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Pandemie

Faktencheck: So gefährlich und so nützlich ist die Corona-Impfung

Von 
Stefanie Ball
Lesedauer: 

Rhein-Neckar. Ein Faktencheck dieser Redaktion zu Gerüchten und Mythen rund um Corona. Als Quellen dienen hier Bundesgesundheitsministerium, Paul-Ehrlich-Institut, Robert-Koch-Institut sowie Aussagen von Virologen, ärztlichen Fachgesellschaften und der Faktencheck von correctiv.org, einer gemeinnützigen Redaktion, die vor allem aus Spenden finanziert wird.

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Coronaviren gab es schon immer!

Sars-Cov-2 gehört zur Gruppe der Coronaviren, es handelt sich aber um eine komplett neue Variante. Es befällt neben der Lunge auch andere Organe, darunter das Gehirn, und ist überdies hoch ansteckend. Eine Therapie gibt es nicht. Jeder zehnte Infizierte leidet noch Monate später an den Folgen (Long Covid), die oft so schwerwiegend sind, dass die Betroffenen nicht mehr ihren normalen Alltag bewältigen können. Gefährdet sind vor allem alte Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen, aber auch junge Gesunde können schwer an Corona erkranken.

Es gibt gar nicht so viele Tote!

Weltweit sind bislang 5,2 Millionen Menschen im Zusammenhang mit Corona gestorben. In Deutschland hat die Zahl der Coronatoten in der vergangenen Woche die Marke von 100 000 überschritten. Zum Vergleich: An der saisonalen Grippe sterben in Deutschland im Schnitt 10 000 Menschen. Lücken in der Erfassung führen zudem zu einer Dunkelziffer, die wahre Zahl der Coronatoten wird weltweit wohl höher liegen.

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Der Corona-Impfstoff verändert das Erbgut!

Anders als bei klassischen Impfstoffen werden bei den Mitteln von Biontech/Pfizer und Moderna keine abgetöteten Erregerbestandteile gespritzt, sondern mittels der sogenannten Messenger RNA, mRNA, eine Art Bauplan für einen Bestandteil des Virus, das markante Spikeprotein. Die Körperzellen stellen dieses Protein dann selbst her, und das Immunsystem reagiert darauf mit der Bildung von Antikörpern - so ist es bei einer echten Infektion gewappnet. Die RNA kann nicht in die menschliche DNA, wo die gesamte Erbinformation gespeichert ist, eingebaut werden, allein schon durch die unterschiedliche chemische Struktur von RNA und DNA wird das verhindert.

Eine Corona-Schutzimpfung macht unfruchtbar!

Darauf gibt es keine Hinweise. Frauen mit potenziellem Kinderwunsch wird sogar ausdrücklich empfohlen, sich impfen zu lassen, damit bereits vor Eintritt der Schwangerschaft ein sehr guter Schutz vor einer Erkrankung besteht. Die sich dennoch hartnäckig haltende Fehlinformation beruht darauf, dass das Protein, welches von den Impfungen kodiert wird, einem Protein ähnelt, das für die Fruchtbarkeit wichtig ist. Tatsächlich beschränkt sich diese Ähnlichkeit jedoch auf wenige Abschnitte des Proteins. Solche Ähnlichkeiten treten sehr häufig auf und sind nicht spezifisch für die Covid-19-Impfung. Auch die Spermienqualität leidet unter einer Impfung nicht. Im Übrigen: Sollten sich Impfstoffe auf die Fruchtbarkeit auswirken, müsste dies das Virus ja erst recht tun - das ist aber weltweit nicht beobachtet worden.

Die Impfstoffe wurden vorschnell zugelassen. Normalerweise dauert eine Entwicklung zehn bis 20 Jahre.

Ein Impfstoff wird nur dann zugelassen, wenn er in Studien an ausreichend vielen Personen getestet und bestätigt wurde, dass die Wirkung gegenüber den aufgetretenen Nebenwirkungen deutlich überwiegt. Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit müssen also gewährleistet sein. Für die schnelle Entwicklung der Corona-Impfstoffe gibt es mehrere Gründe: Es haben gleichzeitig viele Institutionen und Personen an den Impfstoffen geforscht, Regierungen weltweit haben dafür finanzielle Mittel in Milliardenhöhe zur Verfügung gestellt, bürokratische Abläufe wurden vereinfacht, viele Prozesse, etwa in den klinischen Studien und später bei der Begutachtung von Daten durch Zulassungsbehörden, liefen parallel ab. Außerdem konnten Hersteller von Vorkenntnissen profitieren, die Technologien, mit der die neuartigen mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna entwickelt wurden, werden seit vielen Jahren erforscht.

