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Eröffnung

Kohlenmeiler auf der Raubacher Höhe dampft wieder

Noch bis Sonntag, 25. September, laden Harmonie und FC Odin zur Köhlerwoche ein und servieren deftige Gerichte

Von 
Thomas Wilken
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Achim Sauer legt auf dem Kohlenmeiler Holz nach. © Thomas Wilken

Raubach/Ober-Schönmattenwag. Lange mussten die Fans des historischen Odenwälder Handwerks darauf warten, dass der Kohlenmeiler auf der Raubacher Höhe wieder vor sich hin kokeln kann. Jetzt ist es endlich so weit. Nach der trockenheitsbedingten Verschiebung von Ende Juli auf Mitte September darf nun gefeiert werden. Was vorher an Nass von oben fehlte, gibt es nun reichlich – auch pünktlich zur Eröffnung.

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FC Odin Unter- und Gesangverein Harmonie Ober-Schönmattenwag richten die urige Veranstaltung schon seit einigen Jahrzehnten aus. Ihre beiden Vorsitzenden Bernd Egner und Christof Klos freuen sich bei der Eröffnung über den schönen Andrang, der sich auch von ein paar dicken Tropfen nicht abschrecken lässt. Schließlich war es schon 2018 so, dass erst die Hitze zu groß war und dann am verschobenen Termin der Himmel seine Schleusen öffnete.

Kurzer Regenguss

„Endlich haben wir es gepackt“, meint Egner nach dem musikalischen Start durch die Jagdhornbläser Siedelsbrunn. Das Wetter „ist Odenwald-gemäß“, schmunzelt er. Und als ob der Himmel nur darauf gewartet hätte, setzt mit seinen letzten Worten ein heftiger, aber zum Glück kurzer Guss ein. Der untermalt die Worte von Bürgermeister Sascha Weber.

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Zum Glück ist das Freibier-Fass noch nicht angezapft, so dass der schmucke Gerstensaft nicht verwässert. Es ist schön, sagt Brauerei-Vertreter Thorsten Heckmann, dass die Tradition fortgesetzt wird. Er kündigt an, dass es neben den 30 Litern Gerstensaft „fer umme“ noch weitere 50 Liter für die durstigen Köhler-Kehlen gibt.

Auf den müssen die Gäste aber erst einmal warten. Weber holt zu kräftig aus, der Zapfhahn macht eine Rolle rückwärts und fliegt aus dem Fass. Der zweite Versuch klappt besser. Aber erst sind noch einmal die Jagdhornbläser dran und später die Sängerinnen und Sänger der Harmonie, bevor es dann ans beste Bier von allen geht: das kostenlose.

Chef-Köhler Achim Sauer erklärt, dass bis zum Start 30 Raummeter Holz Buchen- und Eichenholz aufgeschichtet wurden. Morgens setzte er zusammen mit Helmut Knapp, der schon ewig zum Helferteam gehört, schon einmal den schwarzen Klops in Betrieb. Zwischen acht und zehn Tagen wird der Meiler nun vor sich hin arbeiten, bis am kommenden Sonntag hoffentlich ein guter Schwung qualitätsvoller Holzkohle verkauft werden kann. „Wir hoffen auf trockenes Wetter“, betont Sauer.

Weber freut sich auf die gemeinde-, kreis- und länderübergreifende Veranstaltung. Zum einen liegt der Veranstaltung direkt auf der Grenze zwischen Wald-Michelbach und Oberzent und somit zwischen dem Kreis Bergstraße und dem Odenwaldkreis. Das zeigt sich die Präsenz von Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer und des dortigen Landtagsabgeordneten Rüdiger Holschuh, der kommendes Jahr auch für Wald-Michelbach zuständig ist.

Gäste kommen von weit her

Zum anderen kommen die Gäste längst nicht mehr nur aus Hessen, sondern auch aus dem angrenzenden Baden-Württemberg, um die Geselligkeit der beiden Vereine genießen. Die bieten bis Sonntag neben der regulären Küche mit allerlei Getränken auch immer ein wechselndes Tagesessen an. Unter der Woche geht’s am Nachmittag los, am Wochenende ab 11 Uhr.

In den ersten drei Tagen wird der Kamin alle zwei bis drei Stunden – rund um die Uhr – von oben mit Kleinholz befüllt, damit er nach unten durchbrennt, erklärt Achim Sauer. Erst dann frisst sich die Kokelei von innen nach außen durch. Auch wenn es nochmal stärker regnen sollte, ist das nach 24 Stunden ziemlich egal. Denn dann hat der Meiler seine Betriebstemperatur von 600 bis 700 Grad erreicht. Da ist es egal, was an Feuchtigkeit von oben kommt.

Nach dem dritten Tag wird von außen die Luftzufuhr geregelt, indem immer mal wieder Zuglöcher hineingestochen werden. Bis Sonntagabend sind die langjährigen Köhler 24 Stunden vor Ort, um ihr „Kind“ zu überwachen. Zu denen gehört seit vielen Jahren Jürgen Walter, der gestern dazu stieß und nun zusammen mit Sauer nonstop vor Ort sein wird – inklusive Übernachtung im kleinen Zelt.

Seit 35 Jahren pflegen die beiden Vereine schon das alte Handwerk, das früher in den Odenwalddörfern weit verbreitet war. In Schönmattenwag war es etwa Adam Knopf, der es noch von der Pike auf gelernt hatte und an den eine Gedenkplatte auf dem Festplatz erinnert. Rund um den Meiler lässt sich daneben Verschiedenes über die Köhlerei in Erfahrung bringen.

„Aus einem Kasten Bier wurde ein großes Fest“, erklärt Sauer. Denn ganz am Anfang hatte Knopf die beiden Vereine gefragt, ob sie ihm bei der Bewirtung helfen würden, nachdem immer mehr Gäste bei seinem heißen Hobby vorbeischauten. In den vergangenen Jahren kam man dann immer mehr an die Kapazitätsgrenzen mit mehreren hundert Besuchern am Tag, so Klos.

Freier Autor Freier Journalist für Tageszeitung im südlichen Kreis Bergstraße und Odenwaldkreis

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