Pandemie Virusmutationen in Kita - Kretschmann vertagt geplante Lockerung

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dpa/lsw
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Symbolbild. © Arno Burgi
Nach einem Corona-Ausbruch in einer Freiburger Kita verzichtet die Landesregierung in Baden-Württemberg zunächst auf eine landesweite Öffnung von Kindertagesstätten und Grundschulen. Zwei Kinder aus der Notbetreuung seien mit einer Virusmutation infiziert, zudem hätten sich mehr als 20 Kinder und Mitarbeiter in der Einrichtung mit dem Coronavirus angesteckt, teilte Regierungschef Winfried Kretschmann am Mittwoch in Stuttgart mit. Nun müsse noch geklärt werden, ob es sich ebenfalls um die neuen Virusvarianten handele. "Sollte sich der Mutant schon jetzt bei uns breit machen, müssten wir uns dieser neuen Lage stellen", sagte Kretschmann. Dann müsse auch die Frage einer Öffnung von Grundschulen und Kitas neu bewertet werden.

Südwest. Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) erklärte am Abend, es sei der erste Fall von mutierten Viren in einer Kita im Südwesten. Insgesamt seien am Mittwoch landesweit 13 weitere Fälle mit den neuen Virusvarianten bekannt geworden, sagte ein Ministeriumssprecher und korrigierte die Zahl damit nach oben. In Freiburg und im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald gebe es 8 Fälle, im Landkreis Ravensburg 3 und im Ortenaukreis 2 Fälle.

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Das Landratsamt in Freiburg erklärt, der erste Corona-Ausbruch in der Kita sei am 17. Januar gewesen. Alle 24 seither Betroffenen seien in Quarantäne und die Nachverfolgung der Kontakte sei erfolgt. Die Diakonie Baden ergänzte, bei 14 Erzieherinnen und 10 Kindern aus der Kita Immergrün in Freiburg bestehe Verdacht auf eine Infektion mit einer mutierten Variante des Coronavirus. Vier der sechs Gruppen seien daher in Quarantäne, sagte ein Sprecher der dpa. Vor etwa zwei Wochen habe es den ersten Verdachtsfall gegeben. Erst am Mittwochmittag habe dann das Gesundheitsamt darüber informiert, dass Hinweise auf eine Corona-Mutante festgestellt worden seien.

Ursprünglich wollten Kretschmann und Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) an diesem Mittwoch um 14.30 Uhr die Entscheidung verkünden, dass Kitas und Grundschulen am kommenden Montag schrittweise wieder geöffnet werden sollen. Angesichts der sinkenden Infektionszahlen im Land galt die Entscheidung als Formsache. Die Öffnung liegt nun erstmal auf Eis. Fraglich ist, ob das Thema vor dem bisher geplanten Ende des bundesweiten Lockdowns am 14. Februar überhaupt nochmal beraten wird. Kretschmann sagte: "Ich habe immer deutlich gemacht, dass wir die Entscheidung über die Öffnung abhängig vom Pandemiegeschehen treffen und wir vor einer ganz neuen Situation stehen würden, sollte sich einer der mutierten Viren manifestieren." Nun müsse man erst Klarheit haben, bevor man neu entscheiden könne. Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz sagte der dpa: "Ich rate dazu, von einer Öffnung in der nächsten Woche abzusehen."


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Eine Sprecherin von Eisenmann erklärte: "Das Sozialministerium und das Landesgesundheitsamt müssen nun zunächst den genauen Sachverhalt aufklären." Erst danach könne man das weitere Vorgehen beraten. Für die Kultusministerin, die massiv auf eine Öffnung gedrungen hatte, ist die erneute Verschiebung ein Rückschlag. Sie wollte Kitas und Grundschulen im Sinne der Kinder eigentlich schon nach den Weihnachtsferien öffnen - "unabhängig von den Inzidenzen". In Baden-Württemberg gehen etwa 450 000 Kinder in Kitas und rund 382 000 besuchen eine Grundschule. Eine Öffnung war schon mal für den 18. Januar angedacht, doch diese hatte Kretschmann wegen zu hoher Infektionszahlen verhindert.
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Die Ergebnisse zu den Ansteckungen mit den neuen Virusvarianten seien kurz vor 14.00 Uhr gekommen, erklärte Regierungssprecher Hoogvliet. Für kurz nach 14.00 Uhr waren Kretschmann und Eisenmann zum Gespräch über die endgültige Entscheidung verabredet. Schon am Dienstag hatte Kretschmann betont, wenn sich die neuen, wohl aggressiveren Virusvarianten aus Großbritannien oder Südafrika im Südwesten verbreiteten, gebe es eine neue Lage. "Das kann zu drastischen Maßnahmen führen." Dann müssten auch Lockerungen wieder zurückgenommen werden.

Die zunächst in Großbritannien (B.1.1.7) und Südafrika (B.1.351) nachgewiesenen Varianten gelten als hochansteckend. Nach Angaben des baden-württembergischen Landesgesundheitsamts sind beide Virusvarianten seit Ende Dezember im Südwesten in mehreren Kreisen vereinzelt nachgewiesen worden. Die Bundesregierung warnt, Menschen in Deutschland müssten sich auf eine verstärkte Ausbreitung besonders ansteckender Varianten des Coronavirus einstellen.

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Die Bildungsgewerkschaft GEW wandte sich dagegen, jede Woche neu über die Öffnung von Kitas und Schulen zu diskutieren. "Angesichts der schwer einzuschätzenden Gefahr durch Virusmutationen sollten die Kitas und Schulen frühestens wieder nach der Fasnetspause am 22. Februar öffnen. Bis dahin können dann gute Konzepte für Wechselunterricht und einen besseren Schutz in Kitas und Schulen vorbereitet werden", sagte GEW-Landeschefin Monika Stein.

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Minister Lucha sagte am Abend, er biete der Kultusministerin an, für die Notbetreuung in Kitas und Grundschulen kurzfristig Schnelltests aus der Notreserve des Landes zur Verfügung zu stellen. So könne das Personal mehrmals die Woche getestet werden. "Die Kultusministerin ist angesichts der besorgniserregenden Mutationen jetzt wirklich aufgerufen, die Gruppen in der Notbetreuung klein zu halten und kurzfristig die notwendigen Voraussetzungen in den Kindertagesstätten und Schulen zu schaffen, um die Tests durchführen zu können."

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