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Empfang - Der Eintracht-Profi und Wahl-Bensheimer verewigt sich in der städtischen Autogramm-Sammlung

Kapitän Rode und das Goldene Buch

Von 
Dirk Rosenberger
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Empfang im Rathaus: Eintracht-Profi Sebastian Rode trug sich am Montagabend im Beisein von Bürgermeisterin Christine Klein ins Goldene Buch ein. © Gutschalk

Bensheim. Der Sitzungssaal des Bensheimer Magistrats ist nicht der Kaisersaal im Frankfurter Römer – und Bürgermeisterin Christine Klein würde jeden Vergleich mit ihrem in Verruf geratenen Amts- und Parteikollegen Peter Feldmann vermutlich von sich weisen.

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So gesehen hätte Eintracht-Kapitän Sebastian Rode gefahrlos den Europa-League-Pokal mit an die Bergstraße bringen können. Zumal sich die Zeit für die Feldmann-Witze mutmaßlich ähnlich wie dessen Oberbürgermeister-Laufbahn dem Ablaufdatum nähern.

Wo sich der Pott allerdings gerade aufhält, weiß der Profi-Fußballer auf Nachfrage nicht so ganz genau – vermutlich in der Clubzentrale in sicherer Verwahrung. Im Hause Rode jedenfalls steht er aktuell nicht im Regal. Dafür weiß der Wahl-Bensheimer zu berichten, dass die Mannschaft den Cup nicht mit zur feucht-fröhlichen Siegesfeier nach Ibiza nehmen durfte. Angeblich ein Verbot der UEFA, das Teil darf Deutschland nicht verlassen. „Aber vielleicht haben die uns auch angelogen“, fügt er mit einem Lächeln hinzu.

Glückwünsche und ein Bekenntnis

Bevor der 31-Jährige im Rathaus die eine oder andere Anekdote erzählen darf oder über den Fußball fachsimpeln muss, steht der eigentliche Anlass der Zusammenkunft an. Die Bürgermeisterin hatte zu einem kleinen Empfang eingeladen, schließlich kommt es nicht allzu oft vor, dass der Spielführer eines Europa-League-Siegers in Bensheim lebt. Im Mittelpunkt steht natürlich der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Bensheim.

Von Bürgermeisterin Klein gibt es Glückwünsche, warme Worte und ein Bekenntnis: „Ich bin keine Fußballerin, ich weiß gar nichts.“ Immerhin habe sie aber das Spiel geschaut, es sei „total spannend“ gewesen. Und sie wisse, dass viele aus der Region mit und selbst ohne Eintrittskarte nach Sevilla gereist waren, um die Eintracht im denkwürdigen Finale zu unterstützen.

Rode würdigt sie als den „Denker und Lenker im Mittelfeld, der mit leuchtendem Beispiel und großem Kämpferherz im Endspiel vorangegangen ist“. Klein geht zudem auf das soziale Engagement des Fußballers abseits des Platzes ein, das klar dessen Blick für benachteiligte Menschen zeige.

Seit dem Jahr 2012 ist er Botschafter des hessischen Landespräventionsrates, bringt sich in der Tour der Hoffnung ein, ist Botschafter des Vereins Sterntaler und unterstützt den Hospiz-Verein. „Das ist keine Selbstverständlichkeit“, so die Rathauschefin.

Der gebürtige Seeheim-Jugenheimer, der ursprünglich aus Hähnlein stammt, in Bensheim auf dem Goethe-Gymnasium aber sein Abitur gemacht hat, „hat ein großes Herz für Bensheim und die Region“.

Sebastian Rode bezeichnet es wiederum als „große Ehre“, sich ins Goldene Buch eintragen zu dürfen. Auch wenn er selbst erst kurze Zeit tatsächlich in der Stadt wohnt, habe er viele Freunde in Bensheim, seine Frau Johanna, die Tochter von Ex-Eintracht-Finanzchef Thomas Pröckl, stammt von hier. Die Hochzeit feierte das Paar im Fürstenlager, das älteste der beiden Kinder besucht eine Bensheimer Kita. Kurzum: Eine ausreichende Beweislast, um den Mittelfeldmotor der Eintracht als Bensheimer zu vereinnahmen.

Im Plausch nach der Unterschrift blickt Rode, der in seiner Karriere auch für Bayern München und Borussia Dortmund am Ball war, schon auf die neue Saison. Auf das Duell um den Supercup gegen Real Madrid, den frisch gekürten Champions-League-Gewinner, freue er sich, „das wird ein grandioses Spiel“. In den nächsten drei Wochen haben die Kicker noch Pause, bevor die Vorbereitung auf die neue Spielzeit ansteht. „Dann ist diese Saison Geschichte. Wenn wir am ersten Spieltag verlieren, gibt es gleich was auf den Deckel.“

Viele Frankfurt-Fans im Rathaus

Im Rathaus muss allerdings kein Leistungsdruck aufgebaut werden, vielmehr outen sich führende Mitarbeiter als Frankfurt-Fans – darunter Erste Stadträtin Nicole Rauber-Jung, stilecht mit Schal dekoriert. Ihr mitgebrachtes Trikot wird im Verlauf des Empfangs mit einem Autogramm aufgewertet, einschließlich Handyfoto mit dem Promi.

Ansonsten geht es entspannt zu an den Stehtischen in der ehemaligen Kapelle. Die mittlerweile fachmännisch geklammerte Kopfwunde bleibt bei den Gesprächen nicht lange außen vor. Die Story ist hinlänglich bekannt. Der Frankfurter machte in der fünften Minute des Finales unliebsame Bekanntschaft mit den Stollen seines Glasgower Gegenspielers John Lundstram.

Die Folge: Viel Blut, ein Turban wie ehemals Dieter Hoeneß 1982 im DFB-Pokalfinale und zunächst die Frage, ob eine Auswechslung nicht die bessere Option sei. „Man überlegt schon, ob man noch richtig zum Ball gehen, der Mannschaft helfen kann“, erklärt Rode. Aber es sei ein Endspiel gewesen, „da musste ich durch“. Gegen die Schmerzen gab es in der Halbzeit eine lokal betäubende Spritze, der Rest ist Fußballgeschichte.

Redaktion

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