Ist eine Maskenpflicht sinnvoll?

Von 
Werner Kolhoff und Hagen Strauß
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Jena plant eine Maskenpflicht für alle im öffentlichen Raum, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. In Österreich und Tschechien gilt diese Maßnahme bereits. Ist die Verordnung sinnvoll?

Ein regulärer Mundschutz (hinten) und ein selbstgenähtes Exemplar. © Schulz

Pro

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von Werner Kolhoff

Wenn es richtig ist, in die Armbeuge zu husten, dann kann es nicht falsch sein, in den Mundschutz zu atmen. Und durch ihn hindurch Luft aufzunehmen. Er wird das Eindringen von Viren zwar nicht verhindern, wenn man engen Kontakt mit Infizierten hat. Aber er kann die Wahrscheinlichkeit für die unabsichtliche Ansteckung verkleinern.

Und darum geht es doch: Um die Minimierung des Risikos. Die Gefahr lauert überall dort, wo man etwas näher an andere Menschen herankommt. Im Supermarkt, in Bus oder Bahn. Es sind Orte, die man kaum meiden kann. Und man weiß nicht, ob die anderen Corona haben. Ebenso wenig weiß man, ob man es selbst schon hat. Deswegen ist es richtig, das Tragen eines Mundschutzes im öffentlichen Raum vorzuschreiben.

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Nicht beim Spazieren gehen oder Radfahren. Aber überall dort, wo es enger wird. Die Nutzung muss so selbstverständlich werden wie das Anziehen von Handschuhen im Winter. Wir werden uns schon noch an den Anblick gewöhnen.

Am Ende wird es sogar eine Voraussetzung dafür sein, um die Einschränkungen an anderer Stelle wieder lockern zu können. Voraussetzung ist natürlich immer, dass die Oberregeln eingehalten werden: Zwei Meter Abstand und häufiges Händewaschen.

Kontra

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von Hagen Strauß

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Eigentlich hätte jemand Armin Laschet sagen müssen, dass man einen Mund-Nasen-Schutz so nicht trägt. Bei einem Treffen mit Medizinern am Montag ließ der NRW-Ministerpräsident die Nase frei. Das Beispiel zeigt, wie wichtig eine sachgemäße Handhabung ist, damit eine Maskenpflicht für alle im öffentlichen Raum überhaupt etwas nutzt. Man kann vieles falsch machen – liegt die Maske nicht eng an, reduziert sich der Schutz. Doch gerade dann, wenn man es korrekt macht, juckt es, man schwitzt und fährt sich mit der Hand ins Gesicht. So stoppt man die Verbreitung des Virus nicht.

Medizinisches Personal ist in all dem geschult. Die breite Bevölkerung nicht. Deswegen taugt auch Asien nicht als Vorbild. Dort ist das Tragen von Masken Normalität, die Handhabung gelernt. Masken können eine falsche Sicherheit vermitteln. Die Bastelanleitungen im Internet sind zum Teil skurril. Viele Bürger werden den Sicherheitsabstand von zwei Metern nicht mehr einhalten, der laut Experten das probateste Mittel gegen die Ausbreitung von Corona ist.

Eine Maskenpflicht könnte zudem den Mangel im Gesundheitsbereich verstärken, womit der Schaden deutlich größer als der Nutzen wäre. Die Produktionskapazitäten reichen weltweit nicht aus. Deswegen: Abstand halten. Hilft mehr als die Maske.

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