Geschäftsleben - Klaus Schlosser hat einen mehr als 700 Jahre alten Klostergarten zu neuem Leben erweckt / Lavendel, Kräuter, alte Obst- und Gemüsesorten gedeihen hier prächtig / Hofladen und Kursangebote Ein Paradies für die Sinne in Klostermauern

Von 
Katja Bauroth
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Edenkoben. Zurück zur Natur. Ihre Kraft und Schönheit bewusst genießen. Das ist mehr als nur ein Trend. Es steckt in uns Menschen. Unsere Vorfahren haben im Einklang mit der Natur gelebt – und das recht gut. Klaus Schlosser ist seit Kindheitstagen von der Natur fasziniert. Er hat sich dieser Faszination auf besondere Weise verschrieben und das an einem historischen Ort, der ideal dafür ist. Auf einem Klostermühlen-Areal umgeben von jahrhundertealten Mauern mitten in den Südpfälzer Weinbergen lebt der Endsechziger seinen Traum und teilt diesen gern mit Interessierten. Dort, wo sich vor mehr als 700 Jahren schon ein Kräutergarten befand, betreibt er auf einem 6000 Quadratmeter großem Gelände eine Bio-Gärtnerei mit Gewächshaus und Freilandfläche.

Klaus Schlosser hat einen Teller frische Kräuter aus seinem Garten geholt. Diese werden in der Küche direkt verarbeitet – auch in Kochkursen. © Bauroth
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Bienen summen, ein blumiger Duft kriecht in die Nase, zwischendrin beißt eine leichte Knoblauchnote die Sinne. Und genau diese möchte Klaus Schlosser in seinem grünen Paradies verwöhnen – allen voran mit Lavendel: „Eine ganz wichtige Pflanze wurde der Lavendel“, beschreibt er das Fest für die Sinne auf seinem Gelände, das nicht nur eine Augenweide ist, sondern vor allem das Riechorgan anspricht. Wenn der Lavendel im Juli/August blüht und das Klostermühlen-Areal zu weiten Teilen in einen lilafarbenen Teppich verwandelt, wird deutlich, was Klaus Schlosser antreibt: „Der Duftsinn ist älter als der Sehsinn, er beeinflusst unser Verhalten, unser Gemüt“, weckt er mit seiner grünen Leidenschaft geradezu Lebensgeister.

Hintergrund und Kontakt

  • Seit 17. April bis 31. Oktober 2020 geöffnet – Mittwoch, Donnerstag und Freitag, 11 bis 18 Uhr, Samstag, 11 bis 16.30 Uhr.
  • Auf alten Sandsteinmauern wurden Räume für Tagungen und Seminare, Kochkurse und Veranstaltungen rund um die Themen gesunde und genussvolle Ernährung, Selbstversorgung aus dem eigenen Garten, Düfte aus Blüten und Blättern und das Wissen über die Heilkräfte der Natur geschaffen. Auch können die Räume für Feste und Feierlichkeiten gemietet werden. Klaus Schlosser bietet zudem eigene Veranstaltungen an – diese werden auf der Internetseite angekündigt.
  • Im Hofladen werden eigene Produkte und winterharte Heil- und Kräuterpflanzen angeboten. Produkte werden auch zugesandt – dafür einfach anrufen oder Bestellung per E-Mail aufgeben.
  • Führungen durch die Gärten sowie den Selbstversorgergarten mit einer Vielfalt bekannter und unbekannter Gemüsearten sind für Gruppen ab zehn Teilnehmern möglich – Anfragen telefonisch oder per E-Mail notwendig, derzeit vor allem auch wegen der Corona-Verordnungen. kaba

45 verschiedene Lavendelsorten wachsen in seinem Garten, darunter befinden sich welche mit solch illustren Namen wie „Miss Dawnderry“, „Ashdown Forrest“ oder auch „Dwarf Blue“. „Lavendel ist ein Alleskönner“, beschreibt der Kenner weitere Vorteile. Während dem natürlichen Lavendel als Tee, Duftkissen oder ätherisches Öl eine beruhigende Wirkung nachgesagt wird, gilt der Hybrid-Lavendel eher als aufpushend.

Zum Areal gehört ein kleiner Hofladen. Dort werden Produkte verkauft, die vor Ort hergestellt werden, eben ätherische Öle und Duftwasser aus Lavendel destilliert oder auch Gelee und Sirup aus Lavendelblüten- Letzterer macht sich als raffinierte Zugabe in einem Glas Sekt prima.

Mexikanischer Salbei ein Hit

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Und es gibt eine große Vielfalt an Heilkräutern, Duft- und Gewürzpflanzen sowie alten und neuen Obst- und Gemüsesorten zu entdecken und zum Teil auch im Hofladen zu kaufen. „Klöster haben einst die Kräuter aus dem Mittelmeerraum hierher gebracht. Den Herrschern war wichtig, dass die Menschen gesund waren“, baut Klaus Schlosser die Brücke zur Geschichte, die er auch bei Führungen kleiner Gruppen, in Seminaren und in Kochkursen vermittelt. In einer Zeit, in der Lebensmittel um den halben Planeten geflogen werden, zeigt der naturverbundene Pfälzer, was man durchaus vor der Haustür im Garten oder auf den eigenen Balkon wachsen lassen und auf die Teller bringen kann. Ein Hit beispielsweise ist der mexikanische Duftsalbei. Dieses Gewürzkraut ist nicht nur winterhart, sondern blüht zwischen Mai und November auch richtig schön pink, rot oder violett. Die Blüten dienen als essbare Deko für Speisen, zum Beispiel auf Kräuterquark. 40 Gewürz- und 70 Heilkräuter sowie 25 Gemüsesorten sind im Kräutergarten Klostermühle zu entdecken. Allein vier Sorten Basilikum kitzeln die Gaumen, diese heißen „Zanzibar“, „African Blue“, kubanisches und Zitronen-Basilikum. Übrigens: Alle Kräuter, bei denen das Blatt im Vordergrund der Verwendung steht, sollten nicht zum Blühen kommen, wenn man sie verwendet, so der Expertentipp. Arabischer Oregano, Herzblattsalat und die Pimpernelle gehören ebenso zum Gartensortiment wie die ausdauernde Kresse. Durch ihre Senföle hat sie eine scharfe Note, die an Wasabi erinnert. Auf Weichkäse schmecke sie besonders fein, gibt Klaus Schlosser mit und stellt noch die Zitronenverbene vor: Im Sommer können deren längliche Blätter in einen Wasserkrug gegeben werden – das schmeckt herrlich erfrischend. Dazu stärkt Zitronenverbene die Nerven und beruhigt den Magen. Was will der Mensch mehr?

Ressortleitung Katja Bauroth ist Redaktionsleiterin der Schwetzinger Zeitung/Hockenheimer Tageszeitung.