Corona-Krise Knapp 17 000 Betriebe in der Region melden Kurzarbeit an

Von 
Tatjana Junker
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Mannheim. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise haben in der Metropolregion Rhein-Neckar bisher knapp 17 000 Firmen Kurzarbeit angemeldet. Das haben die Agenturen für Arbeit in Mannheim, Heidelberg, Schwäbisch-Hall/Tauberbischofsheim, Darmstadt und Ludwigshafen am Dienstag bekannt gegeben. Dort lagen demnach zuletzt insgesamt 16 829 entsprechende Anzeigen vor.

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Wie viele Beschäftigte in der Region davon letztlich betroffen sind, lässt sich nach Angaben der Agenturen derzeit allerdings noch nicht sagen. Das Spektrum der Firmen, die Kurzarbeit angezeigt haben, reicht von Kleinunternehmen mit wenigen Mitarbeitern – wie beispielsweise Frisörsalons oder Cafés – bis hin zu großen Konzernen mit Tausenden Beschäftigten.

Allein am Mannheimer Standort des Autobauers Daimler werden ab kommender Woche mehr als 8000 Mitarbeiter in Kurzarbeit sein. Das Unternehmen hat die Produktionspause im Lkw-Motorenwerk und bei Evobus bis zum 17. April verlängert. Von den insgesamt rund 8600 Beschäftigten am Standort werden nach Angaben von Betriebsratschef Joachim Horner in dieser Zeit nur rund 350 im Notbetrieb und an Zukunftsprojekten weiterarbeiten.

Strenge Regeln in Werkshallen

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Daimler hatte den Betrieb in seinen Werken schon vor rund eineinhalb Wochen wegen der Corona-Krise unterbrochen, auch, um Mitarbeiter vor Infektionen mit dem neuen Virus zu schützen. Gleichzeitig kämpft der Konzern mit Absatzrückgängen und Störungen in den Lieferketten. Um die Werkschließung zu überbrücken, leeren die Beschäftigten in Mannheim derzeit noch Arbeitszeitkonten und bauen Urlaub ab, bevor sie in Kurzarbeit gehen.

Auch beim Traktorenhersteller John Deere ist die Produktion in Mannheim wegen der Corona-Krise derzeit für insgesamt zwei Wochen unterbrochen. Einem Sprecher zufolge sind deshalb etwa 80 Prozent der insgesamt 1900 gewerblich Beschäftigten in Kurzarbeit. Hintergrund des Schritts seien fehlende Motoren, die der Mannheimer Standort normalerweise von einem John-Deere-Werk aus Frankreich bekommt. In der kommenden Woche soll die Produktion in Mannheim aber wieder anlaufen.

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Bundesweit sind nach Angaben von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil im März 470 000 Anzeigen für Kurzarbeit eingegangen. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 gingen im Schnitt pro Monat bundesweit 1300 solcher Anzeigen bei den Behörden ein. „Die Bewältigung der Corona-Krise wird ein historischer Kraftakt“, sagte Heil. Betroffen seien fast alle Branchen.

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Um das Ansteckungsrisiko in der Belegschaft so gering wie möglich zu halten, haben viele Unternehmen der Region unterdessen verschärfte Regeln in ihren Werkshallen eingeführt. So sind in vielen Fällen die Schichtpläne so organisiert, dass sich die Beschäftigten möglichst wenig persönlich begegnen. Beim Ventilatorenhersteller EbmPapst im fränkischen Mulfingen führen zudem Betriebsärzte auf dem Werksgelände einen Corona-Test durch, wenn bei einem Mitarbeiter Verdacht auf eine Infektion besteht.

Redaktion Wirtschaftsreporterin