall. Die breite Schnauze mit den eckigen Scheinwerfern, die schwungvolle Linie, die trotz der vier Türen an den 911er erinnert, und das fast schon betörend schöne Heck zeigen die gekonnte Mischung aus Tradition und Innovation. Dass schon das Basismodell der Reihe die 100 000-Euro-Marke überschreitet, zeigt aber, dass diese Schönheit eben auch ihren Preis hat.

Der Innenraum fällt nüchtern aus, mit geraden Linien, ohne Schnörkel. Hinten warten zwei Einzelsitze mit anständiger Beinfreiheit. Trotzdem ist der Taycan eher Sportwagen für Vier als eine Reiselimousine. Es ist alles straff, auch die Sitze, die einen hervorragenden Seitenhalt bieten.

Wie auf Schienen durch die Kurve

Der Druck auf den Startknopf erweckt keinen bollernd-fauchenden Boxer zum Leben, nur das Lichtspiel der Anzeigen zeigt: Ich bin bereit. Allerdings steht in der Anzeige auch die Reichweite. Und die fällt bei der Abholung in Zuffenhausen ernüchternd aus. 225 Kilometer – bei 100-prozentiger Beladung. Ob das bis in die Redaktion reicht? Elektrofahrzeuge haben den Nachteil, dass die angezeigte Reichweite oft nur ein theoretischer Wert ist. Sie sinkt und sinkt mit jedem Meter – und zwar viel schneller, als die Wegstrecke. Hier bietet der Taycan eine rühmliche Ausnahme. Die Reichweite bleibt realistisch. Und dank 800-Volt-Batterien laden die Akkus mehr als doppelt so schnell als schon getestete E-Autos.

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Dass der Taycan ruhig läuft, ist klar. Die Ingenieure haben es auch geschafft, die Windgeräusche sehr klein zu halten. Somit ist ein dezentes Dahingleiten möglich, das von der Luftfederung untermalt wird. Aber der Taycan wäre kein Porsche, würde er nicht auch durch Kurven jagen. Wie auf Schienen meistert er nahezu ohne Seitenneigung die Kehren, um anschließend kraftstrotzend und ansatzlos die 650 Newtonmetern an Drehmoment einzusetzen. Großes Sportwagenkino.

Dieses Kino gibt es übrigens im Taycan vierfach, denn neben den Displays hinter dem Lenkrad, zur Navigation und fürs richtige Klima hat auch der Copilot ein eigenes, auf dem er beispielsweise eine Musikauswahl treffen kann.

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Fünf Fahrmodi bietet der Drehkopf am Lenkrad an. Bei „Sport plus“ spielt ein Lautsprecher Motorengeräusche ein, die an einen wildgewordenen Hornissenschwarm erinnern. Bei „Range“, also Reichweite, geht es gemächlich zu. Beim Testwagen war dann die Höchstgeschwindigkeit auf 110 km/h begrenzt – von wegen großes Sportwagenkino.

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Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/auto

Autor Nach dem Volontariat bei den "Fränkischen Nachrichten" seit dem Jahr 2000 beim "Mannheimer Morgen". Über viele Jahre hinweg im Ressort Chef vom Dienst unter anderem für die Seite 3, die Aus-aller-Welt-Seiten und das "Wochenende" zuständig. Daneben über 10 Jahre lang als Ausbildungsredakteur für den journalistischen Nachwuchs verantwortlich. Ab 2013 zusätzlich Testredakteur der Auto-Seiten. Seit Oktober 2015 Projektredakteur des "Mannheimer Morgen". Der Kontakt zu den Lesern, das Bearbeiten der Leserbriefe, Sonderhefte, Serien und alle Projekte rund um die Redaktion sowie der enge bereichsübergreifende Kontakt in der Dr-Haas-Mediengruppe gehören heute zu seinen Aufgaben.