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Spätfolgen einer Corona-Impfung sind nicht absehbar!

Die bisherigen Erfahrungen mit vielen verschiedenen Impfstoffen zeigen, dass Nebenwirkungen innerhalb weniger Stunden oder Tage, maximal ein paar Wochen nach der Impfung auftreten. Spätfolgen beziehungsweise Langzeit-Nebenwirkungen sind extrem unwahrscheinlich. Das gilt auch für die Corona-Impfstoffe.

Jede aufgetretene Nebenwirkung wird darüber hinaus erfasst und jeder Todesfall auf einen möglichen Zusammenhang mit der Impfung von einem unabhängigen Kontrollgremium untersucht. In Deutschland ist dafür das Paul-Ehrlich-Institut zuständig, das kontinuierlich Sicherheitsberichte zu den Covid-19-Impfstoffen verfasst. Danach wurden zwischen Dezember 2020 und September 2021 rund 172 000 Verdachtsfälle gemeldet. Schwerwiegend waren die wenigsten, pro 1000 Impfdosen gab es 0,2 Meldungen.

Menschen sind kurz nach der Impfung gestorben!

Ja, aber dies bedeutet nicht, dass diese Todesfälle mit der Impfung zusammenhängen. Werden viele sehr alte Menschen oder Menschen mit schweren Vorerkrankungen - und damit einem erhöhten Sterberisiko - geimpft, ist eine gewisse Anzahl von zufälligen Todesfällen, die kurz nach der Impfung auftreten, unvermeidlich.

Bekannt ist inzwischen, dass sich in sehr seltenen Fällen Thrombosen nach einer Impfung bilden können, die an ungewöhnlichen Orten auftreten, etwa im Gehirn, in der Milz oder Leber, und die - wenn sie unentdeckt bleiben - tödliche Verstopfungen in den Venen auslösen können. Frauen sind davon häufiger betroffen als Männer; bei anhaltenden Bauch- oder Kopfschmerzen kurz nach einer Impfung sollten Betroffene deshalb ihren Arzt aufsuchen, um sich behandeln zu lassen.

Die Impfstoffe haben keine richtige Zulassung!

Die Impfstoffe in der EU haben eine so genannte bedingte Marktzulassung. Sobald ausreichende Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit aus klinischen Studien vorliegen, können in einem beschleunigten Verfahren Medikamente zugelassen werden. Voraussetzung ist, dass der Nutzen für die öffentliche Gesundheit die Risiken überwiegt. Diese Nutzen-Risiko-Abwägung wird laufend überprüft, die Hersteller müssen deshalb auch nach der Zulassung weitere Daten vorlegen. Bedingte Zulassungen sind ein Jahr lang gültig und können jährlich erneuert werden. Sie können in eine Vollzulassung übergehen.

Trotz Impfung gibt es immer mehr Menschen, die an Covid-19 erkranken. Die Impfung nützt also nichts!

Mit steigender Impfquote sind unter den Erkrankten auch anteilsmäßig immer mehr Geimpfte zu erwarten (Impfdurchbrüche). Dies ist aber kein Hinweis darauf, dass die Impfstoffe nicht wirksam sind. Die Wirksamkeit der Covid-19-Impfungen ist sehr gut, aber beträgt nicht 100 Prozent. Das bedeutet: Obwohl die Impfstoffe sehr wirksam sind, können sie nicht alle Infektionen bei Geimpften verhindern. Sie sorgen aber dafür, dass Infektionen deutlich weniger häufig vorkommen und - und das ist der entscheidende Faktor - schwere Krankheitsverläufe sehr selten werden. Aktuell sind 15 Prozent der auf Intensivstationen behandelten Corona-Patienten in der Altersgruppe der 15- bis 59-Jährigen geimpft, bei den über 60-Jährigen, die generell ein höheres Risiko haben, schwer an Corona zu erkranken, sind es 46 Prozent.

Freie Autorin

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