Weinheim - Wer auf dem Platz „Institutstraße“ in der Innenstadt kein Ticket zieht, wird kräftig zur Kasse gebeten 37 Euro für eine Stunde parken

Von 
Sarah Hinney
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Auf dem Institutparkplatz ist das Parken mit einem Automaten geregelt. Wer kein Ticket zieht, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. © kopettzky

37 Euro „Strafe“ für einen vergessenen Parkschein. Das tut richtig weh. Einem Leser dieser Zeitung ist genau das jetzt auf dem Parkplatz Institutstraße in Weinheim passiert. Der 74-jährige Weinheimer parkte nach eigener Aussage am Mittwochabend rund eine Stunde auf dem Parkplatz in der Innenstadt. „Ich hatte tatsächlich vergessen, einen Parkschein zu ziehen. Unter dem Scheibenwischer fand ich eine Zahlungsaufforderung von 37 Euro“, schreibt der Weinheimer in einer E-Mail an die Redaktion.

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Die Kosten setzen sich zusammen aus 30 Euro „Vertragsstrafe“ und sieben Euro für den dreifachen Stundensatz. Verantwortlich dafür ist die Parkhaus-Firma Contipark aus Berlin. Und diese Firma ist nicht nur zuständig für den Parkplatz Institutstraße, sondern auch für sieben weitere Parkplätze- und -häuser in der Weinheimer Innenstadt.

Alle anderen Parkplätze sind allerdings durch eine Schranke geregelt. Wer dort rein- oder auffährt, kann also quasi gar nicht vergessen, ein Ticket zu ziehen, und kommt eben auch nur mit Ticket wieder weg.

Auf dem Institutsparkplatz ist das normalerweise auch so, wegen der Baumaßnahme an der Karlsberg-Passage wurde die Schranke allerdings vor gut einem Jahr abgebaut. Seitdem gibt es dort einen Parkschein-Automaten.

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„Die Stadt hat die Parkhaus-Firma Contipark mit der Kontrolle beauftragt, weil eine solche Parkschein-Regelung ohne engmaschige Kontrolle dort nicht funktioniert. Schließlich soll der zentrale Platz den Kunden der City zur Verfügung stehen“, erklärt die Stadt Weinheim dazu und verweist gleichzeitig auf die günstigen Parkkosten: Die erste Stunde ist grundsätzlich frei, die nächsten beiden halben Stunden kosten je 50 Cent, jede weitere Stunde einen Euro.

„Um das alles gerecht zugehen zu lassen, spuckt der Automat für die erste Stunde Freitickets aus, die trotzdem kenntlich im Auto zu hinterlegen sind“, erklärt Pressesprecher Roland Kern weiter. Diese Regeln seien auf vier Schildern auf dem Parkplatz zu lesen. Wer länger parke, als er gebucht habe, bekomme ein moderates Bußgeld in Höhe der Parkgebühr mal drei. Das seien maximal sieben Euro für 24 Stunden. Soweit, so fair.

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„Wenn aber ein Auto ohne sichtbar hinterlegten Parkschein parkt, muss Contipark davon ausgehen, dass kein Parkschein gezogen und keine Gebühr bezahlt wurde, der Wagen aber möglicherweise länger als 24 Stunden dort den Parkplatz blockiert. Für diesen Fall ist tatsächlich eine Gebühr von 37 Euro vorgesehen. Das ist im Einzelfall viel Geld, aber ganz klar vom Falschparker selbst verschuldet“, so Kern weiter.

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Und es ist richtig, dass mehrere große Schilder auf die Regelungen am Parkplatz hinweisen. „Schwarzparken kostet mindestens 30 Euro“, steht da beispielsweise.

„Wucher und Abzocke“

Der 74-jährige Weinheimer empfindet das dennoch als „Wucher und Abzocke, für die letzten Endes die Stadt Weinheim verantwortlich ist“. Mit der Kritik an den hohen „Vertragsstrafen“ der Firma Contipark ist der Weinheimer übrigens nicht allein. Die Firma Contipark betreibt nach eigener Angabe in Deutschland und Österreich rund 500 Parkflächen. Auch in Weinheim tut sie das „schon ewig, und Beschwerden gab es noch nie“, sagt Kern auf Nachfrage. In anderen Städten sieht das anders aus. Zahlreiche Medien berichten über horrende Gebühren bei Falschparkern auf Contipark-Parkplätzen. Beispiele gibt es aus Essen, Heilbronn, Berlin, Köln, Düsseldorf oder Frankfurt. Stiftung Warentest berichtete bereits 2010 über die Firma und appellierte an sie „ihre kundenunfreundlichen Geschäftsbedingungen zu überdenken“.

Weinheims Pressesprecher Roland Kern hat im Zusammenhang mit dem Institutparkplatz vor allem noch einen ganz anderen wichtigen Appell an alle Autofahrer. Nämlich nicht auf dem Zebrastreifen am Parkplatz zu parken. Das „koste“ auch 37 Euro, komme aber immer wieder vor. Der Weinheimer Leser, der sich an unsere Redaktion gewandt hatte, hat sein „Knöllchen“ übrigens zähneknirschend bezahlt und empfiehlt Autofahrern, bloß den Parkschein nicht zu vergessen, damit es ihnen nicht genauso ergeht. Wenn die Baustelle an der Karlsberg-Passage fertig ist, erübrigt sich das Problem möglicherweise aber sowieso.

Dann kommt vermutlich wieder eine Schranke vor den Parkplatz. „Wir wissen es noch nicht ganz genau, aber die Situation im Moment ist ein Provisorium“, so Kern abschließend.