Zwei "Querdenken"-Demos als Pandemietreiber: Bis zu 21.000 Infektionen

Von 
Michael Ströbel
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Szenen wie hier in Stuttgart waren im November bei vielen "Querdenken"-Demos zu sehen. Exemplarisch untersuchten die Wissenschaftler zwei Kundgebungen in Berlin und Leipzig. © dpa

Mannheim/Berlin. Die sogenannten „Querdenken“-Demonstrationen im November des vergangenen Jahres waren Infektionstreiber – das zeigt eine aktuelle Studie des Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. In Zusammenarbeit mit der Berliner Humboldt-Universität wurden die Auswirkungen zweier großer „Querdenken“-Kundgebungen auf die Sieben-Tage-Inzidenz untersucht. Die Ergebnisse wurden am heutigen Dienstag, 9. Februar, in einer Presseerklärung vorgestellt.

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Untersucht wurde laut ZEW das Infektionsgeschehen in den Landkreisen, aus denen zehntausende Demonstranten zu den Kundgebungen am 7. November 2020 in Leipzig und am 18. November 2020 in Berlin anreisten. Um diese Orte zu bestimmen, nutzten die Autoren der Studie Informationen über das Angebot von Reisen eines Netzwerks von Busunternehmen, das sich seit Sommer 2020 auf die Beförderung von Demonstranten zu den „Querdenken“-Kundgebungen spezialisiert habe.

Im Ergebnis sei die Sieben-Tage-Inzidenz nach den Demonstrationen deutlich stärker in Landkreisen angestiegen, die Städte mit einer solchen Busverbindung beinhalten, als in Landkreisen ohne. Mit gravierenden Folgen: So sei der Inzidenzwert in den betroffenen Landkreisen um den Wert von 40 angestiegen.

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Die Wissenschaftler schätzen, dass bis Weihnachten zwischen 16.000 und 21.000 Covid-19-Infektionen hätten verhindert werden können, wenn diese beiden großen „Querdenker“-Kundgebungen abgesagt worden wären. Die Analyse von ZEW und Humboldt-Universität quantifiziere laut Mitteilung somit erstmals den Zielkonflikt zwischen der Einschränkung von Freiheitsrechten und gesundheitspolitischen Maßnahmen zum Infektionsschutz. Das individuelle Verhalten – wenn Personen beispielsweise entgegen der geltenden Regeln keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen oder Abstandsregeln missachten – kann laut der ZEW-Analyse große Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben. „Eine mobile Minderheit, die sich nicht an geltende Hygieneregeln hält, kann so ein erhebliches Risiko für andere Personen darstellen“, betont ZEW-Wissenschaftler und Koautor der Studie Dr. Martin Lange.

Die Studie ist online auf der Seite des ZEW zu finden.

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