Nationaltheater Mannheim - Weil alles länger dauert als gedacht, lässt sich der ursprüngliche Zeitplan nicht mehr halten Sanierungsbeginn erst im Jahr 2022

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Peter W. Ragge
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Bis hier umgebaut wird, dauert es wohl noch zweieinhalb Jahre: Blick von der Opernbühne des Mannheimer Nationaltheaters in den Zuschauerraum. © Prosswitz

Von Peter W. Ragge

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Konkret und felsenfest ist bisher nichts. „Klarheit haben wir wohl Ende des ersten Halbjahres 2020“, sagt der Mannheimer Bürgermeister Michael Grötsch. Und doch bestätigt er, was intern im Nationaltheater längst klar ist, wonach die Spielpläne gemacht und viele Verträge mit Künstlern ausgerichtet werden: Die Generalsanierung des Hauses am Goetheplatz beginnt erst im Lauf des Jahres 2022.

Dass schon in diesem Sommer gebaut wird, war nie geplant. Doch die große Diskussion über das Vorhaben im Sommer 2018 hat bei vielen im Publikum die Erwartung geweckt, es gehe bereits jetzt los.

Was bereits dieses Jahr hätte laufen sollen, waren Baumaßnahmen für Ersatzspielstätten – aber auch das geht nicht so schnell voran. Im Probezentrum Neckarau sollte in der Sommerpause 2019 gearbeitet werden. Aber für diesen Zeitpunkt und das bewilligte Geld fand sich keine Baufirma. Auch der Umbau des alten Kinos in Benjamin-Franklin-Village für Schauspiel und Tanz ist erst in der Planungsphase.

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Dennoch war lange von einem Beginn der Generalsanierung am Goetheplatz zum Spielzeitanfang 2021/22 die Rede. Aber bereits in der Vorlage für den Gemeinderat im Dezember 2018 hatte die Stadtverwaltung den Termin vorsichtig relativiert. „Eventuell zusätzlich benötigte Prüffristen, Vergabeproblematiken oder Verzögerungen im Baugeschehen können zu Änderungen im geplanten Soll-Ablauf führen“, heißt es dazu schon 2018.

Das bestätigt sich jetzt. „Man kann gegenwärtig auf 2021 wohl nicht mehr zählen“, drückt es Grötsch vorsichtig aus. „Wir haben uns ein ehrgeiziges Ziel gesetzt – aber wie das manchmal mit Zielen so ist: Man muss schauen, ob und wie sie realisierbar sind“, erklärt er.

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Was er aber bekräftigt: „2022 geht es los!“ Das ist zugleich der späteste Zeitpunkt, denn die Betriebsgenehmigung für das Haus endet wegen der Brandschutzmängel am 31. Dezember 2022. Ganz ausreizen will die Stadt diesen Zeitpuffer nicht. Einen genauen Zeitpunkt kann Grötsch indes noch nicht nennen. Aber es sei „sicher sinnvoll, mit dem Beginn der Theaterferien“ – also zur Jahresmitte – loszulegen, sagt er.

Ersatzspielstätten fehlen

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Abhängig ist das von Ersatzspielstätten. Dass man den Kino-Umbau noch bis 2022 hinbekommt, davon gehen die Planer derzeit aus. Von einzelnen Gastspielen im Rokokotheater Schwetzingen sowie konzertanten Aufführungen im Rosengarten abgesehen ist aber weiter offen, wo sich für die Oper der Vorhang hebt, solange Bauarbeiter am Goetheplatz die Hauptrolle spielen.

Das Nationaltheater würde gerne im Pfalzbau spielen, die Verhandlungen über Termine wie Mietkosten laufen. „Aber noch gibt es kein annehmbares Angebot“, kritisiert Grötsch. Dabei müsse Ludwigshafen sehen, dass Mannheimer Auftritte „eine Bereicherung der dortigen kulturellen Landschaft“ seien und andererseits durch die Brücken-Probleme „das Problem der Erreichbarkeit“ bestehe. Parallel dazu prüft sein Dezernat daher derzeit, wie er sagt, „mehrere Optionen in Mannheim“ – etwa geeignete andere Hallen oder temporäre Ersatzbauten.

Zudem steht eine wichtige Entscheidung aus. Möglich ist, dass die Stadt eine Firma als Generalunternehmer mit der Sanierung beauftragt oder einzelne Aufträge getrennt an kleinere Handwerker vergibt. Dazu sind Gutachten in Auftrag gegeben worden, die noch nicht vorliegen. „Wohl erst Ende 2020/Anfang 2021“ soll laut Grötsch der Gemeinderat darüber abstimmen – geplant war mal Anfang 2020.

Aber erst bei den Etatberatungen im Dezember hat der Gemeinderat Gelder und Stellen bewilligt, um eine Geschäftsstelle für die Generalsanierung aufzubauen. Derzeit sitzen da gerade mal vier Mitarbeiter – bis zu 23,5 sollen es sein; für die Bauherrenfunktion, Vergabe, Projektmanagement und Controlling.

Immer schwierigere Vorbereitung

Schließlich wird die Vorbereitung eines solchen Projekts immer schwieriger – weil das Baurecht sich verkompliziert, Regeln für europaweite Ausschreibungen zu beachten sind. Allein das Prozedere einer europaweiten Ausschreibung der Arbeiten dauert erfahrungsgemäß ein dreiviertel Jahr. „Gaga“ sei die Bürokratie, schimpft manch einer, der damit betraut ist, hinter vorgehaltener Hand. Allein der Antrag für die Baugenehmigung der Generalsanierung füllte 30 dicke Aktenordner.

Schließlich ist immer die Frage, ob man auf Ausschreibungen auch Angebote bekommt. Unverändert bleibt das Ziel, dass vier Jahre Bauzeit reichen. Dass der bewilligte Etat von 200 Millionen Euro (plus 40 Millionen Euro für Ersatzspielstätten) ausreicht, glaubt ohnehin kaum noch jemand.

Die bislang vom Architekturbüro Schmucker kalkulierten Preise haben den Stand von Frühjahr 2018. Für Baupreissteigerungen sind da jährlich vier Prozent eingerechnet – aber nur bis 2021.

Redaktion Chefreporter