Weinheim - Diskussion im Gemeinderat um Varianten für neues Hotel an der Mannheimer Straße bleibt aus

Entscheidung über Pläne erst im neuen Jahr

Von 
Verena Müller
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Dort soll das neue Hotel gebaut werden. Unser Luftbild zeigt links die Mannheimer Straße, rot markiert das Grundstück, auf dem Das Gebäude errichtet werden soll. Weiter nördlich ist die Adam-Karrillon-Straße und weiter rechtes Tor 1 von Freudenberg zu sehen. Der Gemeinderat hat die Entscheidung vertagt. © pfrang

Die Entscheidung über das weitere Planungskonzept für ein neues Hotel an der Mannheimer Straße im Weinheimer Gemeinderat ist vertagt. Mit 15 zu 9 Stimmen folgte am Mittwoch eine Mehrheit des Gremiums einem entsprechenden Antrag der SPD. Auslöser dafür war zumindest vordergründig eine Stellungnahme des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA, das einem Teil der Gemeinderäte kurz vor der Sitzung zugegangen war und das unter anderem von Hotelier Charly Ofenloch („Tafelspitz“) mitformuliert worden sein soll. Die Weinheimer Hoteliers wehren sich seit Jahren gegen den Bau eines neuen Hotels.

Grundsatzbeschluss 2018

Ganz unbekannt dürfte den Gemeinderäten das neue Schreiben allerdings nicht vorgekommen sein. In weiten Teilen ist das Papier identisch mit einer Stellungnahme vom April 2018, in dem die DEHOGA die Ergebnisse der Hotelbedarfsanalyse anzweifelt, die die Stadt bei der IFT Freizeit- und Tourismusberatung GmbH in Auftrag gegeben hatte. Unter anderem bezweifelt die DEHOGA, dass es für Tagungsgäste weiteres Potenzial gebe, das Weinheim aktuell nicht ausschöpfe.

Oberbürgermeister Manuel Just betonte: „Die Verwaltung hat den Ball aufgenommen und das getan, was nötig war.“ Denn bereits Mitte April 2018 hatte der alte Gemeinderat den Weg für ein neues Hotel mit einem Grundsatzbeschluss frei gemacht und die Verwaltung damit beauftragt, mit einem Investor in Verhandlungen zu treten. Nun hatte die Verwaltung zwei Planungskonzepte für ein Drei-Sterne-Plus/Vier-Sterne-Hotel vorgelegt. Variante A sieht 125 Zimmer in einem Bau mit fünf Vollgeschossen vor, Variante B lediglich 100 Zimmer, drei Vollgeschosse und ein Staffelgeschoss. Die Verwaltung favorisierte die kleine Variante B.

Über diese Fakten hätte Just gerne diskutiert, doch auch mit einem Kompromissvorschlag konnte er die Kuh nicht vom Eis holen. Er plädierte für eine Aussprache über die beiden Planungsvarianten, dann könne man das Thema ja immer noch zurückstellen. Er selbst ist der Meinung, Weinheim brauche ein neues Hotel und die Mannheimer Straße sei dafür der richtige Standort. Den Antrag kommentierte er so: „Es gibt ja keine neuen Erkenntnisse. Mit Verlaub, die Zahlen und Fakten liegen auf dem Tisch“, so Just. Ähnlich argumentierte der Fraktionschef der Linken, Dr. Carsten Labudda, die Argumente auf beiden Seiten seien doch inzwischen ausgetauscht.

Vorwurf der „Geheimniskrämerei“

Doch die SPD blieb hart. Unterstützung gab es von der GAL (Grüne /Alternative Liste), die ebenfalls für eine Vertagung stimmte. CDU-Fraktionschef Holger Haring kannte zwar das neue DEHOGA-Schreiben noch nicht, hatte aber in anderer Hinsicht Bedenken. „Das ist ein städtebaulich wichtiges Projekt“, sagte er. Deshalb störe er sich vor allem daran, dass keine vernünftigen Pläne oder Modelle der beiden Planungsvarianten vorlägen. „Wie soll die Fassade aussehen? Wie ist das Verhältnis zur Nachbarschaft? Und warum gibt es keine Angaben über den Investor?“, wollte er wissen und warf der Stadtverwaltung „Geheimniskrämerei“ vor.

Das wollten OB Just und Erster Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner nicht auf sich sitzen lassen. „Wir befinden uns in einer Phase, in der Investoren dabei sind, die vielleicht nicht zum Zug kommen. Da können wir zum jetzigen Zeitpunkt keine fertigen Modelle verlangen“, betonte Fetzner. Allerdings ergänzte Just, dass es Fraktionsgespräche gegeben habe – „und da wurden auch Namen angesprochen. Außerdem hätte dafür ein Anruf bei uns genügt“, so Just.

Wenig Begeisterung zeigte der OB allerdings angesichts Harings lapidarem Satz, man habe ja keinen Zeitdruck und könne ja auch in vier Wochen noch mal diskutieren. Im Dezember könne er das Thema nicht mehr auf die Tagesordnung nehmen, konterte Just. „Ich kann wirklich nicht zaubern“, betonte er angesichts der langen Tagesordnung. Einem Teil der Gemeinderäte, den Berufstätigen, gefalle der frühe Sitzungsbeginn um 16 Uhr nicht. „Andere sagen, sie könnten sich nach 22 Uhr nicht mehr konzentrieren“, so Just. Für die Sitzung am 4. Dezember seien jetzt schon sechs Stunden anberaumt und auch der Zusatztermin am 11. Dezember werde voraussichtlich etwa vier Stunden dauern. Just: „Ich weiß nicht, wo ich all die Themen unterbringen soll.“